RODRIGO LEAO/ NIAMH REGAN/ TANGO TRANSIT/ DANIEL GARCIA TRIO/ MATS UP feat. MBUSO KHOZA/ KRISTIAN NORD/

Rodrigo Leao – Melancholie und Harmonie

Mit „A Estranha Beleza da Vida“ komplettiert RODRIGO LEAO seine ‚A Libertade‘-Trilogie. Begonnen mit „O Metodo“ Anfang 2020, gefolgt von „Avis 2020“, die nur digital erschien, zeigt ihn das aktuelle Album als einen vielseitigen Komponisten, der Texturen von solo über kleines Ensemble (s.a. Madredeus) bis zum grossen Orchester mit Leben und Spannung füllen kann. In unterschiedlichsten Besetzungen wandert „A Estranha..“ zwischen sanften Songs mit passend ausgewählten Gast-SängerInnen (u.a. Michelle Gurevich, Kurt Wagner), ambienten Klängen aus Elektronika und Streichern zu grossen Besetzungen mit beinahe orchestraler Wucht. Alles mit unterschwelliger Melancholie und Harmonien, die sofort betören und beruhigen. Für davon richtig angefixte gibt es alle 3 Zusammen in einer Box.

Feinfühlig und zurückhaltend geht es weiter mit NIAMH REGAN . Ihr „Hemet“ ist für ein Folk Album ungewöhnlich instrumentiert. Piano, Giatrre, Akkordeon? Ok, aber Trompete, Posaune, Cello eher selten. Sie singt ja auch keine Traditionals, sondern katapultiert sich gleich mit dem 1. Album in die vorderen Reihen der Songwriter-Innen-Liga. Persönliche Statements, die der und die HörerIn mit eigenen Erfahrungen abgleichen kann. Ohne Kitsch, ohne Pathos, mit klarer Stimme ohne jedes Vibrato vorgetragen, landen diese 11 Songs ohne Umweg direkt im Emotions-Zentrum.

Tango Transit – Volkslieder ganz anders!

Das ist mal eine frische Herangehensweise. Das Trio TANGO TRANSIT wagt auf seinem „German Songbook“ sehr eigene Interpretationen deutscher Volkslieder. Ja, mit Akkordeon, aber auch mit Kontrabass und Schlagwerk. Und verjazzt heisst in diesem Fall nicht, ‚Bruder Jakob‘ mit einem lässigen Swing zu unterlegen, oder nach dem Motto ‚is zwar Jazz, tut aber nicht weh‘. Sie zerlegen die Harmonien mit System, fügen neu zusammen und improvisieren, dass ich Themen nur erkenne, wenn ich die Titel lese. Schönklang kommt auch mal vor, aber Druck, Spielfreude und trotz allem, Respekt vor den Originalen beherrschen die 13 Titel. Volksmusik ganz und gar ohne Tracht.

Daniel Garcia Trio – Schönheit der Woche

Meine Schönheit der Woche: Das 2. Album des DANIEL GARCIA TRIO „Via de la Plata“. Piano, Bass, Drums, das ‚klassische‘ Format, dazu auf einigen Tracks Gerardo Nunez, Gitarre, Anat Cohen, Klarinette oder Ibrahim Maalouf, Trompete. Spanische Klänge und Harmonien in Verbindung mit Jazz sind nicht neu, in diesem Fall jedoch äusserst gelungen ineinander verwoben, sich ergänzend. Ausgeprägtes handwerkliches Können verbunden mit hoher Musikalität und gegenseitiger Inspiration. Von lyrisch bis improvisiert, von zarter Schönheit bis lebendig und wild, die ausgewählten Gäste sorgen für zusätzliche Klangfarbe.

Südafrikanischer Sänger und Schweizer Jazzer bilden MATS UP feat. MBUSO KHOZA . Rhythmusgruppe, Piano und 2 Bläser, dazu die sprechende, singende, improvisierende Stimme von Mbuso. Die zum Teil adaptierten Songs und eigene Kompositionen legen eine breite Strasse für die vokalen und instrumentalen Ausflüge der Beteiligten. Die Mischung auf „Ivovo“ ist so eigenständig, dass sich die Frage Jazz aus Afrika oder afrikanischer Jazz gar nicht stellt. Musik verbindet!

Zum Finale eine Mixtur aus ambienten Klängen mit Hang zu Neo-Klassischer Disziplin. KRISTIAN NORD widmet sein „The Rest is a Gift“ dem zu früh verstorbenen Vater, der in dem Alter starb, das er jetzt erreicht hat und setzt sich musikalisch mit seinen Traumata auseinander. Elektro-Orchestrale Werke, ruhig fliessend, mit Klavier-Akkorden durchsetzt, von nur wenigen rhythmischen Akzenten gezeichnet, die eine wohlklingende, trotzdem optimistische Stimmung ausstrahlen.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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