Page 7 - neue nadann KW40
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na dann... - Ohrenschmauch 5   Ohrenschmauch  Gefühlt Tango, gespielt Jazz  Nachtgeschichten?  Nicht oft, aber immer gut Willen braucht man. Und Zigaretten. Befand Helmut S., bei Mario Knapp kommen für seine MOBILE ETHNIC MINORITY noch Kaffee und Ruhe hinzu. Auch auf seinem 16.(!) Album macht er wieder alles selbst. Gitarre spielen, dazu singen, aufnehmen und im Studio am Sound tüfteln. 12 neue Songs füllen „Evolver“, alle drehen sich in unterschiedlichster Weise und Bedeutung um Liebe. In meist langsamem Tempo und spar- samer Begleitung unterbreitet er seine Message mit heiserer Stimme, trotz des Themas eher leicht pessi- mistisch. Für die reichte in der vergangenen Woche der Platz nicht. CHANTAL ACDA, die Frau, deren Stimme immer etwas traurig klingt, hat eine neue Platte fertiggestellt. „The Whale“ heißt sie, bleibt in von ihr gewohnter sparsamer Instrumentierung und Tonfall, hat jedoch im Vergleich mit ihren Zusammenarbeiten mit Herrn Eckman zumindest bei einigen Titeln etwas mehr Tempo, wenn nicht gar rockende Momente. Sparsam instru- mentiert heißt in diesem Fall nicht gleichförmig intoniert, die diversen verwendeten Instrumente sorgen für willkommene Abwechslung in ihrem Klanguniversum. Wieder gleich 3 Neuheiten auf einmal beim Jazz Label ACT. BILL LAURENCE „Lumen“ (Piano solo) habe ich noch nicht gehört, aber VINCENT PEIRANI’s „Living being IV – Time Reflections“. Mit b,p,dr, sax und Vincent am Akkordeon zelebrieren diese Fünf ihre ganz eigene ‚Welt‘ Musik. Asiatisch Anmutendes, Latin oder Reggae Grooves, alles nur leicht angedeutet, harmonisierendes Piano, das Akkordeon sowohl nach Italien als auch Musette klingen lassend, feine Saxofon Melodien und die flexible Rhythmusgruppe schaffen ein buntes Bild aus Klängen. Pianist DAVID HELBOCK & JULIA HOFER, extrem fingerfertig auf Cello und E-Bass (mit und ohne Bünde) holen für ihr „Faces of Night“ für einzelne Tracks Flügelhorn, Gitarre und Stimme dazu. Zwischen beinahe konzertant aufgeführten Titeln im Duo plus eventuell Gitarre oder Horn in intimem Zusammenspiel ‚verste- cken‘ sie zudem ungewöhnliche (schöne!) Adaptionen bekannter Themen von Schumann über Monk zu Eddie Harris und Prince. Apropos intimes Zusammenspiel. BANDONEGRO mit Bandoneon, Violine, Piano und Kontrabass können das auch. Dieses Quartett aus Polen bietet auf „Tanuevo“ eine Mischung aus europäischem Jazz mit etwas Buenos Aires Aroma. Also gespielt Jazz, gefühlt Tango, nicht überraschend, helfen doch zwei ‚Einheimische‘ auf mehreren Titeln, und viel Raum für individuelle Nuancen der Instrumente bleibt auch.. Mit 10 neuen elektronischen Bastel- arbeiten erfreut mich MONO- LINK auf „The Beauty of it all“. Die Musik hält, was der Titel verspricht. Harmonisch ausgewogen, rhyth- misch dezent und mit viel Liebe zu kleinen Details programmiert er seine Maschinerie und schafft mit ihr eingängige Songs. Auch ohne dreistes 4-to-the-floor für den Tanz- boden geeignet, aber genauso gut fürs aufmerksame Zuhören daheim. Zwischendurch gibt es sogar Gitarre, mit und ohne Strom, die beim Auf- und Abbau der Spannungsbögen hilft und Titel mit langer Spielzeit, in die m/f sich versenken kann. Nicht oft, aber immer gut gilt für seine Veröffentlichungen. nadann... Tschüss i.m.trend@muenster.de 


































































































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