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KINOKRITIKEN
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   Ticket ins Leben
(sirk) Eine ganz normale Begeg- nung: Ein alternder, lebensmüder Sänger und ein ebenfalls mit Pro- blemen kämpfender Fan treffen während einer Zugfahrt aufeinan- der. Die Autoren Marion Michau und Jean-Pierre Améris (auch Regie) wollen es aber so, dass die exzentri- sche Victoire ihrem großen Idol An- toine Toussaint fortan nicht mehr von der Seite weicht. Erst recht nicht, als sie erfährt, dass der Künstler sich durch einen assistier- ten Suizid in der Schweiz das Leben nehmen will. Basierend auf dieser Ausgangssituation hätte die Komö- die von der ersten Temperaments- kollision an leicht in hysterische Übertreibung abgleiten können. Stattdessen entfaltet sich ein all- mählicher Prozess des gegenseiti- gen Verständnisses, vielleicht nicht mit bahnbrechender Originalität, aber mit genügend Geschick und Aufrichtigkeit, um uns Zuschauen- de in diese unwahrscheinliche Lie- besgeschichte hineinzuziehen. 95'
In Case We Never Meet Again
(sirk) Die Kraft der Familie. In Zeiten des Krieges. Mehr Moment- als Be- standsaufnahme. Ohne Erläuterun- gen, ohne Nachrichtendichte. Drei Regisseure mit völlig unterschiedli- chen Handschriften begleiten eine alleinerziehende Mutter und ihren Ex-Mann, einen Soldaten an der Front, durch die ukrainischen Kriegswirren. Paradoxerweise ist die Liebe zwischen Tanya und Zenit mit dem Einmarsch wieder erblüht – auch wegen der beiden gemein- samen Kinder. Während sie das Überleben der Familie in Kanada zu sichern versucht, kämpft Zenit in den Schützengräben gegen den Feind und die Kälte. Die agile, ex- trem dichte Kamera (vier Kamera- leute!), die sich bisweilen verselbst- ständigt und über den Dingen zu schweben scheint, zieht das Publi- kum mitten hinein. Mittendrin statt nur dabei. Sehr sehenswert. 104'
The North
(sirk) Zehn Jahre haben sich die ehemaligen WG-Genossen Chris und Lluis nicht gesehen. Jetzt wol- len der Niederländer und der Spani- er ihre einst enge Freundschaft wie- derbeleben – bei einer Extremwan- derung über den rund 350 Kilometer langen Cape Wrath Trail. Doch aus den Studierenden von einst sind Männer geworden, ge- zeichnet von völlig unterschiedli- chen Lebenswegen und Schicksals- schlägen. Regisseur Bart Schrijver deutet diese Brüche allerdings nur an. Er verzichtet auf künstliches Drama oder laute Konflikte und konzentriert sich ganz auf den Weg der beiden – der hier sprichwörtlich das Ziel ist. Schrijver schildert die wochenlange Tour in einem unauf- geregten Realismus, der über zwei Stunden eine beinahe meditative Sogwirkung entfaltet. Intensiver, als es Wander-Klassiker wie Wild (mit Reese Witherspoon) oder Ich bin dann mal weg (nach Hape Kerke- ling) je vermochten. 138'


























































































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