Corona Corner KW 17

vorher: Kristian geht “an‘ Stein“

„Ich geh an’ Stein“ oder - Die Kunst im Zeitalter ihrer coronaren Distanziertheit

Frei nach dem bekannten Originaltitel von Walter Benjamin aus der 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“.
Er beschreibt in seiner Lektüre, die massenhafte Reproduktion von Kunstwerken, also Nippes, Kitsch und Dekoration. Daran ist die Ideologie des Jugendstils nicht unbeteiligt, eher ein treibender Faktor mit seiner Forderung nach „Kunst für alle“.
Es geht Benjamin aber auch um Wirklichkeit und kollektive Wahrnehmung.
Und so erschöpft sich die kollektive Wahrnehmung im Zeitalter der coronaren Distanziertheit in der Angst um Ressourcen, im WC Papier Rausch der ängstlich Dummen, oder im Atemmasken basteln der verängstigten Hilfsbereiten.
Kunst und Kultur stehen, trotz aller wohlgemeinten Hinweise auf gesellschaftlich-kulturelle Notwendigkeiten, ganz hinten an.
Die Wirklichkeit gilt dem materiellen Überleben, mehr den je, sie fordert die ganze Aufmerksamkeit und lässt keinen Spielraum für Alternativen.

Wie etwa die Wirklichkeit von einer anderen Perspektive aus zu betrachten, neue Bilder zu schaffen.
Ich will gar nicht darauf hinaus, welche Rolle die Künste, die bildenden Künste im Besonderen, in der Gesellschaft erfüllen und erfüllen sollen.
Ich will auf meine Wahrnehmung der Wirklichkeit im Bezug zur bildenden Kunst hinaus.
Auch als bildender Künstler suche ich einen Weg zum Überleben, doch ist es weniger der Weg des materiellen Überlebens. Ein Manko vielleicht, dass sich in meiner Biografie bereits sehr früh festgesetzt hat, mir aber auch den Weg geebnet, die Wirklichkeit von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten und zu bearbeiten.
Fragt mich jemand, was ich denn jetzt so mache, so antworte ich ihm ohne zu zögern: “Ich geh an ’ Stein“. Tatsächlich ist ein wesentlicher Bestandteil meiner künstlerischen Tätigkeit die Formentdeckung am Stein, mit Stein, Skulpturen, Objekte, Installationen. Das bedeutet auch, dass ich mir die Freiheit nehme, meine künstlerische Arbeit ohne Wenn und Aber zu realisieren, ohne überlebenstechnische Termine wahrnehmen zu müssen, die zu oft zu wenig mit meinen künstlerischen Ambitionen in Einklang zu bringen sind.
Zu meiner künstlerischen Arbeit gehören auch die grafischen und die theoretischen Arbeiten, die Entwürfe für Texte und Vorträge, Gedanken über den Sinn des Menschen und des Universums, Workshops und Ausstellungen.
Ich bin glücklich. Der Virus beschert mir eine „kunstvolle“ Zeit, endlich wieder mehr Kontinuität in jeder Hinsicht, der „Flow“ intensiviert sich…..und ich kann auch die traurigen Ereignisse, wie die Kündigung der Liebe durch meine Freundin Ende Januar, verdrängen.
Sagt Sigmund Freud nicht „Alle Kunst ist Sublimation“ was soviel bedeutet wie „wenn du kein Sex hast, male“.
Alle Vorhaben durch die ich meinen Lebensunterhalt derzeit bestreite, künstlerisch oder nicht künstlerisch, sind nun alle gleichzeitig abgestürzt – dank dem Virus.
Ja, dem Virus sei Dank, was für ein Glück, endlich in allen Bereichen frei forschen, niemand gibt mir eine Zeit vor. Ich freue mich auf den Tag, stehe morgens um 06.00 Uhr auf, ziehe mich an, Schicht über Schicht, je nach Wetterlage und lege los. An manchen Tagen nutze ich die Zeit zum theoretischen Forschen, Lesen, Zusammenhänge entdecken, mir Fragen stellen.
Warum kann das nicht so weitergehen? Nein, geht nicht, irgendwann hat mich die Realität wieder eingeholt, der Virus ist Geschichte und meine Arbeit, die ich mit ganzer Leidenschaft in allen Bereichen ausübe, muss sich wieder einschränken, den „Realitäten“ anpassen.

