ME AND MY FRIENDS/ MICHAEL MAYO/ CHARNETT MOFFETT/ ABAJI/ THE GRID/FRIPP

Kein Grund optimistisch nach vorn zu blicken, denn egal was unser Karnevals-Prinz oder seine Politik-KollegInnen jetzt vollmündig ankündigen (und hoffentlich auch anfangen umzusetzen), hinter den derzeitigen Status Quo geht die Klimaveränderung nicht mehr zurück.

Me and my Friends – Aus alt mach richtig neu!

Deshalb gleich zu Beginn was richtig Feines. ME AND MY FRIENDS nennen sich die fünf und haben zum 10 jährigen Band-Jubiläum (leider nur..) 4 ihrer Lieblings-Titel komplett neu arrangiert und eingespielt. Das ergibt knappe 17 Minuten, die dafür umso eigenwilliger klingen. Track 1 orientiert sich an der Musik der Kap Verden, Nummer 2 ist ein fragmentierter Afro Beat mit dezenter High Life Gitarre, die beiden letzten spiegeln eine Vorliebe für Soul aus den 60ies (Otis..). Auf „Reworks“ ist alles handgespielt, auf Cello, Klarinette, Bass, Drums und Gitarre, mit zeitweise perfektem Gesang in 2 Stimmen. Trotz melancholischer Grundstimmung herzerwärmend schön.

Jetzt mal ein Jazz-Sänger, der nicht versucht entweder Frank S. zu sein oder Gregory P. Eher erinnert er mich an die erste Platte von Al Jarreau mit den bewusst etwas holprigen Rhythmen, dem Stimm-Einsatz mit Effekten, hier bei MICHAEL MAYO mit elektronischer Unterstützung, und dem gezielten Zuschnitt der Band-Arrangements auf die vielfältigen Ideen des Sängers. Ungewöhnlich wäre, wenn auf „Bones“ nicht auch eine Variante Soul durchschiene, aber eben in einer nicht auf eine oberflächlich auf leichten Konsum gerichteten Art und Weise. Jazz Gesang geht auch sehr gut ohne Schlips und Kragen.

Charnett Moffett – Lässt den Bass singen

Zu einer ganz anderen Stimme. CHARNETT MOFFETT singt nicht mit der Stimme, sondern mit seinem elektrischen Bass. Auf seiner aktuellen Platte „New Love“ gibt’s nicht nur für Bass-Fans fretless (also ohne Bundstäbchen) vom Allerfeinsten. Nicht ganz allein, im Trio oder Quartett frönt er seinem Faible für den speziellen Klang seines 4 Saiters. Uptempo mit Flitzefingern, Balladen mit gekonnt ‚verbogenen‘ Tönen oder im Hintergrund, wenn seine neue Liebe, Jana Herzen, mit der Gitarre dominiert, den Faden zur wohlklingenden Tonfolge verliert er selbst mit Wah-Wah Pedal oder Frickel-Riff nicht.

Der Titel legt es nahe. „Blue Shaman“ ist sicher die kürzest mögliche Beschreibung der Musik auf ABAJI’s neuer Platte. Blue für Blues, allerdings sehr anders als erwartet. Auf seiner akustischen Gitarre mit 2 Hälsen bewegt er sich mit spanischen bis orientalischen Einflüssen und Klängen melodisch in einem ganz anderen Idiom, aber die Stimmung ist eindeutig. Selbst wenn er arabische Föten oder schottische Akkordeon bzw. Dudelsack Spezialisten in seine Kompositionen einbindet. Sein Faible sind auch nicht ellenlange Soli, sondern die wohlgesetzten Akkorde und der Klang seines viel-saitigen Instruments.

he Grid/Fripp – Eher Stockhausen als Cafe del Mar

Und jetzt wir gechillt. „Leviathan“ ist das neue Werk des Elektronik-Duos THE GRID (Dave Ball & Richard Norris) mit Gastarbeiter ROBERT FRIPP. Soundlandschaften ohne rhythmische Betonungen, in denen das Duo seine programmierten Klangwelten von Herrn Fripp’s ‚Frippertronics‘ veredeln lässt. Gross, aber Warnung, klingt eher nach Stockhausen als nach Cafe del Mar!

Und noch einer zum Merken: Fahrradfahren auf der Strasse ist jetzt vielerorts erlaubt, aber nicht Pflicht!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2021