Page 58 - Demo
P. 58
58 ohrenschmauch
na dann... 39/25
Wer mit dem neuen Album von TILL BRÖNNER „Italia“ sein Faible für Easy Listening Jazz (wieder) entdeckt hat, die und der sollte auch ein Ohr riskie- ren für die neue CD von THORSTEN GOODS. Gitarrist, Songschreiber, Sänger, vielleicht noch im Gedächtnis als aufstrebender Modern Jazzer. Mit „Soul Deep“ legt er sein mittlerweile 8. Album vor. Gefüllt mit sehr persön- lichen Songs aus einer entspannten Mischung von Jazz, Soul und West- küsten Gefühl. Die Gitarre spielt er immer noch exzellent und die Songs sind geschickte Konstruktionen, abso- lut eigen, aber durchaus angelehnt an seine Helden. Ich erkenne ein wenig George Benson, etwas Steely Dan und eben diesen nicht zu knackigen Westküsten Soul-Pop.
Nach diesen ‚alten weißen Män- nern‘ hier das Gegenstück. MILLER CAMPBELL und ihr Album ohne Titel. Bedient die Lust an Nostalgie und laut aufgedreht. Instrumentiert und produziert ganz im Stil der 1. LP der Pretenders, wenn m/f sich den Synthi wegdenken kann. Also kräftige Riffs, ordentliches Tempo, aber auch kleine Sentimentalitäten. Ihre Stimme ist vielleicht etwas zu ‚schön‘ für diesen Sound, das tut dem Spaß daran aber keinen Abbruch.
M. Campbell – Pretenders? GoGos?
ich gerade in meinem geistigen Ohr, aber „Neon Grey Midnight Green“ halte ich für das bisher zugänglichste Werk von NEKO CASE. Hier zeigt sie einmal mehr, welch vielseitige Song- schreiberin sie ist. Große und kleine Arrangements, Balladen und krachige Rocker kriegt sie mit ihrer Haltung und Stimme in eine überzeugende eigene Linie. Kritisch die Welt beobachtend und beschreibend, dabei die eigenen Gefühle ins Verhältnis dazu setzen und zuversichtlich bleibend.
Sanft und folkig wird es mit KAHTRYN WILLIAMS‘ „Mystery Park“. Ihr Album Nr. 15(!) lebt von sanft gezupften akustischen Gitarrentönen und ihrem ebenso sanften Gesangs- vortrag. Unaufgeregt resümiert sie Vergangenes, Familiäres und andere persönliche Themen. Mit Hilfe von u.a. Polly Paulusma und Paul Weller gelin- gen ihr 11 wohlklingende kleine Songs.
Und jetzt, ich zitierte die vergange- ne Woche, kommt der Genuss durch aufmerksames Zuhören. BJÖRN LÜ- CKER BERLIN ENSEMBLE präsentiert „Tea for Five“. Mit dr,b,p,sax,cl/b-cl und dem Namensgeber an den Drums zeigt dieser 5er gleich im ersten Track, worum es geht. Gut organisiert und aufeinander abgestimmtes ziemlich freies Zusammenspiel. Fingerfertig und nicht immer auf den ‚guten‘
Klang des jeweiligen Instruments bestehend entsteht aus dem Kalei- doskop der Klänge dann doch noch BeBop. Swingen können sie ebenfalls, vermeiden dabei jedoch erwarteten Schönklang, sondern stellen die eigene Vorstellung davon in den Vordergrund. Lang ausgespielte Titel lassen genügend Platz für ausgedehn- te Instrumental Arbeit. Dabei wird kein Tee verschüttet!
In durchaus nicht gewöhnlicher Besetzung intoniert der Dreier L’ANTIDOTE seine gleichnamige CD. Piano, Cello und Perkussion improvi- sieren ausgesprochen entspannt über Harmonien, die im Wesentlichen im Mittelmeerraum zu verorten sind. Es versteht seinen musikalischen Auftrag als Gegensatz zu den Her- ausforderungen unserer Zeit. Es setzt dem Furor pure Schönheit entgegen, in dem es diese Begegnung von Klän- gen und Kulturen mit großer Ruhe und feinsinnigem aufeinander Ein- gehen in eine atmosphärische Reise verwandelt, die in spannender Weise
Faszinierendes Gegengift
Hoffnung und Zuversicht vermittelt. Faszinierend finde ich außerdem, das Cello in vielen Passagen zu spielen, als wäre es eine Oud.
nadann... Tschüss i.m.trend@muenster.de
Jazz, Soul, Yacht Pop!

