Corona-Blues

Heute habe ich den Corona-Blues! Obwohl es mittlerweile Lockerungen gibt, bin ich weiterhin hauptsächlich zu Hause, arbeite, betreue die Kinder, koche, fege, räume die Spülmaschine ein und wieder aus – Tag für Tag dasselbe! Die Wochen fliegen nur so dahin. Gerade mäht Tobi den Rasen. Das macht er ungefähr 1x pro Woche. Aber es fühlt sich an, als hätte er erst vorgestern den grünen Teppich gestutzt. Laut meiner Großmutter vergeht die Zeit im Alter schneller. Das lag vermutlich daran, dass sie ihren ganzen Tag zu Hause verbracht hat. Ich weiß, es geht anderen Menschen deutlich schlechter und ich sollte glücklich sein, dass wir beisammen und gesund sind, dass wir in einem gemütliches Haus mit Garten wohnen dürfen, aber heute ist einer der Tage, an denen mir das piepegal ist. Ich mache mir Sorgen um unsere Zukunft, um unsere Arbeit, um die Bildung der Kinder. Normalerweise bin ich ein positiv denkender Mensch, aber heute ist alles grau. Ich fühle mich wie kurz nach der Geburt unserer ersten Tochter. Ausgebremst und fremdbestimmt. Mal eben kurz einkaufen oder zum Sport, keine Chance! Alles muss geplant und organisiert werden. Aus „Haben wir genug Windeln eingepackt“ wurde „Hast du deine Maske dabei?“ oder „Hast du das angehängte PDF mit den ganzen total super wichtigen Verhaltensregeln gelesen?!?“

Sobald sich der Frühling andeutet, erwacht in unserer Sackgasse normalerweise das Leben. Man sieht die Nachbarn nach ein paar Monaten Winterpause wieder, wundert sich, wie groß die anderen Kinder geworden sind, diskutiert bei einem Kaltgetränk, ob der Rasen vertikutiert werden sollte oder wie man die Dohlen davon abbringen könnte, im Kamin zu brüten. Oft endet so ein Gespräch mitten in der Nacht an einer Feuerschale. Das ist dieses Jahr bisher ausgefallen. Überhaupt ist auf unserem Kalender so gut wie jeder Termin durchgestrichen. Es sind so viele Events und Verabredungen geplatzt, auf die ich mich gefreut habe. Heute wären wir beispielsweise zum Schützenfest ins Dorf gegangen. Es ist mir ein wenig peinlich, aber ja, auch darauf habe ich mich gefreut. Im letzten Jahr war ich das erste Mal dort. Gute Bekannte hatten mich überredet. Ich dachte immer es wäre eine total verschnarchte Veranstaltung mit Blasmusik, Standardtanz und Uniformen. Weit gefehlt. Nette Menschen, von denen ich gefühlt mehr als die Hälfte bereits bei Ankunft kannte, entspannte und ungezwungene Stimmung, weit und breit keine Uniformen, Hüte oder Medaillen.

Wie es aktuell aussieht, geht das Streichen leider weiter. Bis Ende Juni ist schon ziemlich viel vom Kalender verschwunden. Was mit den Sommerferien passiert, ist noch total unklar. Und ich glaube, hier ist der Knackpunkt. Der zweite Grund, warum ich heute so grummelig bin. Langsam wird klar, dass auch die Sommerferien ganz anders ablaufen werden, als eigentlich geplant. Der Urlaub in Kalabrien, das Zirkusprojekt in der Ferienbetreuung und die Jugendfreizeit in Dänemark: alles hängt in der Schwebe. Es ist aktuell nicht möglich abzuschätzen, wie die nächsten drei Monate ablaufen werden. Mir schwant, dass ich weiter hier in unserem 'Home Sweet Home' arbeiten, putzen, kochen und Hausaufgaben betreuen werde, statt am Capo Vaticano zu schnorcheln.
Wie die Ferien ablaufen erfahren wir vermutlich am 14. Juni. Dann soll spätestens verkündet werden, ob Reisen innerhalb der EU wieder möglich sind. Wir müssen also abwarten. Etwas, dass ich nicht besonders gut kann...

Es wird eng!

Zum Schluss ein kurzes Hühner-Update, damit hier nicht nur gegrummelt wird: Die vier Plüschbälle sind in den letzten Wochen viel größer, mutiger und zutraulicher geworden. Mittlerweile passen sie schon nicht mehr alle zusammen unter Glucke Annabelle. Auch unsere Nachbarn sind ganz entzückt und bringen den Hühnern Engerlinge, die sie bei der Gartenarbeit gefunden haben. So ergeben sich dann doch wieder Gespräche, natürlich mit Sicherheitsabstand und nicht bis mitten ins die Nacht. Aber das ist ja zumindest schon mal ein Anfang!

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Kathryn Voigt
45 Jahre alt, verheiratet, zwei Töchter, vier Hühner, Reiseverkehrskauffrau und ziemlich neu bei der na dann…
kathryn@nadann.de

Autor: Kathryn Voigt

Archivtexte Home Sweet Home

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