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na dann... 34/25
Molly Tuttle – Macht gute Laune
Nicht nur für Sound Fans
Aus der Abteilung World Music (Globa- lista!) gibt’s nur gelegentlich etwas zu berichten. Wenn sich eine Kleinst-Combo KENGO SAITO – JAPANISTAN TRIO nennt, kann die und der Eingeweihte schon hochrechnen, um was es hier geht. Diese drei sind ausgerüstet mit der japanischen Shakuhachi Flöte, persischer Handtrommel und der af- ghanischen Rubarb. Die klingt etwa, wie eine Mischung aus (Stahlsaiten-) Gitarre und etwas Banjo. Diese drei folgen mit ihren authentischen Instrumenten im weiteren Sinne ihren musikalischen Sozialisationen, bleiben dabei jedoch nicht in ihren jeweiligen Traditionen stecken, sondern gestalten aus den ge- nannten Ingredienzien eine vollständig eigene Musik. Die Shakuhachi mit ihrem unverwechselbaren Tonfärbungen, der spezielle Klang des Saiten-Instruments, begleitet von zurückhaltender Perkussi- on, schaffen in Komposition und Impro- visation fast sphärische Stimmungen auf „Douce Errance“.
Legenden und Geschichten aus ver- gangener Zeit zu vertonen ist ja nicht neu (Donovan/Atlantis...), aber dies zu tun ohne Text oder Gesang? Bassist FERNANDO ROMANO, im Quartett mit Drums, Piano und Akkordeon hat es als Auftragsarbeit für das Estländische AccordionFest umgesetzt. Er zielt dabei nicht auf märchenhaft schön, sondern lässt die „Legends of Otranto“ entspre-
chend dem Inhalt der Erzählungen klin- gen. Das ist schon mal martial kriegerisch, reicht über sparsame Trauermomente auch zu leicht romantischen Tonfolgen. Auch hier, ein schmaler Grat zwischen notiert und ungebunden. Hilfe bei der Übersetzung der Klänge leistet das Book- let auf italienisch und englisch.
Damit Euer spotify nicht zu sehr ins Schleudern kommt, jetzt mal was aus dessen ‚News‘ Liste. MOLLY TUTTLE schickt mit „So long little Miss Sunshine ihr fünftes Solo Album in den Click Wettkampf. Als preisgekrönte Bluegrass Musikerin verlässt sie diesen Pfad und wartet mit einer frischen Mischung aus Country, etwas Roots und ganz viel Pop auf. Klasse Songs, fast alle selbst verfasst, mit viel Schwung, ‚richtigen‘ Instrumenten und einer blitzsauberen Produktion, natürlich aus Nashville, lässt sie die Spielzeit der Platte im Nu verfliegen. Ob Country Rocker, Ballade oder ihre sehr gelungene Version von ‚I love it‘, macht einfach gute Laune.
Zurück zum Ernst des Lebens. Das LORENZO BELLINI QUARTET, bestehend aus genanntem Pianisten, Luca de Toni, elektrische Gitarre, Matteo Padoin, Kon- trabass und Andrea Dionisi an Drums, er- zeugt für sein Alter (beurteilt nach Fotos) eine erstaunlich eigenständige Variante des modernen Jazz. Fliegend wechselnde solistische Ausflüge in harmonischem
Gewand, vertrackte Rhythmik unter eingängigen Melodien, absolut selbst- bewusst und unaufgeregt folgen diese vier auf „Source“ ihrer Auffassung von gleichberechtigtem Zusammenspiel, das trotz improvisatorischer Freiräume den Herzschlag der Hörenden wenn, dann positiv beeinflusst.
Eine (nicht nur!) für die Klang-Feti- schistInnen: „s.a.m. – SELECTED AUDI- OPHILE MUSIC“. Herausgegeben vom HiFi Ausrüster In-Akustik, der in der Ver- gangenheit mit seinem ‚Reso Mastering‘ Verfahren die ausgesprochen beliebten ‚Reference Sound Editions‘ zusammenge- stellt hat. Hier geht die Reise in 17 Tracks auf CD oder 2LP wieder durch diverse Genres, ausgesucht nach inspirierter Mu- sik und natürlich exzellentem Klang. Von klassisch Anmutendem über Retro Funk zu Jazz, wobei weder Elektronisches noch auffällige Stimmen ausgelassen werden. Eine sehr bunte Mischung also, dabei die wirklich ausgesprochen unterschied- lichen Darbietungen in eine entspannt fließende Reihenfolge zu bringen war sicher eine echte Herausforderung. Kurz gesagt, nicht nur dazu da, die eigene Anlage ‚auszuloten‘, sondern einfach eine tolle Zusammenstellung, die vielleicht sogar Anregung sein kann, sich mit der oder dem einen oder anderen KünstlerIn etwas näher zu befassen.
nadann... Tschüss i.m.trend@muenster.de
Nicht zu jung für Jazz

