Energiewende in Marokko

In meinem letzten Artikel habe ich darüber berichtet, wie der Standort Ouarzazate im Süden Marokkos hauptsächlich als Touristenort und wegen des örtlichen Filmstudios ein Begriff ist. Doch bekannter dürfte es über kurz oder lang als die Stadt werden, in der Nordafrikas Energiewende Fahrt aufnahm. Noor 1 gilt als Referenzprojekt, um der Solartechnik in Entwicklungsländern zum Durchbruch zu verhelfen.
Bisher muss Marokko mangels eigener Ressourcen Strom importieren. Vor allem per Unterseekabel aus Spanien. Vor gut acht Jahren allerdings verschrieb König Mohammed VI seinem Land eine Energiewende. Sonne, Wind und Wasser, das sollen die wesentlichen Energiequellen Marokkos werden. Und die Sonne spielt eine große Rolle.
Ursprünglich war das die Idee der westlichen Initiative Desertec. Als diese vor zehn Jahren entstand, sprach der damalige Siemens-Chef Peter Löscher vom "Apollo-Projekt des 21. Jahrhunderts". Und viele hofften, schon bald Wüstenstrom aus Nordafrika nach Europa zu transportieren. Doch der Traum währte nicht lange. Nur fünf Jahre nach ihrer Gründung zerstritt sich 2014 die Desertec Industrial Initiative, der Wirtschaftsarm der Desertec-Idee sozusagen. Die Idee hatte von Anfang an keine Chance, fast alle beteiligten Parteien hatten unterschiedliche Interessen, die französische Atom-Lobby war stark und hat alles dafür getan, um die Initiative zu stoppen. Auch die anderen beteiligten europäischen Unternehmen und die Politik haben die Idee nicht gefördert und teilweise sogar ausgebremst. Als 2012 kurzfristig die drei Minister Guido Westerwelle (FDP), Philipp Rösler (FDP) und Peter Altmaier (CDU) eine Konferenz der DII absagten, wurde das als schwerer Affront gewertet. Viele der vor allem deutschen Firmen wie Siemens, Eon oder die Deutsche Bank verließen die Initiative.
Marokkos Regierung hat daraufhin die Zügel in die Hand genommen. Der Monarch gründete eigens für das Projekt eine Agentur für erneuerbare Energien „MASEN“. Die ambitionierten Pläne sollen mit privaten und öffentlichen Geldern finanziert werden. So beteiligen sich die staatliche deutsche Förderbank KfW, die französische Entwicklungsbank, die Europäische Kommission und saudi-arabische Investoren an der Finanzierung der rund 2,2 Milliarden Euro teuren Solarprojekte. Das Land plant, die Kapazitäten so weit auszubauen, dass 2030 rund 52 Prozent des Stroms mit erneuerbaren Energien produziert werden können.

Ouarzazate Noor 1

Insgesamt vier Kraftwerke sind in Ouarzazate geplant. Noor I und Noor II ("Noor" bedeutet in arabisch "Licht") sind Parabolrinnenkraftwerke, welche Energie aus konzentrierter Solarenergie mithilfe von 12 Meter hohen, mobilen Parabolspiegeln produzieren. Noor III ist ein Solarturmkraftwerk. Für Noor IV ist der Einsatz von Photovoltaik-Technologie geplant.
Das erste von insgesamt vier Kraftwerken arbeitet mit einer neuen modernen Technologie ostwestfälischer Wärmeübertragungsspezialisten, es besteht aus Parabolrinnen-Spiegeln, die auf einer Fläche von rund 650 Fußballfeldern aufgebaut wurden. 537.000 zusammengefügte Spiegel, die sich automatisch nach der Sonne ausrichten und die Sonnenstrahlen auf breite Rohre lenken, durch die eine Art Thermo-Öl, ein Gemisch aus Natriumnitrat und Kaliumnitrat, fließt. Dieses wird so auf fast 400 Grad Celsius erhitzt und in einen Kraftwerksblock geleitet. Dort erhitzt es Dampf, das eine Turbine antreibt und so Strom erzeugt. Abgekühlt auf knapp 300 Grad fließt das Öl wieder durch Rohre zurück in das Solarfeld, und der Kreislauf beginnt erneut.

