ENIK/ CARMEN SOUZA/ VOLKER HEUKEN SEXTETT/ COLOGNE CONTEMPORARY JAZZ ORCHESTRA/ TRIBE

Spätestens ab jetzt heisst es Vorsicht in der Stadt. Überall Elche mit roten Strickmützen. Aber freuen wir uns, im Oberzentrum Münster gibt es ja noch Einzelhandel. In den umliegenden Städten und Gemeinden verschwindet der in raschem Tempo. Bin gespannt, ob und wann dieses Phänomen in der Politik ankommt, oder ob m/f sich in Zukunft nur noch in die Ortszentren begibt, um draussen Kaffee zu trinken

Mit ganz anderen Zuständen und Welten setzt sich ENIK auf seinem neuen Werk auseinander. Auf „The deepest Sound of now“ setzt er sich, überwiegend im Alleingang an Instrumenten und Maschinen, mit den Rändern / Randfiguren unserer Gesellschaft auseinander. Als düstere Ballade, mit verfremdeter eigener Stimme oder der gefundener Kollaborateure, mit Techno-Elektronik, Downbeats oder als beinahe Hitverdächtiger Popsong. Dieses breite musikalische Spektrum ist die Folge jahrelanger Zusammenarbeit, mit Theater-Machern, Jazzern und Freunden des Experimentellen. Diese Platte hört m/f nicht nebenbei, die erfordert Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, auch mal einige ‚schräge‘ Klänge auszuhalten. Dafür bleibt sie lange spannend.

Gelungene Hommage

Auch diese ist nicht unbedingt für den Konsum nebenbei geeignet. CARMEN SOUZA widmet ihr aktuelles Album einem Landsmann. Als Sängerin im Quartett, auf einzelnen Titeln von Gästen unterstützt, intoniert sie neben 2 mit ihrem Partner komponierten und getexteten Titeln 9 Werke aus dem Schaffen von Horace Silver. Klingt nur spezifisch nach den Inseln, wenn m/f aufmerksam zuhört. Die typischen Rhythmen finden sich stark abstrahiert im Untergrund, dazu afrikanische Tempi und auch ein wenig Brasil. Mit ihrer extrem wandlungsfähigen Stimme, ihren gelegentlich katzenartigen Gesangslinien und der flexiblen und hervorragend eingespielten Combo gelingt ihr eine sehr respektable Hommage an einen der grossen Jazzer.

Dies ist eine der Wochen, in denen sich Neuheiten auf dem Jazz Sektor häufen. Das VOLKER HEUKEN SEXTETT, mit Bass, Drums, Piano plus Vibraphon, Alt-Sax und Posaune überrascht mit einer sehr eigenen Herangehensweise. Klingt nicht, wie komplett Komponiert, aber auch nicht nach frei. Fliegende Rhythmuswechsel, eingestreute Soli der vorhandenen Instrumente und zwischen den langen Tracks kurze Improvisationen, vorbesprochen oder auch nicht, erfordert „Siblings“ auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit als das Format-Radio.

Moderner Big Band Sound

Auf dem gleichen Label (Float Music) erschien in diesen Tagen der Live Mitschnitt des COLOGNE CONTEMPORARY JAZZ ORCHESTRA „Expat Echoes“. Die 17 Mann starke Truppe spielt ausschliesslich Stücke des Leaders Marko Lackner, in denen er sich musikalisch mit seiner österreichischen Heimat auseinandersetzt. In tadelloser Aufnahme-Qualität gibt’s hier Moderne Big Band Musik mit exakten, durchaus auch ungewöhnlichen Bläser-Sätzen, extrovertierte Solisten und gekonnte Rhythmuswechsel von einem Ensemble, das in dieser Grösse sicher nicht viele Auftritts-Möglichkeiten angeboten bekommt.

Jazz-/Kultur-/Bildungs-Kollektiv

Und noch eine für echte Jazz Kenner. Von TRIBE, Detroits berühmten unabhängigen Jazzkollektiv „Hometwon: Detroit Sessions 1990-2014“ ist die erste Kompilation, die die Aufnahmen dieses Projekts aus jüngerer Zeit zusammenfasst. Moderner Jazz, der ganz bewusst auf seine Wurzeln hinweist. Solide, einfallsreiche Rhythmus-Arbeit, auffällige Instrumentalisten, Gründer Wendell Harrison und Phil Ranelin befeuern sich gegenseitig und zeigen damit die musikalische Seite dieses Projekts, das neben Klang auch die Künste und Bildung zu fördern versucht(e). Genaues bitte googeln. Erstaunlich, dass auch bei dieser Gruppierung Marcus Garvey hohes Ansehen geniesst, bisher dachte ich, das wäre vornehmlich auf Jamaika der Fall.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2019