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ohrenschmauch 11
Die Energie des Moments
Hommage an Elliott Smith
Gleich zu Beginn mein Liebling der Woche. Der umtriebige JON BATISTE zeigt auch auf seinem „Big Money“, dass er sich zumindest vorerst keine Genre Beschränkungen auferlegen lässt. Von, wenn m/f so will, Protest Songs über Ausflüge in die World Music zur Verquickung von Blues und Gospel mit Beethoven. Im Vergleich dazu ist sein aktuelles Werk beinahe konservativ. Mit ausgewiesenen Könnern an den Instrumenten und seinem ‚Haus Produzenten‘ wurden die neun Songs quasi ‚Live‘ im Studio eingespielt, statt Perfektion besser die Energie des Moments einfangen. Dabei herausgekommen ist ein bunter Ritt durch die amerikanische Musik. Gospel, Ballade, Blues und nicht zu- letzt tanzbare Soul/Funk Nummern. Ausgewählte Gäste (Andra Day, Randy Newman..) runden diese wohl zugänglichste Platte des neugierig vielseitigen, vornehmlich Sängers, ab.
Ob nach dieser noch Platz ist für weitere Titel, wird sich zeigen. CHRIS- TIAN MUTHSPIEL & ORJAZZTRA VIENNA & DIE STIMME VON ERNST JANDL. Als langjähriger Fan und Freund des sprachvirtuosen Dichters hat Muthspiel zu dessen 100. Geburts- tag gleich Material für eine Doppel CD der üppig besetzten Big Band
komponiert. Allein schon wegen der Musik absolut hörenswert, modern, vielgestalt, auch ohne große ‚freie‘ Ausflüge. Und mit Stimme, nämlich der von Jandl selbst. Existierende Sprachaufnahmen des Wortschöpfers und –verfremders, in, um und vor die Musik implantiert. Kurze, prägnante Formulierungen, eingerahmt von ausgefallenen Arrangements und raffinierten Ausflügen der Musike- rInnen. Ja gut, für Big Band Klänge muss m/f ein Ohr haben, aber was die 6 SaxofonistInnen (die alle auch noch auf Klarinetten oder Flöte aktiv sind), 4 Trompeten / Flügelhörner, 3 mal Tuba plus p,b,eb,dr und Perkussion zusam- men spielen, füllt das Ohr und fordert das Hirn. „Von Jandln zum Ernst“ oder Jazz me if you can‘!
Was macht der Musiker, der weiß, dass eigentlich alle Akkordfolgen, Harmonien und Rhythmen schon mal da gewesen sind? Er besinnt sich auf sich selbst und macht das was er liebt in so gut wie möglich eigener Variante. So auch MOJO AUGUST, das gemischt besetzte Quintett aus Österreich. Zwischen rifflastigen Ro- ckern und Garagen Krach verstecken sie auch mal eine herzzerreißende Ballade oder einen feinen Popsong. Erinnert mich sehr an 90er ‚Indie‘
Rock, Pop und Grunge. Deutlich fri- scher und glaubhafter als (sorry für den Vergleich) z.B. das neue Werk von Bryan Adams, das vor der Tür steht. Mojo August sind auch nicht mehr 18, aber die wissen das.
Da gibt es Leute, die denken, dass ich alles kenne. Weit gefehlt. Elliott Smith, der Name des früh gestorbe- nen Songwriters ist mir nicht fremd. Seine Musik wird mir aber erst jetzt nahe gebracht, in Interpretationen von Jazz bis Klassik von Pianist BRAD MEHLDAU mit Band und teilweise ei- nem Kammerorchester. Stimmungs- volle, meist nicht sehr optimistische Klänge, oft gekennzeichnet durch ungewöhnliche Akkordwechsel, die seine Songs abwechslungsreich und spannend gestalten. So pendelt dieses Album zwischen komplexen Interpretationen und feinen Songs, die Daniel Rossen singt. Neben je- weils einem Song von Big Star und Nick Drake und 10 Songs von Smith finden sich auf „Ride into the Sun“ 4 Kompositionen von Mehldau, die, wie er sagt, von Smith inspiriert sind und dessen Werk reflektieren. Nicht ganz Easy Listening, aber schön! nadann... Tschüss i.m.trend@muenster.de
Christian Muthespiel... – Lyrik & Jazz

