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  • KW 09 vom 24.02.2010
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[Archiv-Beitrag der KW 31 vom 04.08. 2010]

Ohrenschmauch

CLUB DES BELUGAS/  COBBLESTONE JAZZ/ PLAY! 03/  MARTINEZ/  SEGUN BUCKNOR/  FLOWERING INFERNO

Schade, dass uns der typisch westfälische Sommer so schnell wieder eingeholt hat. Ich hätte vorm Winter (es ist bereits August, Vorsicht vor den Schoko-Weihnachtmännern..) gern noch eine ordentliche Portion Sonne in meinem Herzen abgespeichert. Wie dem auch sei, das Leben ist kein Wunschkonzert.
Diese Seite schon! Und mit einem (eigentlich mehreren) Konzerten geht es los. Zunächst auf DVD, die es leider nur über ausländische Anbieter zu beziehen gibt. Die enthält das Konzert im Wuppertaler REX THEATER im Januar dieses Jahres. Wer immer noch denkt, der CLUB DES BELUGAS sei ein Clübchen von Computerbeat-Nerds, wird hier definitiv und endgültig eines Besseren belehrt.
Es beginnt mit einem Barjazz Set in 3er Besetzung (p,b,dr), die die schwangere Sängerin ANNA LUCA ebenso inspiriert und dynamisch begleitet, wie sie singt. Statt des „üblichen“ Great American Songbook tragen die vier absolut eigene, das sensible Ohr schmeichelnde Kompositionen vor. Danach wird das Quartett zum Orchester aufgerüstet, mit Sängerin BRENDA BOYKIN, deren eigenes Album ich an dieser Stelle noch einmal dringend auf die Liste setzen möchte, und legt mächtig los. Swingende Musik für den fortgeschrittenen Tanzboden, gemischt aus Jazz-Elementen, Latin-Rhythmen und einer Menge funky Soul. Eine feurige Sängerin, pfiffige Bläserarrangements und eine unwiderstehliche Rhythmusgruppe.
Länger kann ich hier nicht schwärmen, denn jetzt kommt die inhaltlich nicht identische „Live“ Doppel CD. Auf der DVD sieht m/f quasi das Konzert „am Stück“, während auf der Doppel CD sowohl die Highlights aus diesem Konzert, als auch diverse Titel (total 24), die im Laufe des Frühjahrs an anderer Stelle (u.a. auf dem grandiosen Konzert in Gronau) aufgenommen wurden, enthalten sind. Dringend empfohlen! Und wer danach auf den Geschmack gekommen ist, das letzte Studioalbum der Band („Zoo Zizaro“) kommt zum gleichen Zeitpunkt mit geändertem Artwork neu in den Handel.
Etwas allgemein, zugegeben, und zitiert auch noch, aber wenn CHINCHIN (so heißt das Label) draufsteht, dann ist immer klasse Musik drin, ob Sampler, „BAR TUNES“, „AURAL AFFAIRS“ oder Künstler BEBO BEST, JOJO EFFECT, BAJKA, TAPE FIVE)!
Jetzt zu den Nerds. COBBLESTONE JAZZ „The Modern Deep Left Quartet“ habe ich mit mehrfach vorgelegt, bis der Groschen fiel. Auf den ersten Blick simple House-Beats, nicht so fett, wie im Club, die aber sehr trickreich und unaufdringlich variiert werden, dazu höchst eigenwillige Sounds, die das „Jazz“ im Projektnamen durchaus rechtfertigen. Kann m/f bei K7 (Label) ja auch erwarten, oder?
Deutlicher für den Dancefloor (gaaanz spät) produziert ist „PLAY! 03“, live gemixt von OLIVER HUNTEMANN im CIELO (!!!??) Club in New York. Nach dem ruhigen Intro geht es straight zu ausgefuchsten Deep House Varianten der intelligenteren Sorte. Ganz vorn, auch ohne Alkohol!
Dritte in diesem Kapitel sind (ist?) MARTINEZ. Auch das „Paradigm Shift“ Album ist nicht brandneu. Diese auf den ersten Blick einfach strukturierten, fast komplett programmierten Werke legt m/f entweder sofort zur Seite (zu gleichförmig..!), oder gibt ihnen eine 2. und 3. Chance. Dann blühen sie plötzlich auf. Die glatte Oberfläche verdeckt lediglich das feingliedrige Soundgerüst darunter. Verrückte Ideen, seltsame Sounds und eine ganz unerwartete Klangwelt.
Die findet sich auch auf der Doppel-CD „Who say I tire“ von SEGUN BUCKNOR. Den Namen hatte ich irgendwann auf einem Afrobeat Sampler aufgeschnappt. Hier kommt der größte Teil seines Schaffens aus der ersten 70er Hälfte. In der Zeit entwickelte er parallel zu FELA einen spezifisch nigerianischen Sound aus den Zutaten Highlife, Juju, funky Jazz, vorgetragen mit einem neuen politischen Bewusstsein und deutlichem Bezug auf die afrikanischen Wurzeln. Musikalisch nicht so wild und laut, wie sein großer Mitbewerber FELA, aber nicht weniger spannend und sogar rhythmisch variabler. Für Afrobeat Fans und Sammler ein echtes Schmankerl.
Noch ein Genre übergreifender Tipp zum Schluss: Der umtriebige WILL HOLLAND (s.a. QUANTIC SOUL ORCHESTRA, QUANTIC AND HIS COMBO BARBARO), legt mit einem weiteren Seitenprojekt bereits die 2. Platte vor, QUANTIC presenta FLOWERING INFERNO. Auch hier ist die erste ungesehen (-hört!) an mir vorbeigekommen. Spitzenmäßig karibisch; Mambo, Guaguanco, Cumbia, Vallenata und diverse afrikanische Rhythmen angedickt mit einer ordentliche Soße aus Reggae und Dub. Von Bläsersätzen, wie beim BURNING SPEAR, Timbales und Piano, wie sie zu einer ordentlichen Descarga gehören zu Zeitlupen-Cumbia mit Dub-Effekten und zwischendurch noch etwas Ska. Supermischung, funktioniert sogar ohne Sonne! Na Dann. Tschüß!  i.m.trend@muenster.de


Cover1: Club des Belugas - Beste Band im Land!
Cover2: Segun Bucknor - Fela’s Rivale
Cover3: Flowering Inferno - Karibische Spitzenklasse!




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