Ohrenschmauch
EVA CASSIDY/ MILES DAVIS/ THE COOKERS/ MAX RAABE/ ELECTRO SWING REVOLUTION/ BLACK LABEL WHISKY & SUSHI BAR/ KLANGMEISTER Vol. 1/ GREGG ALLMAN
In jeder Woche freue ich mich aufs Neue auf den „Presseausweis“ gleich am Anfang der NA DANN. In meist sachlichen, wohl gewählten Worten von ARNO Fakten serviert zu bekommen, für die nicht nur ich meist nicht die Zeit habe (nehme!) sie selbst zu recherchieren. Ganz abgesehen vom möglichen Abgleich von Erfahrungswerten. Genug geschleimt, andere Menschen freuen sich ja vielleicht auf diese Seite.
Vorweg ein wenig Heldenkult. Obwohl eigentlich alles, was sie an Wiedergabetauglichem je eingesungen hat, längst mindestens 1x auf Tonträger gebannt wurde, kommt jetzt eine neue, (Best oft he Best?) CD von EVA CASSIDY auf den Markt. Heißt einfach „Simply Eva“ und ich nöhle hier nicht an der Qualität der Songauswahl oder der Sängerin herum, sondern an den Vermarktungspraktiken.
Das ist nicht zu vergleichen mit „Bitches Brew Live“ von MILES DAVIS, obwohl ich nicht bestimmt sagen kann, dass nicht Teile daraus irgendwo schon mal „beigepackt“ wurden. Das Material dieser „Mutter“ aller Jazz-Rock Platten in entsprechender Besetzung ist definitiv auch heute noch Herausforderung, sowohl für interessierte Hörer, als auch für Musiker.
THE COOKERS nennt sich das Allstar-Septett mit Rhythmusgruppe, Piano, 2 Trompeten und 2 Saxofonen. BILLY HARPER, EDDIE HENDERSON, CRAIG HANDY, CECIL McBEE, BILLY HART, GEORGE CABLES und DAVID WEISS spielen gemeinsam und gleichzeitig (kein kurzes featuring…) Jazz. Modern, swingend, manchmal beinahe frei und nahe an atonal, aber keineswegs unorganisiert oder dem Zufall gehorchend. Bläser in feinen Sätzen oder unisono und mit einzelnen Ausflügen, die vom Rest untermalt, angefeuert und wieder eingefangen werden. Nix für den Hintergrund, sondern quirliger Beweis, dass „richtig jazzen“ an kein Alter gebunden ist.
Wenn ich schon ein Hörmuster (in extrem teurer Aufmachung!) bekomme, dann erwähne ich es auch. MAX RAABE, der Mann mit dem Frack in der Stimme, verlässt seine gewohnten 20er Jahre Arrangements und hat mit ICH &..Frau HUMPE ein neues Album produziert. Der Titel und auch die Wortwahl in seinen Texten klingen dennoch deutlich nach Lackschuh. „Küssen kann man nicht alleine“ gibt es für die Traditionsbewussten aber in kleiner Auflage als Doppel CD, bei der die 2. Platte die modern und eingängig produzierten Songs von CD 1 in Versionen, wie m/f sie aus PALASTORCHESTER-Zeiten erwartet, enthält.
Damit ist der Weg auch nicht mehr weit zum Swing. Die modern aufbereitete Variante hat sich in letzter Zeit, nicht nur durch Alben, wie CARO EMERALD‘s „Deleted Scenes from..) eine ansehnliche Fan-Gemeinde erarbeitet. Auf „ELECTRO SWING REVOLUTION“ huldigen die Musikfans von LOLA’S WORLD diesem Phänomen. Platte 1, beinahe wie gewohnt, zusammengestellt von GÜLBAHAR KÜLTÜR dreht eine 16 Tracks lange, extrem tanzbare Runde durch die eher westeuropäische Szene, mit PAROV STELAR (immer gut..), CARAVAN PALACE, und natürlich CARO EMERALD unter anderen, während Platte 2, ausgesucht von DJ GLOBALUTION auch den Balkan mit einbezieht. Neu erfundenes, altes, aufgearbeitetes Material und sehr viel überraschendes, 2 Stunden Fingerschnippen und oder Fußwippen!
Mit sehr viel heftigeren, geraden Beats wartet „BLACK LABEL - WHISKY & SUSHI BAR“ auf. Ebenfalls ein Doppelpack, stilvoll verpackt und gefüllt mit feinstem House -/ Clubstoff. Hauptkriterium bei der Auswahl war eindeutig nicht Aktualität sondern definitiv klasse. Kann m/m im Haus haben, wenn es mal „richtig abgehen“ soll.
Falls nach diesen mehr als 2 Stunden Hyperventilation oder Herzkasper drohen, umschalten auf die Waagerechte und „KLANGMEISTER Vol.1“ einlegen. Harmonische (nicht unspannende!!) Sounds zum Chillen, wie sie uns auf den 1. Hälften der frühen BUDDHA BAR Kompilationen schon begeistert haben. Lediglich im Sound jünger und frischer. Diese „Musical Journey“ startet ohne Flughafengebühr sofort, nachdem die Augen geschlossen wurden.
Wer das für „zu spacig“ hält, der und die hat sicher Freude an Urgestein GREGG ALLMAN’s neuem Werk „Low Country Blues“. Zurück zu den Wurzeln, 12 ganz einfache, sparsam instrumentierte und mit großer Zurückhaltung (Vergleich: J.J. CALE) intonierte Blues-Klassiker von den Big Names des (Country-) Blues. Unverdünnt, pur, ehrlich, spätestens nach solch einem Leben kann auch ein „White Man“ den Blues haben. Na Dann. Tschüß i.m.trend@muenster.de
Cover The Cookers – 7 Altmeister auf 1 Streich
Cover Electro Swing Revolution – 2 Stunden Fingerschnippen…
Cover Gregg Allman– White Man sings the Blues


