Volker Hentig, Clinic-Clowns, Tanzspektrum

Cui bono (wem nützt es?)

(Marcus Tullius) Cicero, (gilt als) Autor des Geflügelten Wortes.

Als vor 2000 Jahren der spätere römische Senator Cicero in einem Rechtsstreit diese Worte verwendete, ahnte er sicher nicht, dass sie zum „geflügelten Wort“ werden und die Zeiten überdauern würden.

Cui bono – nun finden sich im Netz und schon auf dem Büchermarkt die ersten Deutungen der Corona-Krise. Wie in der Vergangenheit so auch jetzt sind Kapriolen nicht auszuschließen, wenn davon ausgegangen wird, dass derjenige, dem ein Ereignis Nutzen bringt, der Initiator des für ihn günstigen Ergebnisses sein muss.
Andersherum – wir sollten uns heute besser fragen, wie wir die Post-Corona-Periode zu unserem Vorteil nutzen. Sie wird Folgen haben. Gewinner und Verlierer wird es geben. Wie können wir zu den Gewinnern zählen?
Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkwirtin der KfW-Bankengruppe, meinte in Betrachtung des Mittelstands, der in Deutschland eine entscheidende Rolle in der Erwirtschaftung des Sozialprodukts einnimmt: Sie probieren jetzt Home-Office und virtuelle Zusammenarbeit, etablieren einen digitalen Vertrieb und ersetzen bislang papierbehaftete Arbeitsprozesse durch digitale.
Die globale Vernetzung vieler Produktionsprozesse hat ihre Schwächen gezeigt, die Rekonstruktion auf geopolitisch eingrenzbare Räume oder ihre Rückführung in eine breitere Eigenproduktion wird im internationalen Wettbewerb mit einem enormen Kostendruck verbunden sein. Gesellschaftspolitische Folgen sind unabdingbar damit verbunden.
Also ist es dringend notwendig, die Digitalisierung voranzutreiben, Neue, benutzerfreundliche, vielseitiger nutzbare Plattformen werden entwickelt werden, Produktions- wie Beschaffungskompetenzen müssen einfließen, der Dienstleistungssektor wird neu überdacht werden, die Verbrauchernähe durch Serviceangebote erweitert. Ein weites Feld für einen Ideenwettbewerb.
Was im Moment als Notlösung angesehen und praktiziert wird, könnte sich zur Dauerlösung verfestigen. Dazu muss es auf seine Brauchbarkeit hinterfragt und beurteilt werden. Der Mensch ist ein Hordentier, persönliche Kontakte motivieren, beschleunigen Entscheidungen. Sie werden neben Home-Office ihre Bedeutung behalten. Bestehende Wege sind zu erweitern. Regionale Zusammenschlüsse sind organisierbar. Eine Lieferkette vom Acker über die Sortimentskoordination bis vor die Haustür ist nichts Neues, aber noch selten.
Nicht zu vergessen sein wird das Handwerk, persönliche Dienstleistung, sei es die Reparatur der Wasserleitung, die Krankenpflege, der Friseur…sie haben schon an Bedeutung gewonnen.
Cui bono – das Nachdenken über die Veränderung der Welt, in der wir leben, über unsere persönliche Position, die Werkzeuge der Zukunft, und darüber, welche eigenen Veränderungen im Denken und Handeln für uns notwendig sein werden, das könnte der wahre Nutzen sein, den wir aus dieser noch lange nicht zu Ende gegangenen Krise ziehen. Die Zukunft hat begonnen!

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Volker Hentig

Volker Hentig
Volker Hentig ist 90 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau in Bielefeld. Beruflich war er Unternehmer.

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Clinic-Clown-Visiten durchs Fenster

In den besonderen Zeiten der Corona-Pandemie mit Besuchs- und Kontaktverbot brauchen Kinder und junge Erwachsene einmal mehr Ablenkung im Klinikalltag. Die UKM-Clinic-Clowns haben ihren eigenen Weg gefunden, ihre ganz speziellen Visiten bei den kleinen Patienten weiter durchzuführen.

