JOHN SOUTHWORTH/ LUCILLA CALEAZZI, DIDIER LALOY, LALMA, CARLO RIZZO, MAARTEN DECOMBEL/ FLEVANS/ SHAYNA STEELE/ SHANA CLEVELAND/ RENAUD GARCIA-FONS & CLAIRE ANTONINI

Entschleunigung!

Auch mit seinem neuen Album „Miracle in the Night“ wird ihm kein grosser kommerzieller Erfolg beschieden sein. Dazu sind seine Songs, wie schon auf den beiden Vorgängern, zu komplex und zu sehr erst auf den zweiten oder weiteren Blick eingängig genug. Auf jeden Fall zu zurückhaltend für das innerhalb von 30 Sekunden Erfassen. Seine ‚Stammband‘ begleitet JOHN SOUTHWORTH angemessen und dezent, auf ‚Miracle..‘ erinnern mich seine Songs fast an klassische Lieder. Ohne jede Hast oder Aufgeregtheit schwebt er mit sanfter Stimme durch die ebenso entspannten Arrangements. Wunderbare Abendmusik für alle, die sich darauf einlassen können.

Bei „Alegria e Liberta“ verbrauche ich fast den gesamten Platz für die Aufzählung der 5 Beteiligten. LUCILLA CALEAZZI, DIDIER LALOY, LALMA, CARLO RIZZO, MAARTEN DECOMBEL. Diese sind mit ihrem Repertoire vorwiegend in Italien und Nordspanien unterwegs, und bedienen sich aus der Volkslieder-Tradition, schreiben aber auch eigene Songs in dazu passendem Stil. Komplett akustisch instrumentiert und mit wechselnden Stimmen feiern sie Freude und Freiheit.

Soul und Funk Insidern ist der Name vermutlich geläufig, ich höre zum ersten Mal Musik von ihm. FLEVANS, Multi-Instrumentalist und Produzent legt sein 5. Album vor. Mit hervorragenden GastsängerInnen (Elliott Cole, Laura Vane, Sarah Scott, Izo FitzRoy) gestaltet er die Reise durch die 11 Tracks ausgesprochen kurzweilig. R‘n’B und Funk mit Spuren der 80er und 90er, jedoch ohne den ständigen Blick zurück, sondern ganz zeitgemäss produziert. Eine schöne Ballade zwischendurch lockert die knackigen Grooves etwas auf, dabei kommen mir Rufus (die mit Chaka Khan) in den Sinn.

Eine sehr vielseitige Soulplatte hat SHAYNA STEELE, bislang als Stimme aufgefallen bei Snarky Puppy oder Moby, mit „Watch me fly“ fertig gestellt. Gospel geschult und Deep Soul getränkt, bewegt sie sich immer auf dem richtigen Ton, ob mit jazzigem Background, eleganter Begleitung á la Anita Baker oder in Blues triefenden Balladen. Überzeugend.

Psychedelische Westküsten-Träume

Bislang war sie die Frontfrau bei La Luz, jetzt hat legt sie ein Album mit ihren sehr eigenen Ideen vor. Ruhig und langsam, wie ein breiter Fluss oder weiland Mazzy Star, treiben ihre folkigen Songs mit mehr oder weniger psychedelischen Texten dahin. Mit klarer Stimme singt SHANA CLEVELAND über akustisch dominiertem Background über Träume, Visionen und alternative Realitäten ohne dabei den Boden unter den Füssen zu verlieren. „Night of the Worm Moon“ ist wie die erste auf dieser Seite, auch ein Kandidat für das 2. oder 3. Hören. Danach ist m/f ‚drin‘.

Klingende Kunst

Ein sicherer Kandidat für ganz besondere Musik ist RENAUD GARCIA-FONS. Für „Farangi-du Baroque a L’Orient“ steht ihm Duett-Partnerin CLAIRE ANTONINI zur Seite. Mit unterschiedlichen Lauten, von barocken Modellen bis zur Theorbe und seinem Kontrabass entstehen hier wohlklingende Miniaturen, die sich aus europäischer Alter Musik, Folklore des Kontinents und Melodien und Rhythmen aus dem arabischen Raum zusammensetzen. Der Klang ihrer unterschiedlich voluminösen Lauten und die Melodien, die er mit dem Bass findet, gezupft, gestrichen oder als Perkussions-Instrument eingesetzt, geben dieser Reise durch Jahrhunderte, Kontinente und Genres einen ganz besonderen Reiz. Das ist weder Jazz noch World Music noch Klassik, sondern schlicht klingende Kunst.

Autor: Günter

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