Music was my first love…

Musik begleitet mich mein Leben lang. Von den anfänglichen Einschlafliedern, über gemeinsame Singstunden mit meiner Mutter bis hin zum Geigenunterricht und den ersten eigenen Jugendsinfoniekonzerten. Meine erste Single war Howard Carpendale Hello again, mein Bruder schenkte mir zur Konfirmation meine erste LP - Madonna´s Like a Prayer, mein erstes Konzert war von den Toten Hosen. Verschiedenste Künstler zierten mein Jugendzimmer - Falco nahm eine ganze Wand ein. Es folgten pubertär bedingte musikalische Ausrutscher (aus heutiger Sicht) wie zB Bros. The Smith und Morrissey, The Cure, U2 und Depeche Mode haben mich zu Studizeiten begleitet. Letztgenannter Band bin ich bis heute treu, ich höre sie nunmehr seit 31 Jahren (wir sind zusammen alt geworden, hach, eine romantische Vorstellung!). Depeche Mode habe ich auch am häufigsten live erlebt. Mein erstes Konzert von ihnen war in der alten Wembley Arena während meiner Zeit in London, mein letztes auf Schalke.
Ich genieße es, während meiner vielen Mamataxifahrten bedingt durch meine Kinder meine Playlisten auf Blocklautstärke zu hören. Ich tanze liebendgern abends alleine zu meiner Musik in der Küche. Musik gibt mir ein unbeschreibliches Gefühl, lebendig zu sein. Dutzende Lieder bergen wunderschöne Erinnerungen, einige auch sehr traurige. Musik berührt mein Herz zutiefst. Auch wenn ich im normalen Alltag, der bunt und laut genug ist, Ruhe und musiklose Zeiten sehr genießen kann - Musik hat eine immense Bedeutung für mich.

Editors live im Januar - ein riesiger Dank an die Veranstaltungswirtschaft für wundervolle Erinnerungen!

Das vorerst letztes Konzert, das ich erleben durfte, war Editors Ende Januar. Es war ein wunderschöner Abend. In diesem Jahr hätte ich noch mit meiner Musikreisegruppe die Fantastischen Vier gesehen und wäre zum Zwarte Cross - und Haldern Pop Festival gegangen. Weitere Konzerte hätten sich sicherlich noch im Laufe des Jahres ergeben. Neben diesen großen Events waren auch noch ein paar kleinere Konzerte geplant. Ich engagiere mich in Bocholt in einem Kunst und Kultur Verein, der auf eine mittlerweile abgerissene Disco meiner Anfangszwanzigerjahre zurückgeht. Wir veranstalten jedes Jahr neben einer Karnevals- und x-mas-Party kleinere Tanzabende. Das an diesem Abend durch Eintrittsgelder erwirtschaftete Geld nutzen wir, um Live-Bands zu buchen. Wir wollten in diesem Jahr fünf Konzerte veranstalten, im nächsten Jahr ein Open Air anlässlich unseres 10jährigen Bestehens. Doch die Corona-Krise machte uns einen Strich durch die Rechnung. Seit März mussten alle Events abgesagt werden. Es ist schade, aber leider nicht zu ändern. Uns treffen diese Absagen nur mittelbar. Die fehlenden Einnahmen schmälern natürlich das Budget für das Open Air nächstes Jahr, wir hoffen dennoch, dass wir eine gute Band präsentieren können.

Night of Light - Ein dringender Appell „Rettet die Veranstaltungswirtschaft“!

