BEATLES/ PINK FLOYD/ BON IVER/ SLOW SHOW/ ALEFA MADAGASCAR/ JUAN CARLOS GOMEZ/ JERE HAAKANA/ BACK PORCH REPUBLIC

Den Sommer habe ich in der letzten Woche abgesungen, jetzt geht’s in den Herbst. Bei den grossen Plattenfirmen mit den BEATLES (Ende September) und PINK FLOYD (im Oktober). Bei den kleineren Companies mit BON IVER und SLOW SHOW, doch ganz gleich wie gut deren Alben auch sein mögen, den Nimbus der vorgenannten werden sie nie erreichen können.

Oder mit Spielkindern, wie METRONOMY. Der hat für sein aktuelles Werk „Metronomy forever“ 17 Tracks zusammengeschraubt. Die Songs erinnern in ihrer einfachen Struktur an die frühesten Versuche von Police oder Cure, einschliesslich einer fast 1:1 Kopie von ‚Funkytown‘, bei dem er vermutlich hofft, dass seine vornehmlich jüngere Hörerschaft zu wenig Musik-Vergangenheit hat oder schlicht zu jung ist, in den instrumentalen Zwischenspielen lässt er seiner Vorliebe für Sounds von Kraftwerk bis Jarre freien Lauf.

Vergangenheit

Schon lange Vergangenheit und trotzdem faszinierend: „ALEFA MADAGASCAR!“, Kompilation mit 18 Tracks, die auf der roten Insel in den Jahren 1974 bis 84 Furore machten. Von psychedelischen Klängen mit Fuzz Gitarre und dünn klingender Orgel, die ich gern ‚Philicorda‘ nenne, zu diversen Rhythmen und Sounds des Kontinents gegenüber, Soukous, kongolesische Rumba und weitere Varianten. Immer wieder erstaunlich, der Optimismus und die Lebensfreude, die solche Musik ausstrahlt, zwar mit einfachsten technischen Mitteln erzeugt, aber mit 100 prozentigem Körpereinsatz, beidhändigen Akkorden auf der Philicorda und quirligen Fingern auf den Saiten dargeboten und von komplexer, handgetriebener Rhythmik getragen.

Wenn es kein anderer macht, dann schreib ich die neue Sinfonie für Gitarre und Orchester eben selbst, wird sich JUAN CARLOS GOMEZ gesagt haben und spielte das Ganze mit dem Bratislava Sinfonie Orchester gleich ein. Seine „Pasaje Andaluz“ besteht aus 3 Sätzen, ‚Algeciras‘ im gemässigten Tempo, ‚Morella‘ mehr introvertiert und ‚Mar del Sur‘ mit ein wenig Drama für das Finale. Ausgewogen in Szene gesetzt zwischen Orchester mit Gitarren Unterstützung und solistischen Ausflügen des Komponisten. Und die spanische Abstammung schimmert allenthalben durch.

Vierblätteriges Kleeblatt

Neuerdings selten, wie ein vierblätteriges Kleeblatt: Ein Rockjazz Album eines Gitarristen. JERE HAAKANA traut sich das. Sein „Varjosto“ enthält ein kurzes und 6 lange Instrumentals, auf denen er sowohl seinen Fingern, als auch seinen ‚Klangveränderern‘ (Tretminen) einiges abverlangt. Kein Prog-Rock, eher kommen Erinnerungen auf an Weather Report oder den Mahavishnu, dazu verhaltene Improvisationen über ein rhythmisches Thema, bei dem auch die Band aus Keyboard, Bass und Drums erkennbar und gut harmonierend zu Wort kommt.

Nordlichter go Blues

Auch Nordlichter bringen von einer Reise etwas mit. Busk, Eriksen und Sjostrom waren als BACK PORCH REPUBLIC in Nordamerika unterwegs. Mitgebracht haben sie ein paar feine Bluestracks, die sie mit etwas mehr rockenden Eigengewächsen umrahmen. Vom mehrstimmig dargebotenen Opener aus dem Schatz der Nevilles über eindeutige Ansagen von R.L. Burnside zu einer sehr inspirierten Version ‚von St. James Infirmary‘ schaffen sie eine feine Balance zwischen übernommenem Blues Feeling und den eigenen, mehr rockenden Vorstellungen. Zum Finale von „Hustle & Flow“ ein kurzer, sentimental triefender Country Ausflug mit Steel Guitar und allem. Allerdings sollten sie diese ‚Back Porch Music‘ wirklich nur dort üben, wo der nächste Nachbar mindestens eine Meile entfernt wohnt..

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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