DALINDEO/ MARCUS KLOSSEK ELECTRIC TRIO/ TOYTOY/ MARIZA/

Noch 4 Ausgaben in diesem Jahr. Das wird nicht nur knapp, da bringe ich nicht alle unter, die sich in den letzten Wochen noch auf den Markt drängen.

Dalindeo – Die finnische Variante

„Follow the dark Money“ ist nicht nur ein guter Titel, sondern auch ein angemessenes Motto für Finanzämter, Staatsanwaltschaft und BAFin. Raffiniert, komplex und verschlungen, wie die Wege des Geldes der grossen Steuervermeider manövrieren sich DALINDEO durch die 8 Titel des Albums. Zeitgemässer Jazz aus Finnland des Sextetts um Valtteri Laurell Pöyhönen. Mit Git., Bass, Drums, 2 Bläsern und einem Elektroniker/Perkussionisten legen sie unter Bläser-Themen, die ein wenig an 60ies Blue Note erinnern, Rhythmen und Arrangements, aus denen m/f ebenfalls eine gute Kenntnis des Rock und Jazz Repertoires der letzten 50 Jahre lesen kann. Und Name dropping gibt’s auch: Jimi Tenor spielt auf Track 3 (Merchants of Misery - treffender Titel, nebenbei..) einen ausgedehnten Solo-Part. Eine spannende Wanderung zwischen lyrisch und wild, idealer Soundtrack für den ‚Glühwein-Walk‘!

Marcus Klossek – 3 sind genug für Erlebnis

Diverser Stile und Rhythmen bedient sich auch das MARCUS KLOSSEK ELECTRIC TRIO. Git. (Telecaster!), Bass, Drums, mehr braucht es nicht um ausgefuchste Konstruktionen und vielfarbige Bilder vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen. Beinahe blindes Verständnis und handwerkliche Virtuosität verbinden auf „Time was now“ gekonnt durchkomponierte Songs mit Improvisation, Emotion und Fantasie.

Eine überaus bunte Mischung aus trainiertem Handwerk, musikalischer Offenheit und Freude an der Überraschung bieten TOYTOY auf ihrem „Playdate“. Elektrisches Trio plus Perkussion und Gäste an Piano, Violine, Viola und Cello. Und Stimmen! Trickreiche Beats zwischen HipHop, Trap, Fusion und Zappa vereint dieses Ensemble zu einer inspirierenden Mischung aus klassischem Songwriting, gesprochenem Wort auf ungewohntem Untergrund und Instrumentals, die aus der Blütezeit von Rock meets Jazz und umgekehrt stammen könnten. Nichts klingt gekünstelt oder aufgesetzt, so klingt es in den Köpfen dieser Sound-Freunde, so verarbeiten sie in 15 Tracks die multiplen Klänge ihrer Grossstadt-Umgebung.

Mariza – Drama, Pathos, grosse Emotionen

Für mich auf jeden Fall, für Freunde des Fado sicher auch ein grosser Moment. MARIZA, die mit ihren eigenständigen Interpretationen dieser spezifisch portugiesischen Klänge in den vergangenen 20 Jahren Menschen rund um die Welt begeistert (verzaubert?) hat, zollt der wichtigsten Stimme dieses Genres Tribut. „Mariza canta Amalia“ enthält 10 Titel aus dem Fundus von Amalia Rodrigues, in neue Gewänder gehüllt. Natürlich mit der Standard-Besetzung, portugiesische Gitarre, Konzertgitarre, Akkordeon und Piano nach Bedarf, dazu aber grosses Orchester, arrangiert von Jaques Morelenbaum. Pathos, Drama, grosse Emotionen, dargeboten von einer Sängerin, die im Lauf ihrer Karriere kompetent, selbstbewusst und eigenständig den Fado ins neue Jahrtausend überführte und mit dieser Reminiszenz gleichzeitig den 100. Geburtstag der ‚Königin des Fado‘ feiert.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2020