nachher: „analytische Anthropotomie“ Höhe: 280 cm

Obschon manche Einschränkung wiederum meiner „Forschung“ ein Forum bietet, in der ich die Kunst „zur Sprache“ bringen kann. Goethe ist der Ansicht, „Bilde Künstler, rede nicht“, doch da widerspreche ich ihm heftig.
Es gibt nicht wenige Menschen die mir sagen wollen, was ich wie zu tun hätte um zu überleben, sie sagen: „du musst Geld verdienen“, womit nicht meine Arbeit gemeint ist.
Kunst zu machen und zu denken ist also keine Arbeit, diese Wahrnehmung ist ein Dilemma. Hier wäre mal ein Essay über den Arbeitsbegriff notwendig.
Ich bin kein Marketingstratege, versuche aber dennoch, meine bildnerische Arbeit, die Skulpturen und Grafiken wie auch meine theoretische Arbeit in Vorträgen honorartechnisch umzusetzen.
So sind eine Reihe meiner Skulpturen und Grafiken auf meiner Webseite sichtbar. Meine Vorträge beziehen sich auf das Verständnis von Kunst und dem Kunstbegriff im Allgemeinen. Im Besonderen beziehen sie sich auf den Zusammenhang von Ursprung und Gegenwart in der Kunst oder auf den Zusammenhang von bildender Kunst und Wirtschaft, um nur zwei zu nennen. In diesem Fall nicht in dem Sinne, dass es auch mal schön sei, während einer Sitzungspause zu malen oder zu basteln, sondern eher in dem Sinne, dass Kunst, künstlerisches Denken, andere Strategien der Wahrnehmung aufzeigen kann und somit auch zu Perspektiven führen kann, die weit über dem Status Quo liegen. Wirtschaft und Gesellschaft sind nicht trennbar, wir sehen und erleben, dass andere Sichtweisen und Erfahrungen nötig sind.
Soweit erstmal

Kristian Niemann
www.atelier54.de

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Initiative moNOkultur
Bündnis der Freien Kulturszene Münster

Die Initiative „moNOkultur – Bündnis der Freien Kulturszene Münster“ macht sich seit 2013 für bessere Förder- und Arbeitsbedingungen der unabhängigen professionellen Kunst- und Kulturschaffenden stark und ist kommunikative Schnittstelle zu Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. moNOkultur versteht sich zudem als Austausch- und Inspirationsplattform von und für Kulturschaffende verschiedener Sparten. Die Initiative freut sich über alle Künstlerinnen und Künstler, die Interesse haben, sich für die kulturelle Entwicklung der Stadt einzusetzen.
Kontakt und aktuelle Infos:
sprecherteam@monokultur.eu
www.facebook.com/monokultur.eu

Wie bereits in den vergangenen zwei Wochen wird die Initiative auch in dieser Ausgabe zwei sparten- bzw. labelübergreifende Projekte der Freien Kulturszene vorstellen, die ihren Beitrag zur Gestaltung der Kulturstadt Münster leisten und dabei vor allem auch Perspektiven für die Nach-Corona-Zeit öffnen:

Das Stadtensemble – es versteht sich als Einladung an alle Künstler*innen, aber auch künstlerischen Bildungseinrichtungen dieser Stadt

Ein Stadtensemble für die Demokratie
Mit „24 Stunden Münster“, dem theaterübergreifenden Stadtprojekt, initiiert von Carola v. Seckendorff und Cornelia Kupferschmid (Theaterlabel FreiFrau), welches im Herbst 2018 mit Furor durch viele Theater Münsters gezogen ist, wurde das Stadtensemble geboren – ein fluides Gebilde Münsteraner Kulturschaffender jeder Couleur.
Das Stadtensemble verzichtet auf eine klare institutionelle Zugehörigkeit und überwindet in der künstlerischen Zusammenarbeit die Grenzen von Institutionen und Systemen. Es versteht sich als Einladung an alle Künstler*innen, aber auch künstlerischen Bildungseinrichtungen dieser Stadt, sich immer wieder in neuen (größeren und kleineren) Projekten und Formationen zusammenzuschließen und selbstbestimmt, selbstermächtigt und selbstverantwortlich zusammen zu arbeiten und fruchtbare Synergien zu erproben und zu pflegen.
So entstand als kleineres Projekt im Frühjahr letzten Jahres anlässlich von POETRY2019 die lyrische Stadtintervention „ich hörte sagen - ein poetischer Antiterroranschlag“, bei dem das Stadtensemble mit Versen „bewaffnet“ Passant*innen der Innenstadt verzauberte. Zum Welttag der Poesie am 21.3.2020 machte Corona leider den Plan zunichte, den Frühling in der Stadt mit Hilfe einer poetischen „Stadtbestäubung“ auf ähnliche Weise einzuläuten. Kurzerhand wurde die Aktion zu einer digitalen Netzbestäubung, welche sich noch nachträglich auf der Facebookseite „Stadtbestäubung“ erleben lässt.