Ansteckende Fröhlichkeit – auch kontaktlos und mit Mundschutz

Für junge Patient*innen im UKM hält die Woche normalerweise einen Termin vor, der mal nichts mit Therapie und Krankenhaus zu tun hat: den Clinic-Clowns-Tag am Mittwoch. Alle Kinder, die möchten, erhalten dann Besuch von Pippo, Lollo, Professor Spaghetti, Konrad und ihren anderen beiden Kollegen. Der Übermut und die Fröhlichkeit können bis an die Betten schwappen. Doch seit Mitte März ist nichts mehr normal und zum Schutze aller haben Corona-bedingt die Clowns-Visiten eine Pause eingelegt.

Patientinnen der Kinderdialyse freuen sich über Pippos und Floras Besuch

Wie und wann sollten Clowns-Visiten wieder möglich sein? Für die Künstler*innen kam eine Zeit voll Unsicherheit darüber, wie es weitergehen sollte. „Aber die echten Leidtragenden sind die Kinder“, so Gerry Sheridan, alias Clown Pippo. Kranke Kinder sind im Krankenhaus bereits isoliert, die Corona-Pandemie trifft die Kinder und ihre Familien doppelt hart. Um Infektionsrisiken zu minimieren, darf beispielsweise nur ein fester Elternteil bei einem stationär aufgenommenen Kind bleiben. Entlastung ist dann nicht möglich.
Mit der Verinnerlichung der neuen Verhaltensregeln, wie etwa dem Abstand halten, kamen dann die ersten Ideen im Umgang mit der Pandemie: ulkige Foto-Grüße zu Ostern wurden auf den Stationen ausgehängt und seit Ende April sind kontaktlose Visiten am Fenster und im Garten dreier Stationen möglich.

„Das gab einen Aufschrei und ein Lachen, als uns die Kinder das erste Mal nach der Visiten-Pause wiedersahen“ erzählt Clownin Flora (alias Barbara Westenberger) von ihrem Besuch auf der Kinderdialyse. Das Spielen am Fenster birgt ganz neue Herausforderungen an die Clowns. Ist die Interaktion sonst ungefiltert und direkt an den Betten der Kinder möglich, ist nun immer ein Fenster dazwischen. Die Geräusche sind gedämpfter, das Sichtfeld eingeschränkter. Doch mit Kreativität finden sich neue Lösungen: Flora hat sich eine Seifenblasenpistole gekauft, so können auch mit Mundschutz Seifenblasen produziert werden. Clown Harry wurde bei einem Besuch zum Fensterputzer und gegen Nieselregen hilft ein bunter Regenschirm. Selbstverständlich kann es nur grandios missglücken, wenn ihn ein Clinic-Clown vor den Augen der Kinder aufspannen will.

Humorvolle Ablenkung – Mit den Clinic-Clowns auf andere Gedanken kommen

Clowns bleiben Clowns, sie scheitern an solchen Kleinigkeiten und können darüber spielerisch verzweifeln. Doch niemals würden sie echte Sorge oder Panik verbreiten. Für die Kinder sind Clowns ihre Verbündete, sie sind sich emotional sehr vertraut. In einer Zeit, die Kopf steht, bringen sie den Kindern und Angehörigen, aber auch den Pflegekräften, auf ihre Weise ein Stück verrückte und beruhigende Normalität. Es sind gemessen an der Alltagswoche nur kleine Momente und Begegnungen für die Kinder, doch intensive Freude und Lachen hallen nach.
Nun gibt es schon weitere Pläne, wie noch mehr Kinder mit den Clowns-Visiten erreicht werden können. In den Bettentürmen wurden neue Fassaden-Elemente angebracht, die nun innenliegende alte Fassade ist noch nicht zurückgebaut. Hier ist zwischen alter und neuer Fensterfront ein schmaler Zwischenraum entstanden, die Fenster aller Stationszimmer können hierüber besucht werden. Spiegelnde Scheiben und schalldicht – „Neugierig, wie wir Clowns nun mal sind, werden wir das Experiment ausprobieren und sind gespannt“, fasst Flora die neuen Herausforderungen zusammen.

