Von Günter, 12.04.2023

FLORIAN ARBENZ/ MARKUY HARM/ JUST ANOTHER FOUNDRY/ DIE THERAPIE & DER NUSSIGMILDE/ ULRICH DRECHSLER/ ELOISE

In dieser Woche geht’s musikalisch ausgesprochen experimentell zur Sache. Trommler FLORIAN ARBENZ ist in seiner 12 teiligen Reihe ‚in Conversation‘ in jeweils anderen Besetzungen bereits bei Nummer 9, „Targeted“ angekommen. In diesem Fall ‚unterhält‘ er sich mit Hammond, Arne Krijger und Saxofon, Greg Osby. In drei eigenen und drei fremden Kompositionen fordern und fördern sich diese Individualisten, verbinden energetische freie Ausflüge mit durchaus meditativen Elementen, in denen die Orgel für einen fast statischen Untergrund sorgt.

Auf einem Track gibt’s einen Gast, Trompeter Andrey Lobanov, ansonsten spielt Saxofonist MARKUS HARM seit 10 Jahren im gleichen Quartett mit Gitarre und Rhythmusgruppe. Für „Foresight“ hat er 9 neue Titel für seine eingespielte Combo geschrieben. Moderner, zeitgemässer Jazz mit viel Raum zur Entfaltung ohne sich dabei zu weit von Harmonie oder Melodie zu entfernen. Keineswegs brav swingend, sondern eher mit raffiniertem Understatement in Szene gesetzt.

Just Another Foundry – Wilder Ritt

Das Trio JUST ANOTHER FOUNDRY arbeitet bereits seit 9 Jahren zusammen. Zu seinem „Compendium of Unease“ hat es 2 Gäste eingeladen, die das Bass, Drums, Sax Gespann um elektronische Klänge erweitern. JAF kann ich keiner der üblichen Schulen zuordnen, zu unorthodox ist die Herangehensweise. Freies Miteinander gipfelt in Geräusch-Chaos um danach in eine nachvollziehbare Struktur über zu fliessen. Bedrohlich anschwellende Klangkulissen über einem beinahe Marschrhythmus enden in wilden Saxofon Kaskaden über stabilem Groove von Bass und Drums. Das erfordert Konzentration der Hörenden UND den Willen sich auseinander zu setzen. Ist vom Tonträger sicher schwieriger als Live.

Schon der Projektname macht neugierig: DIE THERAPIE & DER NUSSIGMILDE. Ganz bewusst wollen sich die beiden keinem Genre zuordnen. Die 11 eigenen Tracks weisen auf den Jazz geschulten Hintergrund hin, Rhythmen, Harmonien und Instrumentierung schliessen jedoch den Grossteil populärer Musik ein. Dabei kommt schon mal ein eingängiger Pop Song heraus, der mit einer Rap Stimme ergänzt wird. Handgespielte Drum’n’Bass Grooves unter einem lyrischen Gitarrensolo, Housebeats im Wechsel mit Funk-Jazz, dazwischen gekonntes Handwerk der beiden Multi-Instrumentalisten, die nur sehr vereinzelt von Gästen unterstützt werden. Trotz dieser Vielfalt an Ideen und Mustern bleibt „Reconnected“ ohne Brüche, fliessend und harmonisch.

Ulrich Drechsler – Elektro-akustischer Sturm

Aus der Begleit-Info: ‚Steigert sich zu einem elektro-akustischen Club Musik Sturm‘. Knapp, aber wahr, ULRICH DRECHSLER’s „Azure“, die dritte in seiner Serie unterschiedlicher, jeweils stilistisch eigenständiger Werke. Er spielt Sax und Klarinette, hat für dieses Album 10 Tracks für die 4 köpfige Band aus 2x Keys/Synths, Bass und Drums erfunden. Wie seinerzeit bei ‚Cafe Drechsler‘, lebt seine Musik im Spannungsfeld von Club, TripHop, Drum’n’Bass, Jazz und weiteren elektronischen Spielfeldern. Azure bewegt sich temporeich durch gut strukturierte Arrangements, ist sich nicht zu schade für schöne Melodien, findet immer wieder zum eher experimentellen Ansatz zurück, bleibt trotz oder vielleicht gerade wegen der fetten Grooves fast durchweg tanzbar. Unbedingt erfahren mehr auf ‚Liminal.at‘ im Netz.

Eloise – Mehr als hörenswert

Für alle, die bis hierhin durchgehalten haben kommt jetzt ein kleines Schmankerl. Kurze, ehrliche und passend dezent arrangierte Songs, in denen ELOISE ihr Gefühlsleben reflektiert und die Ergebnisse auf „Drunk on a Flight“ mit sanfter Stimme vorträgt. Gut genutzte musikalische Bandbreite, unaufgeregte Begleitung und überzeugender Gesang. Nimmt das Tempo aus dem Tag!

Archivtexte Ohrenschmauch

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