Verkehr – Teil 2

Diese Woche sollte es mit dem ÖPNV und dem Miteinander im öffentlichen Raum weitergehen.
Zunächst gibt es jedoch Neues zur Thematik Fahrradstraßen zu berichten. Ich benutze mehrmals wöchentlich und zu verschiedenen Tageszeiten die Fahrradstraßen Lindberghweg – Lütkenbecker Weg – Schillerstraße (im Südosten) und Bismarckallee (am Aasee).
Am frühen Morgen, wenn wenig Fahrradfahrer unterwegs sind, wird der Vorteil der durch Parkverbot verbreiteten Straßen zum Nachteil: Die wunderbar leeren und "entrümpelten" Pisten werden von zahlreichen Autofahrenden als Rennstrecke missbraucht. Letzten Donnerstag kam mir ein klischeebedienender Nachwuchspilot im BMW mit ST-Kennzeichen mit bestimmt 60-70 km/h auf dem Lütkenbecker Weg entgegen, auf der Bismarckallee an Donnerstag UND Freitag die gleiche COE-Dame zweimal hintereinander.

Fahrradstraße Lindberghweg: der Schein trügt - leider!

Tagsüber wird der Lindberghweg immer noch von Autos überbevölkert, die sich – teilweise extrem rücksichtslos – durch den Radverkehr bomben, obwohl der parallel laufende Albersloher Weg seit Corona nun wirklich nicht mehr überlastet ist.

Ich wiederhole also meinen Vorschlag aus der letzten Woche, die Fahrradstraßen für den Durchgangsverkehr zu sperren. Alles andere widerspricht dem Geist der Maßnahmen, sichere und schnelle Routen für den Radverkehr zu schaffen und führt darüber hinaus, wie mehrfach erlebt, zu grenzwertigem Missbrauch durch Unbelehrbare.

Das Miteinander im öffentlichen Raum

Eine Verkehrsinfrastruktur funktioniert dann gut, wenn alle Teilnehmenden möglichst ungehindert vorankommen. Im Idealfall führt eine komplette Entflechtung verschieden schneller Verkehrsströme zu diesem Ziel. Hier ist Münster, wie bereits beschrieben, auf dem Weg, aber es wurden viele Chancen mit weitreichenden Fehlentscheidungen (Verkehrssituation an Ludgerikreisel und Bahnhof, inkonsequente Handhabung der Fahrradstraßen, keine bauliche Trennung der Radwege von den Autofahrbahnen) verspielt.
Wo sich alle den gleichen Verkehrsraum teilen müssen, ist gegenseitige Rücksichtnahme gefragt, in Deutschland, vor allem zwischen Auto- und Radfahrern, ein emotional aufgeladenes Reizthema. Viele Autofahrer scheinen immer noch die geltenden Regeln durch das Recht des Stärkeren zu ersetzen, viele Radfahrer sind ganz offensichtlich der Meinung, vermeintliche moralische Überlegenheit würde generelles Vorrecht implizieren. Beides ist rücksichtslos, und in Diskussionen rechtfertigt man das eigene Fehlverhalten nur zu gern mit den Negativbeispielen der gegnerischen Zunft.
Was ist also zu tun? Zuerst fällt der Stadt die Aufgabe zu, weiter zu entflechten, wo es irgend geht. Sind Auto- und Fahrradfahrer getrennt unterwegs, gibt's auch keinen Streit. Zweitens muss wirklich für die Nutzbarkeit der reservierten Verkehrswege gesorgt, also das Zuparken von Rad- und Fußwegen rigoros unterbunden werden. Drittens muss dort eingebremst werden, wo alle gemeinsam unterwegs sind.
Nehmen wir als Beispiel erneut die Hammer Straße: Hier dürfen tagsüber 50 km/h gefahren werden, angesichts des intensiven Querverkehrs durch Autos, Radfahrer und vor allem Fußgänger ein Unding. Ein Tempolimit zusammen mit vielen Zebrastreifen würde helfen, aber warum denken wir das Ding nicht einfach mal zu Ende? Die Verkehrsbelastung wird durch die Trends zum Homeoffice und zum (E-) Fahrrad dauerhaft etwas niedriger sein. Warum also nicht die B54 über die Geiststraße führen? Die Hammer Straße könnte dann verkehrsberuhigt werden und würde einen qualitativen Quantensprung vollziehen. Der Ludgerikreisel bekäme die dringend notwendige Entlastung.
Ein großes Ärgernis und eine lebensgefährliche Gefahrenquelle sind meiner Meinung nach übrigens die grünen Rechtsabbiegerpfeile. Erstens stellen viele Autofahrer die querlaufenden Geh- und Radwege gedankenlos zu, anstatt hinter der Haltlinie zu bleiben, während sie auf eine Lücke warten. Zweitens wird oft nur nach links geschaut und allzuoft vergessen, dass die rechts neben einem wartenden Radfahrer vielleicht mittlerweile auch "grün" haben. Ist mir selbst schon auf beiden Seiten passiert. Der Vorteil einer vielleicht kürzeren Wartezeit wird hier mit einer dauernden Gefährdung anderer erkauft.
Was die gegenseitige Rücksichtnahme betrifft, ist es leider so, dass von Autos nun einmal eine höhere Gefahr ausgeht als von Fahrrädern. Und als Fahrradfahrer ist es vielleicht ab und zu besser, zurückzustecken, als sich in brenzlige Situationen zu manövrieren. Musste ich auch erst lernen.
Nächste Woche geht es dann wirklich mit dem ÖPNV weiter, für uns als zugezogene Angelmodder gerade ein brandheißes Thema!

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Tobias Voigt
ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Töchter. Er wohnt in Münster, arbeitet seit 25 Jahren bei der na dann und ist Weinhändler (divino.de)
tobi@nadann.de

Autor: Tobi

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