Festival der Demokratie vom 31.10. bis 9.11. im Pumpenhaus

Als Großprojekt des Stadtensembles sind aktuell die Vorbereitungen zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk in vollem (momentan nur digitalem) Gange: dem „Festival der Demokratie“, welches im Pumpenhaus vom 31.10. - 9.11. gefeiert werden soll. Hier werden Kunst, Theater, Bildung und Wissenschaft zu einer multidimensionalen Installation verschmolzen, die zugleich Versuchslabor, Erfahrungsraum und offene Denkwerkstatt ist. Ein Projekt, das nicht nur zum Zuschauen einlädt, sondern auch auffordert, sich einzumischen, eigene Antworten zu finden und den Dissens zu wagen. Mit Aufführungen, Performances, Workshops, Mitmachaktionen und praktischen Übungen wird das Thema künstlerisch erörtert, überprüft, reflektiert und hinterfragt. Ein demokratischer Brutkasten entsteht.
In diesen Zeiten einer noch nie da gewesenen Krise, in der die Künste an Bedeutung – da vermeintlich nicht systemrelevant – zu verlieren scheinen, will das Stadtensemble auf neuen Wegen Perspektiven schaffen. Eine mehrjährige Förderung des Kultursekretariats NRW ermöglicht in Zusammenarbeit mit dem Theater Münster und dem Kulturamt Münster eine tragfähige Infrastruktur, die eine Basis schafft, weiterhin an diesem schillernden Netzwerk zu spinnen.

Infos zum Festival der Demokratie des Stadtensembles: festival-der-demokratie.org

„Bandförderung“ für Rock- und Popmusiker*innen
Die Initiative muensterbandnetz.de hat zusammen mit dem Kulturamt Münster ein Musikförderprogramm entwickelt. Der Fokus des Förderprogramms liegt auf den Entwicklungsperspektiven der jungen kreativen Musikszene und soll Musiker*innen auf dem Weg zur Professionalisierung finanziell unterstützen. Auch Formate, die die derzeitige Situation berücksichtigen sind hierbei denkbar. Das in der Münsteraner Musikszene vorhandene Potenzial soll so sichtbar gemacht und die Perspektiven für Musikschaffende im Rock- und Popbereich verbessert werden.
Solist*innen und Bands mit Sitz in Münster können sich für zwei Förderbereiche bewerben: Für Musiker*innen am Anfang ihrer Karriere steht die „First steps“-Förderung (Zuschuss von 500 €) bereit, für bereits Fortgeschrittene das „Next steps“-Programm (Zuschuss von 1500 €).
Junge Musiker*innen am Anfang ihrer Karriere oder auch vor dem Schritt in die Professionalität verfügen meist nicht über viel Geld. Um aber bekannter zu werden und eine erste Grundlage schaffen zu können, brauchen Bands und Solist*innen Tonaufnahmen und Musikvideos, um Veranstalter*innen oder Labels für sich gewinnen zu können. Hier setzt die Musikförderung der Stadt Münster an und will Musiker*innen finanziell auf ihrem Weg unterstützen. Die Förderung erfolgt durch einen finanziellen Zuschuss zu den Gesamtkosten eines musikalischen Projektes, welches einen kreativen Output nicht nur in Form von Auftritten, Videoproduktionen, Studioaufnahmen, sondern auch z.B. im kontaktarmen Mix/Mastering hat.
Die Bewerbung erfolgt über ein Onlineformular auf der Seite des Kulturamtes und kann noch bis zum 30. April eingereicht werden. Eine Jury aus Vertreter*innen der lokalen Musikszene entscheidet über die Vergabe von fünf „First-Steps“- und zwei „Next-Steps“-Förderungen. Eine Fortsetzung der Förderungen in den kommenden Jahren ist denkbar.

