Von Günter, 07.09.2016

Putumayo BLUES PARTY/ ZAPPA/ JB’s/ DE LA SOUL/ WATSKY/ MARINAH & CHICUELO/ SLIM CESSNA’S AUTO CLUB/ PRAISE POEMS Vol. 4/ HAKON KORNSTAD

Tatsächlich mal was Neues von Putumayo. Obwohl die Macher mit „BLUES PARTY“ das Thema Blues bereits zum 10. Mal bearbeiten, ist unter den 11 ausgewählten kein Track, der schon vorher auf dem Label veröffentlicht wurde. Grosse Namen, flotte Tempi, idealer Soundtrack für das vielleicht letzte Barbecue des Jahres. Good Time Music!

ZAPPA Fans aufgepasst: Unter den vielen Fakes, die gerade auftauchen, ist „The Crux of the Biscuit“ die eine, welche. Outtakes und Live-Tracks aus der Ära des ‚Apostrophe‘ Albums. Für die Masse unerheblich, für Afficionados unverzichtbar.

Etwa aus der gleichen Zeit, aber von einem ganz anderen Ufer kommt „Doin‘ it to Death“ von den JB’s. Komponiert(?), arrangiert und produziert vom Godfather of Soul himself (singen tut er hier auch..) kriegen hier die Instrumentalisten (Fred Wesley, Maceo Parker..) ihren gebührenden Platz. Jetzt, ich glaube sogar erstmalig, auf CD, exzellent neu gemastered (24bit) und im ‚Vinyl-Look‘ mit Klapphülle, kann ich mit der fast endlosen Fortsetzung der ‚SexMachine“ mich und meine Nachbarn auf Trab halten.

Schnelle Zunge

Hip Hop habe ich in jüngerer Zeit lieber ignoriert. Zu viel gedisse und Money-Macherei. Vielleicht trennt sich gerade die Spreu vom Weizen, die ‚Oldtimer‘ DE LA SOUL haben mit „And the anonymus Body“ eine klasse neue Platte gemacht und der ‚Nachwuchs‘ steht in den Startlöchern (Anderson.Paak..). Hier eine relativ neue, gelegentlich sehr schnelle Stimme: WATSKY. In 18 mehr oder weniger kurzen Tracks führt er uns in seinem 3. Versuch „X Infinity“ in sein weit gefasstes Universum. Mit Beats, die nicht auf einen Tanz-Remix schielen, überraschenden musikalischen Zutaten von Mariachi bis Orchester und einer eher dem Jazz zugeneigten Konstruktion zeigt er ganz klar, hier geht noch was. Der Hip Hop Drops ist noch lange nicht gelutscht. Der lebt, wie jede Musik, von der Erneuerung, endlose Wiederholung (hallo Beginner..) tötet den Nerv.


Die ex Sängerin der Ojos de Brujo bewegt sich nach und nach weiter weg von den elektronischen Produktionsmitteln. Für das neue Werk „Sintonias“ greift sie auf mehr landestypisches Instrumentarium zurück. Unter MARINAH & CHICUELO firmiert ihr neues Quartett plus Gäste, und dieser CHICUELO ist ein exzellenter Gitarrist, der viel spanische Farbe in diese bunte musikalische Mischung mit Einflüssen von Afrika bis Ballade einbringt.

Ein Urgestein des amerikanischen Düsterpop meldet sich eindrucksvoll zurück. Heisst knapp SLIM CESSNA’S AUTO CLUB und bietet auf „The Commandments according to SCAC“ 10 durchaus dunkle, sparsam instrumentierte, jedoch emotional hochdichte ‚Ansagen‘. Mal triefend langsam, dann wieder von wüsteren Klängen im Geiste des Punk begleitet. Nicht einfach nur Pop für den Konsum nebenbei!

Auch auf Nr.4 kein Verschleiss!

Tramp Records ist bereits bei Nr. 4 dieser feinen Serie angekommen. Noch einmal 16 von 17 Titeln erstmalig auf CD. Im Unterschied zu den Vorgängern enthält „PRAISE POEMS Vol. 4“ weniger ‚Spiritual Jazz and Funk‘, als vielmehr Songs mit sehr viel Soul und sogar straighten Blues aus den 70ern. Natürlich nur Titel, die dem Arbeitsmotto trotzdem entsprechen. Und genau so natürlich sind wieder ein paar echte Perlen darunter. Well done, again!


Doppelter Tenor….

So eine hatte ich noch nie: Ein weltweit anerkannter und stilbildender Saxofonist macht nebenbei eine Gesangsausbildung zum Opernsänger und als Nebenprodukt fällt dabei eine unglaubliche Klassik goes Jazz oder umgekehrt Platte ab. 8 klassische Gesangsstücke, von Massenet über Strauss und Wagner, im Quintett mit Harmonium(!), Cembalo, Bass, Perkussion und dem Saxofonisten, der wechselnd Tenor singt oder spielt. Denke jetzt niemand an ‚Classics in Pop‘ o.ä., dieser Fünfer arrangiert die Werke als zeitgemässen Jazz, ohne dabei die Originale zu zerstümmeln. Wunderbar ernsthaft und respektvoll nehmen HAKON KORNSTAD und seine Kollegen die Stimmungen dieser eigentlich für Orchester geschriebenen Werke auf und versehen sie auf „Tenor Battle“ mit einem völlig anderen, absolut hörenswerten, neuem Gewand. Grossartig!!


na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
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