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[Archiv Beitrag der KW 06 vom 09.02.2011]

Presseausweis

Den Presseausweis dieser Woche möchte ich mit einer Vorbemerkung beginnen: bei den folgenden Überlegungen handelt es sich nicht um eine aus dem Hause Deilmann/Kresing oder gar vom Studentenwerkt gelenkte Kommunikation. Der Deilmann/Kresing Komplex ist mir nur von seinen örtlichen Bauten und Bauvorhaben bekannt und für einen innigen Kontakt zum Studentenwerk fehlt mir der hinreichend devote Charakter.
So kann ich aus einem neutral/belasteten Blickwinkel feststellen: Deilmann/Kresing und Studentenwerk haben mit einer möglichen Kooperation bei Bau und Betrieb der Studi-Türme am Bahnhof eine wirklich gute Idee. Warum? Weil hier eine ernst zu nehmende Planung auf den Tisch kommt, in der Mitte der Innenstadt wieder junge Intellektuelle anzusiedeln. Eine Ansiedlung genau da also, wo die Schultheißsche Stadtplanung der letzten Jahre vor allem Kaufhäusern, Parkhäusern, Bankhäusern, Bürohäusern, Gasthäusern den absoluten Vorrang gibt.
Dazu stehen die Studi-Türme als Wohnhäuser in einer erkennbaren und für die zukünftige Stadtentwicklung notwendigen Opposition. Möglicherweise liegt ein Grund für das eher abweisende Echo darin, dass der Stadtplaner seine Stadt nur tagsüber kennt. Tatsächlich gibt es auch die nächtliche Seite.
Wenn die Offiziellen längst die Stadt verlassen haben, fahre ich die Dreiräder der na dann… über die Windhorststraße und den Bahnhofsvorplatz durch den Tunnel zu ihrem Parkhaus an der Soester Straße; 3 x die Woche abends 3 Fahrten mit dem Klapprad in die Stadt rein und mit einem Dreirad wieder raus. So lernte ich in 20 Monaten die abendliche Szene am Bahnhof glücklicherweise nur fast hautnah kennen. Intellektuell ist sie nicht. Mit Hilfe des traditionell gymnasialen Sprachrepertoires ist sie auch nur zur Hälfte zu verstehen. Bei dem, was man versteht, hört man besser nicht hin.
So ist das, wenn man aus Straßenzügen die Bewohnerinnen Haus für Haus ausquartiert, um Platz für Parkhäuser, Bürohäuser, Gasthäuser, Geldhäuser zu schaffen. Nachts lebt da kaum jemand der/die sich mit diesem Viertel identifiziert. Dem Parkhaus, dem Geschäftshaus, dem Geldhaus ist es egal, wer durch die Straßen pöbelt. Der kommunale Ordnungsdienst huscht mit gesenkten Köpfen in seinem Opel Agila vorbei. Was soll er auch tun?
Fragen, wie das gemeint ist, wenn ihm aus einer Gruppe Vorglühender auf dem Weg zur Abfüllstation zugerufen wird: " eh Mann, Alter, fick Dich"? Wer da nach einer Erklärung fragt, wird eine bekommen, das ist sicher.
Studi-Türme am Bahnhof können das Problem alleine nicht lösen. Aber ein weithin sichtbares Zeichen setzen sie schon - nachdem die Kaufleute dankenswerterweise auf der Bahnhofsstraße schon mal Licht angemacht haben - für die Wiederbelebung einer der nächtlich versoffenen Tristesse überlassenen, innerstädtischen Region. - Arno Tilsner

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