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12 ohrenschmauch
na dann... 35/25
    Intimes Zusammenspiel
  Alter Mann & junge KollegInnen
Schon länger nicht gemacht. Malen nach Zahlen. Ein Solo Album habe ich nicht im Korb, es geht also los mit zwei. Piano und Saxofon. ANDREAS FEITH & MARKUS HARM, langjährig befreun- det und gemeinsam oder individuell in diversen Projekten unterwegs, beweisen auf „Abstract Truth“, dass es einen Unterschied macht, wenn sich zwei Musiker schon lange auf einer Wellenlänge befinden. In den zehn Titeln der CD, sieben eigene Werke und 3 Standards, zeigen sie eine Intensität, ja Intimität, des miteinander Musizie- rens, die sich nicht nach ein paar Proben einstellen kann. Die kennen sich, wissen wie das Gegenüber reagiert und nutzen dies, um tonale Ausflüge des Partners zu stützen, kommentieren oder erweitern. Zwischen Harmonie und Improvisation ‚verstecken‘ sie ihre wohlklingenden Varianten der Standards. Für Hörende eine Stunde zwischen Konzentration und Genuss.
Zu dritt treten an THOMAS QUENDLER, Piano, Jakob Gönitzer, Bass und Jonas Kocnik, Drums. Zwei Adaptionen, die anderen sechs Ti- tel komponiert vom Mann am Kla- vier. Auf dessen Fingerfertigkeit und Melodie-Gefühl „Awakening“ auch stark zugeschnitten ist. Damit will ich jedoch nicht die Fähigkeiten der Rhythmusgruppe schmälern, die mit einfallsreichem Spiel, rhythmischer
Finesse und Schwung den gelegentlich sogar ‚Groove‘ umsetzt. Auch hier sehr interessante eigene Interpretationen der Fremdwerke. Sofort erkennbar und trotzdem anders.
Auf Volume 1 war es Klavier solo, Volume 2 gelang im Trio, das aktuelle „Standards Vol. 3“ präsentiert den Pi- anisten PAUL URBANIAK im Quartett. Glen Fisher, Bass, Reinhardt Winkler, Drums, als Rhythmusgruppe wurden für die aktuelle Ausgabe um die Saxo- fonistin Ilse Riedler ergänzt. Das macht die eingespielten ‚Klassiker‘ lebendiger und vielseitiger. Ein wenig Schwindel geht immer durch, hat er doch ‚nur‘ 5 Titel aus fremder Feder in die Reihe der 9 Songs eingeflochten. In diesem Fall ist das Piano nicht das Maß der Dinge, forciert und hält die Harmonien, die Kollegen erspielen sich ihren Raum durch hochkonzentrierten Umgang mit Ideen und dem Gesamtbild un- tergeordnetem kreativ Potential. Sehr schöne Version von Prince’s ‚Sometime it snows in April’ übrigens.
Jetzt sind es gleich sechs und dazu noch Gäste. Der Trompeter DAOUD beschreitet für sein „ok“ einen für Jazz Alben nicht gewöhnlichen Weg. Die ‚Basics‘ der 14 Tracks (in 45 Min) wurden mit Band aus git, b, dr, und 2 Keyboards Live im Studio eingespielt. In mühevoller Nachbearbeitung wurden
dazu weitere Instrumental- bzw. auch Gesangsspuren addiert. Flöte, Bläser, Saiteninstrumente füllen diesen mu- sikalischen Kosmos. Wer im Jazz eine bestimmte/konkrete Form sucht, ist hier fehl am Platz. In den Klängen von ‚ok‘ reichen Sounds und Rhythmen von Pop bis Afrobeat, von Lyrik bis Uptempo mit einer reichlichen Fülle an Ideen, In- terpretationen und Vorstellungskraft.
Bei dieser kann ich’s nicht genau sagen, auf jeden Fall fünfer Standard ‚Rockband‘, dazu auf einigen Titeln illustre Gäste. Und die Musik? RODNEY CROWELL darf ich sicher als ein Urge- stein der US Country Szene bezeichnen. Für sein „Airline Highway“ hat er Mu- sikerInnen der nächsten Genration zu Mitwirkung eingeladen, die ihm auch beim Verfassen der Songs zur Seite standen. Er besingt schöne und we- niger schöne Erinnerungen und wirkt bei alledem ausgesprochen zufrieden und entspannt. So klingt dann auch das Album. Interessant arrangierte Songs, motivierte KollegInnen, die der hier nicht so populären ‚große Hüte Musik‘ mit Enthusiasmus und offen hörbar großem Vergnügen einen anderen Stempel aufdrücken.
nadann... Tschüss i.m.trend@muenster.de
  Daoud – Vielschichtig






















































































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