Page 5 - die neue nadann KW 31/2025
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kinokritiken 5
The Life of Chuck
(jonny) Während sich auf der Welt unerklärliche apokalyptische Ereignis-
se häufen, tauchen in ei- ner US-amerikanischen Stadt plötzlich überall Pla- kate auf, auf denen einem gewissen Charles „Chuck“ Krantz für „39 wunderba- re Jahre“ gedankt wird. Der Weltuntergang rückt im- mer näher und die Dankes- bekundungen für Chuck häufen sich. Das Absurde dabei ist: Niemand scheint Chuck zu kennen... „The Li- fe of Chuck“ ist die Verfil- mung der gleichnamigen, nur fünfzig Seiten langen Stephen-King-Geschich- te. Regisseur Mike Flanag- an hält sich sehr eng an die Buchvorlage und über- nimmt deren raffinierte, rückläufige Erzählstruktur. Die Mischung aus Katast- rophenfilm, dynamischen Tanzszenen und Coming- of-Age-Drama ist an sich sehr erfrischend. Doch was in der kompakten Form ei- ner Kurzgeschichte funk- tioniert, entfaltet auf der großen Leinwand nicht ge- nug Spannung, um über die gesamte Filmlänge hin- weg zu tragen.
112' Schloßtheater
Memoiren einer
Schnecke
(sirk) Triggerwarnung: Kein Film für zartbesaitete Men- schen mit Depression, Ver- lust, Trennung oder sonsti- gen schlimmen Ereignissen im Leben. Fünfzehn Jah-
re nach seinem schwarzhu- morigen Spielfilmde-
büt (Mary & Max) präsen- tiert der australische Ani- mationskünstler Adam El- liot seinen zweiten Knetfi- guren-Streich. Bewährtes, wie die makabre Grund- stimmung und die depres- sive Düsterkeit werden er- neut angemischt mit ei- ner herzerwärmenden Ge- schichte rund um eine un- gewöhnliche Freundschaft. Mit "ich bin nicht immer einsam" beginnt die Erzäh- lung der jungen Grace, die in den 1970er Jahren in Aus- tralien nach und nach beide Elternteile verliert und wie ihr Zwillingsbruder Gilbert bei Pflegeeltern aufwächst. Ein 95-minütiges, detailver- liebtes Kunstwerk von ei- ner schicksalsgeprägten Ge- schwisterbindung, ihren Träumen und Ängsten, sozi- aler Isolation und speziellen Freundschaften. Harte Kost, aber meisterhaft serviert.
115' Cinema
Ich weiss, was du letzten Sommer getan hast
( jonny) Fast drei Jahrzehnte nach den schrecklichen Er- eignissen von damals leben Julie und Ray zurückgezogen, gezeichnet und traumatisiert von der Vergangenheit. Doch als eine neue Generation den alten Fehler wiederholt, wer- den sie jäh aus ihrem selbst gewählten Exil gerissen. Ava und ihre Freunde ver- ursachen einen tragischen Unfall und entscheiden sich zu schweigen. Bald darauf erhalten sie unheimliche Botschaften und mysteriöse Morde fordern neue Opfer in Southport. In ihrer Ver- zweiflung wenden sich die Teenager an Julie und Ray, die einzigen, die wissen, wie alles begann. Können sie helfen, den Kreislauf aus Schuld und Gewalt endlich zu durchbre- chen? Nach dem Erfolg von „Scream“ wagt sich nun auch das „I Know What You Did Last Summer“-Franchise an ein Legacy-Sequel. Das Ergebnis kann sich durch- aus sehen lassen, doch der Wunsch nach neuen Ideen statt aufgewärmter Erfolge der 90er bleibt.
111' Cineplex
Leonora im Morgen-
licht
(mex) Obwohl sie bereits als Zwanzigjährige in Paris an der bahnbrechenden „Exposition Internationale du Surréalisme“ teilnahm, ist das Werk der gebürtige Britin Leonora Carrington erst in den letzten Jahrzehn- ten verstärkt zu größerer Bekanntheit gelangt. Nun widmet das Regie-Duo Le- na Vurma und Thor Klein der Künstlerin, frei nach Elena Poniatowskas Best- sellerroman „Frau des Win- des“, eine Filmbiographie. Im anti-chronologischem Erzählstil nähern wir uns episodenhaft dem Leben der Protagonistin: Von Begeben- heiten ihrer Kindheit, ihrer Beziehung zu Max Ernst, der Begegnungen mit anderen bedeutenden Surrealisten wie André Breton oder Sal- vatore Dali, dem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik bis zu ihrer Zeit in Me- xiko. Dabei ist es besonders die starke Darbietung der Schauspielerin Olivia Vinali, die den Film über weite Strecken zusammenhält. Gerne hätte man ein wenig mehr über die Kunst der Carrington erfahren.
103' Schloßtheater

