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Psychedelik aus der Sahara
Ohren
schmauch
Da komme ich mir vor wie im Time Tunnel. Die SIDESHOWS schleudern mich gleich mit dem ersten Riff ihres selbst betitelten Albums ans Ende der 70er zurück. Maximal 4 Akkorde, laut und vorwärts, wie es besonders von der Insel schallte. Diese drei sind Teilnehmer und Nachfahren der NY Punk Scene und späterer Glam Rock Veranstaltun- gen. Bis auf einen Track geradeaus mit Wucht. Ist nicht jeden Tag mein Ding, aber gelegentlich für eine ordentliche Ohr-Spülung gut. ➜ Ganz anders rocken TAMIKREST, beheimatet in der Sahara, inzwi- schen unterwegs auf den Bühnen der Welt. Mit „Assikel“ machen sie das halbe Dutzend Alben voll und bleiben dabei in der analogen Welt. Live im Studio auf Band aufgenom- men, was offensichtlich weitere Fähigkeiten der Musiker zum Vor- schein bringt. Sie entwickeln ihre psychedelischen, hypnotischen Rhythmen aufmerksam und lang- sam, hören auf- und inspirieren ein- ander, finden fesselnde Melodien, die den Gesang, der um soziale und
Solide Mischung
politische Themen kreist intensiv unterstützen. Der Sound ist mit Absicht roh und unpoliert, der der Musik und der Botschaft die ange- messene Dringlichkeit beschert. Hoffentlich sind der Platte engli- sche Texte beigefügt. ➜ Eine gelun- gene Mischung aus Pop, Soul und etwas Jazz bringt „What happens now“ von KAT EATON. Markante Songs in ausgedehnten Arrange- ments mit Background Stimmen, Bläsern in ausgewogenem Sound lassen ihre vielseitige Stimme glän- zen. Uptempo, Blues, Ballade, kon- servativ produzierte Musik im aller- besten Sinn. ➜ Mit einer ganz anderen Art zu singen bestreitet KADRI VOORAND ihr „Songs to hold You“. Überwiegend spärlich beglei- tet von Mikhel Malgand am Klavier dazu ein wenig Bass, Elektronik und Handtrommel. In ihren selbst ver- fassten Titeln lotet sie die Möglich- keiten ihrer Stimme aus. Emotiona- ler Vortrag der Texte gelingt ihr dabei genauso wie Ausflüge in Klang orientierte Vokalkunst. Sie stammt aus Estland, singt in ihrer Heimatsprache (Englisch beigelegt), bis auf die wunderbar kitschfreie Version von Lennon/Onos „Imagi- ne“. ➜ Ihr Herz hängt am „alten“ Jazz. Auf dem Vorgänger „My Ideal“
Oldtime & Swing vom Feinsten
kümmerte sie sich mit Pianist Sean Mason um übersehene oder verlo- rene Kleinode der Jazz Geschichte. Auf ihrem aktuellen Album into- niert sie Oldtime und Swing Favori- ten. Mit erweiterter Combo, g,b,dr,p,sax,trp,trb und auf 4 Tracks einem Stepptänzer(!) führt sie durch das Programm von „Live at Lincoln Jazz Center“. Ob Blues oder Liebeslied, in Punkto Gesang in die- sem Setting muss CATHERINE RUS- SELL von jüngeren Kolleginnen kaum Konkurrenz befürchten. ➜ Die Damen und Herren von TRAMP haben wieder etwas ausgegraben: „The complete Diamond Jim Recordings“ von E.J. & THE ECHOES. Sagten mir bis dato auch nichts. Nur kurz gehört, Detroit Soul der 60er von einer Band, bei der es mit dem Ausstieg aus der Obskurität nicht geklappt hat. 6 Singles, zusammengefasst für eine LP, die im Klang eher nicht den Vorstellun- gen des 3. Jahrtausends entspre- chen. Dafür überzeugt die Musik, ein Sänger mit Drang und eine Band, die die unterschiedlichen Spielarten und Tempi passend umsetzt. Vorsicht, kann Spuren von spätem Rock’n’Roll enthalten!
nadann... Tschüss i.m.trend@muenster.de

