Von Stefan Bergmann

Schon zum zweiten Mal...

...innerhalb weni­­ger Monate stirbt ein Mensch in Münster, weil er zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort war. Erst beim CSD, nun beim Send.

Die mutmaßlichen Täter: Beides Migranten. Beide hatten eine kriminelle Vorgeschichte, beide wurden schon verurteilt. Beide hat der Staat nicht in den Griff gekriegt, der Send-Täter hätte längst abgeschoben werden sollen. Die Reflexe: Ausländer, gewälttätig, Messer-Angriffe werden immer mehr, Gewalt wird immer mehr. Die Jugend ist verroht.

In einer Welt, in der im Fernsehen jeden Abend mindestens zehn Menschen in irgendwelchen Schmieren-Krimis sterben, in einer Welt, in der AfD & Co. jeden Menschen, der nicht rein-deutsch aussieht, für einen bösen Migranten halten, der nur unser Geld will und unsere blonden Frauen, in einer Welt, in der sich Medien negativistisch auf jede Gewalttat stürzen und sie bis ins letzte ausschlachten - ja, da kann man schon mal auf die Idee kommen, das alles so ist, wie es scheint. Immer mehr Messerangriffe, immer mehr Gewalttaten, nirgendwo ist man mehr sicher.

Offenbar leben wir alle in einer Filterblase. Wir nehmen die schlechten Nachrichten auf, glauben sie, ziehen unsere Rückschlüsse. Gute Nachrichten, beispielsweise dass die Zahl der Straftaten in Deutschland seit 2016 kontinuierlich zurückgeht (Quelle: Statista), hört man kaum, und wenn man sie hört, dann überhört man sie gerne.

Und auch die Zahl der Angriffe mit der Tatwaffe „Messer“ ist seit drei Jahren rückläufig, sogar stark. Jedoch: Die Brutalität nimmt zu. Wo früher das Messer nur gezeigt wurde, wird es immer öfter auch benutzt. 2019 starb niemand durch einen Messerangriff. 2020 37 Menschen, 2021 30 Menschen (Quelle: Kriminalstatistik).

Woher kommt diese Gewalt? Unter jungen Männern sei ein Anstieg der Bedeutung von „Männlichkeitsnormen“ festzustellen. „Gewalt ist wieder cool“, so heißt es bei der Universität Zürich. Wie zynisch das klingt, und was die Hinterbliebenen wohl darüber denken. Aber gegen toxische Männlichkeit hilft es auch nicht, den Send einzuzäunen und alle Besucher auf Waffen zu kontrollieren.

Aber vielleicht würde es helfen, wenn deutsche Behörden solche Gefährder im Blick behalten und sich nicht länger an der Nase herumführen lassen. Es ist erstaunlich, wie einfach man in Deutschland untertauchen kann - und sich damit jeglicher Kontrolle entziehen.

Das alles hilft beiden Opfern nicht. RIP. - Stefan Bergmann

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