Die Anlage überwindet auch eins der früheren Probleme, die Speicherung der Energie, die erzeugte Wärme kann auch in Flüssigsalz-Tanks gespeichert und dort nach Sonnenuntergang wieder entnommen werden, um bedarfsgerecht Strom zu produzieren. Noor I ist seit 2016 ans Netz angeschlossen, hat eine Kapazität von 160 Megawatt und erzeugt Strom für mindestens 350.000 Menschen.
Das Solarkraftwerk ist längst nicht der einzige Schauplatz der marokkanischen Energiewende. Wer vom Rand der Wüste 550 Kilometer in Richtung Norden fährt, der kann Teil zwei der Energiewende erleben. Nicht weit von der Küstenstadt Tanger entfernt stehen Dutzende Windräder. So hartnäckig die Sonne am Rande der Sahara brennt, so beständig bläst hier der Wind. Es ist immer windig, die Räder laufen zu 98 Prozent des Jahres und können bis zu 2000 Megawatt Leistung erzeugen.

Nachruf zum Fleisch Gipfel
Dass für billiges Fleisch andere die Rechnung zahlen, ist eigentlich schon länger bekannt. Doch durch die Corona Ausbrüche in den Schlachthöfen lässt sich nicht mehr so einfach weg schauen und so werden momentan die Großen der Fleischindustrie gerade selbst gegrillt. Es muss sich etwas ändern und da schließen sich momentan die meisten zuständigen Politikerinnen und Politiker an. Das Schwein, das die Steaks liefert, soll besser gehalten werden, der Mensch, der das Fleisch zerlegt, unter fairen Bedingungen arbeiten. Und so lud Bundesagrarministerin Julia Klöckner die Branche zum Fleisch-Gipfel an.
„Ich will eine gläserne Produktion in der Fleisch Wirtschaft erreichen“ „Qualitative hochwertige Nahrungsmittel haben ihren Preis“ „Wir müssen den Wert von Lebensmitteln immer wieder ins Bewusstsein rufen“. Kommt euch das bekannt vor? Ja, es sind Aussagen der Bundeslandwirtschaftsminister, Funke, Seehofer und Aigner, aus den Jahren 2000, 2006 und 2011 und jetzt stellt sich Klöckner in diese illustrer Reihe „ Es wird und muss sich etwas ändern“
Wie war das in Goethes Faust? „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“ Zu oft gab es nach Gipfelgesprächen wortreiche Ankündigungen und wohlklingende Pläne, ohne dass sich danach bei Tierwohl, Arbeitsbedingungen oder Preisen wirklich etwas geändert hat.
Für mich war dieser Gipfel ein reiner Showgipfel. Ich bin skeptisch, was die Beschlüsse von jetzt betrifft. Denn solange die Lobbyisten gute Arbeit leisten, bleibt zumindest in der Fleischindustrie alles beim Alten. Aber auch wir Verbraucher müssen uns klar werden, dass wir nicht einfach so weiter machen können wie bisher. Solange 500g Hackfleisch für 1,99 über die Ladentheke gehen, solange wird sich an Ausbeutung und Tierquälerei in der Fleischindustrie nichts ändern. Natürlich darf Fleisch kein Luxusgut werden, aber Ramschware auch nicht. Wir als Verbraucher haben die Macht: was nicht gekauft wird, wird nicht produziert. Also, los geht's! nutzen wir diese Macht. Endlich!

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Omar Boudablij
ist 50 Jahre alt, bei der na dann … arbeitet er seit 1995. Er lebt in Dortmund.
omar@nadann.de

Autor: Omar

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