Ganz anders sieht es für all unsere Partner aus, mit denen wir in den letzten Jahren zusammengearbeitet haben. Die Technik für die Konzerte haben wir immer gemietet, eine feste Kneipe für Konzerte haben wir nicht. In der Veranstaltungswirtschaft ist eine dermaßen große finanzielle und existentielle Not entstanden, dass letzten Montag, am 22.06., die Night of Light ausgerufen wurde. Viele selbständige Veranstalter, Künstler, Bookingagenturen, Caterer oder Bühnenbauer... können aller Voraussicht nach die nächsten 100 Tage nicht mehr finanziell überleben. Insgesamt umfasst die Veranstaltungswirtschaft über 2,5 Millionen Beschäftigte, die einen Umsatz von über 200 Mrd. Euro jährlich erwirtschaften. Im Zuge der Night of Light wurde ein offener Brief an die Regierenden veröffentlicht, der unter https://vt-stage.com/wp-content/uploads/2020/06/Offener_Brief_INVW_25062020.pdf einzusehen ist. Es mutet ein bißchen befremdlich an, dass zB die Lufthansa mit 9 Mrd. Euro gerettet wird und im Flugzeug sitzen die Menschen auf engstem Raum beieinander ohne Masken - im Veranstaltungsbereich tut sich nichts und Abstandsregeln müssen eingehalten werden. Um die „Alarmstufe Rot“ öffentlich wirksam zu machen, wurden bundesweit während der Night of Light über 8.000 Gebäude rot angestrahlt. Auch unser 300 Mitglieder zählender Verein hat sich an der Aktion beteiligt, zumindest digital. Es müssen Hilfen her für die Veranstaltungswirtschaft, keine Kredite, die die Menschen und Firmen weiter überschulden. Es hängen so viele Schicksale am Überleben dieser Branche, die uns Besuchern einmalige Erlebnisse beschert, die uns das Leben fühlen lässt.

Ein erster Schritt ist von der Branche selber unternommen worden. Meine älteste Tochter ist großer Wincent Weiss Fan. Dieser hat nun als erster Künstler die Wiederöffnung der Lanxess-Arena in Köln und überhaupt deutschlandweit begangen. Die Arena darf momentan wieder Veranstaltungen für 896 Zuschauer ausrichten. Die Besucher befinden sich in so genannten „Cubes“ (Plexiglas-Boxen) im Innenraum bzw. in Blöcken auf dem Unterrang, die 1,5 Meter voneinander entfernt sind. Arena now nennt sich das Konzept, das nun verschiedenste Künstler erst einmal in der Lanxess-Arena präsentiert. Wirtschaftlich lohnt es sich für keine Seite, dennoch ist es eine Plattform für Künstler, wieder live aufzutreten und für das Publikum, das Besondere an einem Live-Event mitzuerleben. Meine Tochter verfolgte eines der Konzerte via Livestream und war begeistert. Auch andere Stimmen, die ich nach den Wincent Weiss Konzerten von Besuchern gehört habe, waren voller Begeisterung, die anfängliche Skepsis unbegründet. Ein Mitsingen der Lieder war auch möglich, im Gegensatz zum Mitsingen von Liedern bei der Abschlussfeier meiner Zwillinge.
Meine Töchter feierten letzten Freitag ihren Abschied aus der Grundschule. Es war eine sehr schöne Stunde auf dem Bauernhof, das Kollegium hatte eine tolle Feier erdacht und die Kinder hatten großen Spaß. Dass nicht gesungen werden durfte, sondern nur die Lippen zu den Liedern bewegt wurden, mutete seltsam an, war aber zu verkraften. Das Händeschütteln bei der Zeugnisübergabe wurde ersetzt durch einen Ellbogen-Check, auch das war eher lustig als tragisch. Selbst unter Corona-Bedingungen war es möglich, den Kindern einen schönen Abschluss zu bescheren, sie werden die Stunde in guter Erinnerung behalten. Das richtige Abschiedsfest für die Klasse wird im nächsten Jahr nachgeholt. Die Klasse hat eine Zeitkapsel vergraben mit Wünschen an sich selber, die nächstes Jahr wieder ausgegraben wird. Ich bin gespannt, ob in einem Jahr noch ein Bezug zu den alten Klassenkameraden vorhanden ist oder die neuen Schulen und Freunde so viele neue Eindrücke vermittelt haben, dass es sich fremd anfühlt. Wir werden es erleben.
Ich für mich behalte das letzte Konzert vor Corona, das ich erleben durfte, in kostbarer Erinnerung und freue mich auf das Jahr 2021. Die Tickets für meine Veranstaltungen behalten ihre Gültigkeit. Ich freue mich darauf, dass Konzerte spätestens ab dann mein Leben hoffentlich wieder begleiten werden, so es wieder erlaubt ist und vor allem die Veranstaltungswirtschaft Hilfe erhält und überleben kann.

…and it will be my last.

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Brit(ta) Schiffmann
ist seit 21 Jahren bei der na dann … und arbeitet in Bocholt von ihrem Homeoffice aus.
britta@nadann.de

Autor: Britta

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