Die UKM-Clinic-Clowns finanzieren sich durch Spenden und freuen sich über jede Unterstützung.
Universitätsklinikum Münster
Deutsche Bank Münster
IBAN: DE42400700800013884200
Betreff: Clinic-Clowns ZU 200 001

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Theater Münster ist unsolidarisch
Presseerklärung des Vereins Tanzspektrum

Geradezu fassungslos macht der Umgang des Theaters mit der Freien Szene und anderen professionellen Kulturanbietern Münsters. Wir, der gemeinnützige Verein „Tanzspektrum Münster“, organisieren seit Jahren mit und als Unterstützung des Kulturamtes Produktionen der freien Tanzszene unserer Stadt. U.a. veranstalten wir pro Jahr 9 Tanzabende mit lokalen freien Gruppen im Theater unter dem Label „Tanzspektrum“. Unsere bekannteste Produktion ist das „Münsteraner Tanzfestival“, das in diesem Jahr seine 28. Ausgabe gehabt hätte. Nun sind wir lapidar vom Theater per Email darüber informiert worden, dass alle weiteren Gastspiele bis Ende des Jahres gekündigt worden seien. Das Theater braucht nach Öffnung der Türen an der Neubrückenstrasse alle Termine für sich. Genau so ging es anderen Gastveranstaltern wie z.B. den Konzertagenturen Schoneberg und Weverinck. Diese Haltung „Wir zuerst!“ des Theaters ist uns leider nur zu gut bekannt. Auch bei der Terminwünschen externer Veranstalter offeriert die Theaterführung gerne lokalen Kulturschaffenden nur eine Resterampe schwieriger Termine. Dass das Theater, in dem niemand um seinen Job bangen muss und für das die Stadt als Träger die durch den „Log down“ entstandenen Finanzschaden auffangen muss, trotzdem die auf eigene Rechnung agierenden Kulturanbieter einfach rausschmeißt, ist unglaublich! Ja – man hatte noch nicht einmal den Anstand, die Betroffenen zu einem Gespräch über Lösungsmöglichkeiten einzuladen.
Wenn derzeit z.B. der GMD durch Münster läuft und die angeblich wichtige Kooperation des Orchesters mit der freien Musikszene als viertes Standbein des „Musikcampus“ predigt, dann ist das höflich formuliert mit Vorsicht zu genießen. Wer solche Kooperationspartner hat, ist nicht zu beneiden!
Karl-Heinz Neubert,
Vorstand „Tanzspektrum e.V.“

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Münsters Kulturszene lebt!

Und sie zieht in den digitalen Raum um! Am Freitag, den 15.05.2020 um 20:30 Uhr startet per Live-Stream das neue Kulturformat Culture Club Münster mit der ersten 3-teiligen Veranstaltungsreihe im digitalen Raum als Pilot.
Veranstalter sind AE Rental, placebotheater und die Filmwerkstatt Münster. Moderiert wird das digitale Livestream-Event von Adam Riese (Die Adam Riese Show) und Oliver Pauli (placebotheater).
Mitwirkende Künster*innen sind u.a. Theater Titanick, die als Institution an diesem Abend besonders gerahmt werden sowie Jens Heinrich Claassen, Zucchini Sistaz und Künstler*innen des placebotheater-Ensembles.
Und warum das Ganze? Damit die Kulturlandschaft Münsters bunt und vielfältig bleibt, die Künstler*innen und die Institutionen der freien Kulturszene Support erhalten.

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