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Ohren schmauch
na dann... 03/26
Vorstellbare Berge
Die Aufholjagd ist noch nicht zu ende. Eine Handvoll Kandidaten sind noch übrig. MICHAEL BALATTI, TOM STEARN & TOLA CUSTY, aus Irland bzw. Schottland interpretie- ren die ausgewählten (fast aus- schließlich) Traditionals ausgespro- chen modern und schwungvoll, ohne dabei ins Fahrwasser von Tanz- oder Happy-go-Lucky- Eingän- gigkeit zu verfallen. Mit Flöten, Fiddle, Bouzouki(!) und akustischer Gitarre erwecken sie die alten Volksweisen auf „The North Wind“ zu frischem neuem Leben. PHILIPP MARIA ROSENBERG spielt nicht wie erwartbar Gitarre, sondern Piano. „Rotwelsch“ nennt er diese CD, mit Bass und Drums im Trio eingespielt. Die durchaus verwegene Idee, Ope- rettenmelodien in jazziger Form darzubieten setzt er sowohl respektvoll gegenüber den Vorlagen als auch ganz bewusst und gekonnt improvisierend in einen neuen musikalischen Zusammenhang. Vielleicht auch gerade deshalb ein eher dunkles Cover als Gegensatz zu ‚Die ganze Welt ist Himmelblau‘.
Eine Groß-Combo ist auch in dieser Woche dabei. 19 MusikerInnen plus 5 Gäste bringen Komponist und Trompeter FLORIAN ROSS & WDR BIG BAND auf die Beine, um Mate- rial zu Gehör zu bringen, das schon lange in seinem ‚Schatzkästchen‘ als „Plans & Drawers“ auf Umset- zung wartete. Auch in der 2. Zusammenarbeit mit dem WDR Orchester zeigt er seine Klasse, schmissige und auch weniger Flotte Erfindungen mit gekonnten Bläser- sätzen und kompetenten KollegIn- nen in zeitgemäßes, großes Gewand zu packen, ohne als Leader
allzu vordergründig in Erscheinung zu treten. Dann ist da noch AKI RIS- SANEN mit 2 Kollegen an Bass und Drums, er spielt (wie un-finisch..) nicht Gitarre, sondern akustisches und elektrisches Piano. Entspre- chend klingt „Imaginary Mounta- ins“ auch weniger nach ‚klassi- schem‘ Piano Trio. Vom rhythmi- schen Ansatz nicht weit von Rock oder Pop, allerdings nie gerade aus, wobei seine Tastenarbeit sich zwi- schen Blockakkorden, kleinen Melo- dien und ansatzweise auch mal in Richtung Prog driften.
Ganz erstaunlich, es git sogar schon ‚richtige‘ Neuheiten, obwohl der Januar erst halb ‚rum ist. „Eupho- ria“ ist SCHILLER’s aktueller Ver- such, seinem alten Hut eine neue Krempe zu verpassen. Sorry, aber auch nach langer Pause und neuer Plattenfirma bleibt sein Sound immer noch ‚Dreamdance‘. Und sei- ne vor, zwischen und in die Tracks gesprochenen, eine wenig nach Esoterik klingenden Wortbeiträge können mich auch nicht trösten. Schade. Viel wohltuender kommt da AMANDA BERGMAN’s „Embra- ced for a Second as we die“. Gitarre und Piano mit viel Hall, eine spar- sam aber perfekt die Titel ausma- lende Band und Harmonien und Tonfall im Stil von Joni Mitchell’s spät 70er Alben. Allerdings ohne die durchaus komplexen Akkord- Folgen der ‚alten Dame‘. Mit ruhiger Stimme in ernstem Tonfall vorge- tragen, leidet auch sie an den Men- schen und der Welt, jedoch ohne Drama!
nadann...
Tschüss i.m.trend@muenster.de
Großes Gebläse
Auf den Spuren von..

