Country House

Zugegebenermaßen lebe ich mit meinen Töchtern nicht richtig ländlich und auch nicht auf einem Bauernhof oder Ähnlichem. Wir bewohnen mein Elternhaus, das in Bocholt am nördlichen Rand steht. Von unserem Zuhause aus sind die Kinder innerhalb von 7 Minuten mit dem Rad an ihrer Schule, die Innenstadt mit dem Wochenmarkt ist ebenfalls so weit entfernt. Für einen Spaziergang durch Wald und Wiese laufen wir genau 300 Meter. Ab dort sieht man nur noch Felder. In der Nähe fließt der Holtwicker Bach, von einem wunderschönen Wald umgeben. Blicke ich aus meinem Küchenfenster, sehe ich auf eine grüne Wand. Bäume säumen das nahegelegene Krankenhaus, das ich durch das Grün nicht mehr sehe. Ich mag meinen Wohnort. Es ist sehr ruhig und friedlich hier. Mit vier Jahren sind meine Kinder zum ersten Mal alleine zum Bäcker um die Ecke gelaufen.

Mein Haus wurde Ende der 70er Jahre gebaut mit einem für heutige Verhältnisse großen Grundstück und leider sehr großen Vordergarten. Im Laufe der Jahre hat sich mein Garten von einem Wildgarten, den ich vorfand, als ich das Haus übernahm, zu einem kinderfreundlichen Spielparadies verändert .Die Kinder wurden größer und Kinderrutsche, Kletterturm usw verschwanden und machten einem gemütlichen Zufluchtsort Platz. In den letzten Monaten gestaltete sich der Erhalt dieser grünen Oase als recht schwierig. Glücklicherweise steht mein Haus auf einem alten Bachbett, weswegen ich noch immer Grundwasser für die Bewässerung des Gartens habe. Meine direkten Nachbarnhaben haben nicht das Glück, sie wässern ausschließlich mit Stadtwasser. Bei der Hitze der vergangenen Wochen musste ich allabendlich die Gartenpumpe in Betrieb setzten, damit die Nutzpflanzen die Dürre überstehen und uns mit einer kleinen Ernte erfreuen.

Erinnert ein wenig an Schneewittchen´s Apfel

Nun ist es langsam, aber sicher so weit. Ich habe im Vordergarten zwei Apfelbäume stehen, die sehr unterschiedlich tragen. An einem hängt genau ein großer, wunderschön anzusehender Apfel, der andere wird uns eine reiche Ernte bescheren. Nun ist bald Erntezeit. Meine Mädchen lieben es, in den Vordergarten zu gehen, sich einen Apfel vom Baum zu pflücken und direkt hineinzubeißen.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland hätte seine Freude

Im hinteren Garten steht seit drei Jahren ein Birnenbaum, der in diesem Jahr zum ersten Mal Früchte trägt. Gleich 50 leckere, saftige Birnen (ich habe sie gezählt) säumen die Äste des Baumes und ich kann es kaum erwarten, die Früchte zu ernten. An langen Weinreben, die von der Grundstückmauer bis hoch zum Balkon des Hauses wachsen, hängen dicke Trauben. Sie werden zu köstlichem Gelee verkocht. Die Minze, die aus Nachbarsgarten herüberwächst, wurde für ein paar Mojitos verwendet, den Rest habe ich getrocknet für wärmenden Tee in den kühlen Wintermonaten.

Frisch vom Brombeerstrauch….

Mein Bruder schenkte mir vor Jahren einen stachellosen Brombeerablege. Dieser ist mittlerweile zu einem großen Strauch gewachsen und schenkt mir eine große Ernte dieses Jahr. Die ersten 1,5 Kilos sind in die Produktion eines Aufgesetzten gewandert :) Auch am Wegesrand gibt es ja wilde Brombeersträucher, wer pflücken mag und schon mal für Weihnachten kleine Geschenke ansetzen will, hier mein seit Jahren erprobtes Rezept:

….unter anderem ins Glas nebst anderen Zutaten

Brombeer Aufgesetzter
1,5 kg Brombeeren
300g braunen Kandis
1 Teelöffel Vanillepaste
2 Flaschen Korn (hochwertiger Alkohol bedingt ein geschmacksintensiveres und weicheres Ergebnis)
0,5 Liter Weinbrand
Zusammen mischen, mindestens 6 Wochen stehen lassen und immer mal wieder rühren.

Die restlichen Kilos Brombeeren werde ich zu Apfel-Brombeer-Marmelade verarbeiten, für die ich die Früchte aus dem Garten einsetze. Weihnachten kann kommen, ich bin vorbereitet :-)

Dieses Jahr trägt neben dem Apfelbaum auch endlich mein Olivenbaum. Ich habe ihn vor 5 Jahren in den Garten ausgepflanzt, da er im Kübel nach kurzer Zeit sehr unglücklich aussah. Er hat den Umzug sehr gut überstanden und ist offensichtlich sehr glücklich, denn er wächst und wächst. Dieses Jahr entdeckte ich endlich die ersten Blüten und mittlerweile sind aus ihnen kleinen Oliven gewachsen. Die Blüte und das Entwickeln des Fruchtstandes ist ein sehr gutes Zeichen, dass es dem Olivenbaum endlich gut geht. Ich bin gespannt, wie groß sie sind bevor der Herbst kommt und ob ich sie ernten kann.

Auch meinem Feigenbaum geht es endlich gut. Ich hatte ihn bei meinem Einzug als verkümmertes Bäumchen in einem Kübel gefunden. Ich brachte es nicht über´s Herz, das Bäumelein zu entsorgen, somit pflanzte ich es vor Jahren in eine hintere Ecke meines Gartens. Mittlerweile ist aus dem spindeldürren, blattlosen und traurig anzusehendem Etwas ein breiter, viele Früchte tragender, gesunder Feigenbaum geworden. Sobald sie reif sind, werde ich auch diese ernten und verarbeiten.

Ich mag meinen Garten, die Ruhe, die ich empfinde, wenn ich mich mit ihm beschäftige. Die Kraft, die er ausstrahlt und die Zuversicht, die er gibt. Egal, wie schwer die Zeiten manchmal sind und wie trostlos die Welt erscheinen mag. Das Leben geht immer weiter und blüht neu auf. Für diese Erkenntnis bin ich meinem Garten unendlich dankbar.

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Brit(ta) Schiffmann
ist seit 21 Jahren bei der na dann … und arbeitet in Bocholt von ihrem Homeoffice aus.
britta@nadann.de

Autor: Britta

Archivtexte Villa Kunterbunt

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