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[Archiv-Beitrag der KW 03 vom 20.01. 2010]

Ohrenschmauch

SOLVEIG SLETTAHJELL/ ANNE SOPHIE VON OTTER/ GRETCHEN PARLATO/ VAYA CON DIOS/ SADE/

Es gibt Wochen, da fällt es mir schwer, für diesen, wenn auch nicht großen Luxus, zu werben. Sicher, täglich sterben Menschen auf diesem Planeten, weil es ihnen selbst am Mindesten fehlt. Aber auf dieses nichts Haben dann noch eine solche Naturkatastrophe, dafür bin ich einfach zu sentimental.

Cover: "Solveig Slettahjell"
Aus dem, was hier früher einfach Winter hieß, wird ein 3 Tage dauerndes Medien - Event. Aber zu der Zeit dauerte ein Fußballspiel inkl. Allem ja auch nur 2 Stunden….

O.k., zum Thema. Zu den introvertierteren Sängerinnen zählt SOLVEIG SLETTAHJELL schon seit ihrer ersten Platte mit dem SLOW MOTION ORCHESTRA. Allerdings waren auf keinem der Vorgänger - Alben so viele Titel, die sie selbst verfasst hat. Hier zeigt sie deutlich ihre Einflüsse. Überwiegend langsam geht es nach wie vor, auch auf „Tarpan Seasons“, in Songs, die mich in ihren Strukturen von TOM WAITS (den mittleren) über Blues bis Country Musik erinnern. Streckenweise auch an die späteren Platten von CASSANDRA WILSON, die ja auch eine eher ungewohnte Instrumentierung bevorzugt. Beschaulich, doch keineswegs brav und schon gar nicht konform. Aber m/f muss sich für diese Platte Zeit nehmen.

Cover: "Gretchen Parlato"

Die Zusammenarbeit mit ELVIS COSTELLO brachte ANNE SOPHIE VON OTTER schon einmal auf diese Seite. Auf „For the Stars“ interpretierte sie seinerzeit Pop Songs und Herr COSTELLO gestaltete die Arrangements (Zitat: Erhabene Musik!). Null Pop, und damit für mich deutlich Kompetenz überschreitend präsentiert sie auf „Ombre de mon amant“ Arien des französischen Barock.

Cover: "Vaya con dios"
Zusammen mit dem Barock Musik Spezialisten WILLIAM CHRISTIE und seinem Ensemble interpretiert sie ein sehr ausgesuchtes Programm der Komponisten CHARPENTIER, RAMEAU und LAMBERT. Mangels Kenntnis von Vergleichsaufnahmen verzichte ich auf eine versuchsweise objektive Bewertung und sage einfach nur: Wundervoll! Ganz viel Gefühl in der präzise vorgegebenen Interpretation und eine Begleitung, die sich weder zu wichtig nimmt, noch versucht, der Stimme den Rang abzulaufen.

Schon aufgefallen? Es wird mal wieder eine Mädels - (Frauen! - ) Seite. Denn nach Wochen habe ich es endlich geschafft, mir die CD von GRETCHEN PARLATO „In a Dream“ anzuhören. Ja ja, schon wieder eine neue Jazz - Sängerin…., aber nicht alle müssen süß säuseln, wie KATIE und NORAH! Eröffnet wird mit der Adaption eines STEVIE WONDER Songs, der kein Welthit war, es folgen betextete Versionen von Titeln von HERBIE HANCOCK bis WAYNE SHORTER und DUKE ELLINGTON. Dazwischen das eine oder andere selbst Entworfene. Sehr selbstbewusst. Und exzellent in Szene gesetzt! Mit kleiner, dezenter Begleitung, die dafür sogar auf meinem TCM - Schreibtisch - Equipment außergewöhnlich gut klingt. Das stelle ich mir gerade auf einer „richtigen“ Anlage vor. Ein Fest für die Ohren!

Sehr viel zugänglicher, leichter für den Konsum „nebenbei“ ist da die neue Platte von VAYA CON DIOS. Nach großen Erfolgen in der Vergangenheit, dem darauf beinahe zwangsläufig folgenden Verschwinden in der Versenkung und dem nicht wirklich erfolgreichen Anpassen an den Trend folgt mit „Comme on est venu“ die Rückbesinnung auf die Vergangenheit. Etwas „Twang“ - Gitarren, Gipsy Swing, Akkordeon und auch Orchester. Da gibt es wirklich nichts aufregendes Neues, aber eine Sängerin und kleine Combo, die das tun, was sie wirklich können. Chansons aus Geschichten aus gelebtem Leben, ohne Besserwisserei und Zeigefinger, gewissermaßen als „Ist“ - Zustand, Momentaufnahme.
Ehrlich, anrührend, so, wie sie es im Moment nicht besser können. Wer die französischen Texte versteht, hat noch mehr davon. Wer nicht, muss nur dem Gesang folgen. So mag ich es!

Noch 2 Wochen bis zum neuen Album von SADE! Und falls jemand eine Alternative braucht für die bald 20 Jahre alte „Nouveau Flamenco“ von OTMAR LIEBERT, bitte die MEDITERRANEAN CHILL EXPERIENCE ausprobieren. „The Sound oft the Island“, gemacht von einem Gitarristen und 2 Disc Jockeys, hat alle Zutaten für einen zeitlosen Klassiker. Entspannte Beats, akustische Gitarren, die eine Idee von Flamenco transportieren und Melodien, die das Ohr umschmeicheln. Und umschifft dabei die Klippe „belanglos“ ohne Mühe.
Na Dann. Tschüß! i.m.trend@muenster.de

Solveig Slettahjell - Jazz singen geht auch so | Gretchen Parlato - ..sollte m/f gehört haben! | Vaya Con Dios - Zurück zu den Wurzeln.

 

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