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na dann... 07/25
ohrenschmauch 25
Den habe ich in der vergangenen Woche bei der Aufzählung der Saiten Virtuosen nicht erwähnt. Von AL DiMEOLA kommt nach der ausge- zeichneten „24“ vor ein paar Monaten was Neues (Altes!). Ein fulminantes Konzert aus der Ludwigshafener Scala 2004. Begleitet von Piano, Bass und Perkussion, dazu wo’s passt, 4 Streicher. „One of these Nights“ ist ein überzeugendes Dokument intensiven Zusammenspiels. Natürlich bekommt der ‚Chef‘ den meisten Raum, seine fliegenden Wechsel zwischen den Gitarrensounds erstaunen mich, aber ohne die gemeinsame Rhythmusar- beit, zwischen dezent und fordernd aufspielend, dem Mann am Klavier mit
sowohl kräftigen Akkorden als auch ins- pirierten solistischen Ausflügen, wären die lyrische Feinarbeit auf den Saiten und die Flitzefinger Passagen (schneller als ich hören kann..) nichts als Selbst- darstellung. In diesem Verbund war es tatsächlich ein sehr besonderer Abend.
Ausgesprochen langsam und zu- rückhaltend erzählen die DELINES ihre kleinen Geschichten, alle verfasst von Willy Vlautin (ehemals Richmond Fontaine), die auf „ Mr Luck & Ms Doom“ mehr von wenig Glück und viel Unbill handeln. Zur klassischen Band 4er Besetzung spielt der Keyboarder
zusätzlich sanfte Bläsertöne und singt, säuselt, flüstert die Sängerin mit passender Stimme die gut formulierten Texte über wer jetzt in Amerika lebt, unsererStadtinTrümmern(Zitat).Mu- sikalisch wunderbar gemischt aus ent- spannter Americana und Harmonien, die mich an Burt Bacharach erinnern.
Total unüblich für diese Seite: Hard Rock. Nur weil ich mich freue, dass die 4 jetzt älteren (deutschen) Herren von TRANCE sich das Vergnügen gegönnt haben, ihr 81er Album „Break out“ neu zu Mastern. Musik zwischen Deep Purple (Gesang) und Black Sabbath (Riffs). Und die doppelläufigen Gitar- renlinien á la Wishbone Ash finden/ fanden sie auch faszinierend. Da soll die Welt eine neue Chance kriegen zu entdecken!
Wer wissen möchte, wie ‚post modern contemporary jazz fusion‘ klingt, möge bitte MARTON JUHASZ’s „Metropolis“ hören. Er spielt die Drums, dazu gesellen sich b,keys,g und sax. Die ungewöhnliche Metrik, in der sich verschiedene Rhythmen der Welt ver- stecken, wird durch fein gesponnenes Zusammenspiel versteckt. Sax, Gitarre und Piano legen sowohl improvisierte als auch ausnotierte Tonfolgen und Melodien über und hinter die so nicht übliche Schlagzeug Arbeit. Improvisiert heisst hier nicht Exzess, der angekün- digte Gesamtklang ist das Ziel.
Das MARCEL LÜSCHER QUARTETT tritt mit dem Leader an Saxes (Tenor/ Bariton) und Klarinette an. Dazu kom- men p,b und Drums. In 11 unterschied- lich langen (von 3 bis 6 Min.) Tracks verbreiten diese 4 eine ausgesprochen wohlige Melancholie. Mal unterlegt mit leichtem Groove, ja sogar Funk Ansatz, huldigen sie der Melodie. In ruhigen, ausgewogenen Tonfolgen folgt jedem etwas bewegteren Titel einer in grosser Ruhe. „Make Things happen“ ist Musik zum hineinfallen.
Wer nach den üblichen 12 Sekunden Aufmerksamkeit weiter geblättert hat, verpasst das Beste. Die Damen und Herren von Tramp Records legen ihr „PRAISE POEMS 10“ vor. Auch diese ‚Journey into soulful Jazz and Funk from the 70ies‘ hält bei den 16 ausgewählten Tracks ihren hohen Standard. Erstklas- sige Handarbeit an Instrumenten, emotionaler Gesang, fette Grooves, einprägsame Melodien und vielfältige Instrumentierung. Alles unentdeckte Kleinode aus dem Jahrzehnt, in dem die Musik ‚explodierte‘. Hörtipp: Ernie Lewis Trio – Souled out, Bass und Piano spielen sich in knapp 7 Minuten in einen Rausch. Und die Tonqualität ist besser als erwartet.
nadann... Tschüss i.m.trend@muenster.de
16 verschollene Kleinode
Al DiMeola – Ja ja, der kann’s!
Wohlige Melancholie