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ANDERZEIT


ANDERZEIT

AN DER ZEIT

DERZEIT

LANGSAM

MEHR ZEIT

ZU HABEN


NIMM DIR

DIESE ZEIT

LASS DIR

ZEIT

...

KOSTE

DIE ZEIT

AUS

SOLANGE NOCH

ZEIT IST

DEINE ZEIT IST

JETZT

IST

DEINE ZEIT


ZEITIGE

DEN AUGENBLICK

RECHTZEITIG

ZEITGLEICH

MIT ALLEN

ANDEREN


SCHLIESSLICH

HABEN WIR

DAS ZEITLICHE

NOCH NICHT

GESEGNET!


DIE ZEIT LÄUFT

LOS!

Susanne Rafael

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LexMe – Die einfache Lösung für Dein Rechtsproblem

LexMe – Die einfache Lösung für Dein Rechtsproblem

Warum LexMe?
Menschen wissen häufig nicht, wie sie die Lösung eines Rechtsproblems angehen sollen. Sie scheuen aus Angst vor den Kosten den Gang zu einem Anwalt. Sie haben Schwierigkeiten im Verständnis von Behördenschreiben, Angst vor Risiken eines Rechtsstreits und das generelle Ohnmachtsgefühl bei dem Gedanken, sich mit großen Unternehmen anzulegen. Diese Hürden halten viele Menschen davon ab, sich mit ihrem Rechtsproblem weiter auseinander zu setzen und ihr Recht geltend zu machen.
Nils Bremann möchte genau diese Hürden und die Angst der Menschen bei der Konfrontation mit einem Rechtsproblem beseitigen. Er möchte allen Menschen, egal ob arm oder reich, ermöglichen, sich über ihre Rechte kostenlos zu informieren und ihr Rechtsproblem anschließend ohne Kostenrisiko zu lösen. Und das in einer Art und Weise, die leicht und verständlich ist und keine juristischen Floskeln beinhaltet.

Was genau ist LexMe?
LexMe ist eine Online-Plattform (lexme.de), auf der alle Menschen, insbesondere Verbraucher und Studenten, kostenlose und einfach verständliche Antworten bekommen. Habe ich Anspruch auf BAföG? Darf mein Vermieter meinen Mietvertrag kündigen? Mein Flug wurde storniert – bekomme ich eine Entschädigung?
Außerdem können die Nutzer Musterschreiben, -klagen und -kündigungen für verschiedenste Rechtsprobleme downloaden.
Aufgrund ihrer Aktualität werden insbesondere die besonderen Rechte von Verbrauchern und Studenten in der Corona Krise auf LexMe dargestellt. Muss ich Gutscheine von meinem Reiseveranstalter annehmen? Muss ich die Beiträge für mein Fitnessstudio weiterzahlen?
Zu jedem Themengebiet bietet LexMe neben Informationen und Musterformularen auch die Möglichkeit an, die Rechtsprobleme der Menschen mit günstigen Legal Tech Online Services und Anwälten unmittelbar online zu lösen. Bei den Online Services können die Menschen ihre Rechtsansprüche zu einem Pauschalpreis und oftmals sogar nur gegen eine Vergütung im Erfolgsfall durchsetzen. Ist das Rechtsproblem einmal komplexer, verbindet LexMe alternativ mit Anwälten, bei denen die Menschen ein kostenloses Beratungsgespräch führen können.

Nils Bremann

Der Gründer und Geschäftsführer Nils Bremann ist 36 Jahre alt, studierte Jura in Münster und arbeitete nach Absolvierung seines zweite Staatsexamens zunächst in unterschiedlichen Kanzleien. Bis er vor drei Jahren die Idee für LexMe entwickelte und sich dazu entschied, eine Plattform für Verbraucher-Rechtsfragen aufzubauen. Bremann arbeitet aktuell Teilzeit als Justiziar in einem Digitalunternehmen und widmet den Rest seiner Zeit der Selbstständigkeit. Neben der Online-Plattform zur Lösung von Verbraucher-Rechtsproblemen LexMe sind bereits weitere soziale Projekte im juristischen Bereich in der Pipeline. Denn an Ideen mangelt es Bremann nicht.

Autor:

Archivtexte Corona Corner

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