ALEXANDRA LEHMLER/ SUSANNA AND ENSEMBLE NEON/ MESSER/ SAADA BONAIRE/ ENSEMBLE DU VERRE

Jawohl, Jazz, Baby!

Auf geht’s zur wöchentlichen Dosis frischer Musik. Von brandneu bis endlich gehört. Das aktuelle, bereits 4. Album der Saxofonistin ALEXANDRA LEHMLER ist da. „Jazz, Baby“ ist sowohl Titel, als auch Programm.

Ausschließlich Eigenkompositionen der Mannheimerin und ihres Quartetts. Ungerade Takte, eigenwillig angelegte Harmonien und viel Platz für Improvisation, nicht nur für das Lead-Instrument. Sehr komplex und trotzdem auch für nicht Theoretiker leicht hörbar, denn zwischendurch legen die 5 auch mal eine schöne Ballade oder einen fetten Groove vor.

Kurz und gut.

Ein richtiges Kunst-Stück präsentieren uns SUSANNA AND ENSEMBLE NEON. Die Norwegerin ist ungemein fleißig, 8 Alben in 10 Jahren unter diversen SUSANNA… Varianten. Für „The Forester“ arbeitete sie mit dem 8 köpfigen Kammer-Ensemble aus Streichern und Holz-Bläsern zusammen. Symphonische Strukturen tragen ihre markante Stimme durch sehr ruhige, beinahe meditative Titel. Leider nicht sehr lang (33 Min.), dafür aber aufgenommen von JAN ERIK KONGSHAUG, den die ECM Freunde unter uns sicher gut im Gedächtnis haben.

Einmal mehr Local Lads: MESSER liefern mit „Die Unsichtbaren“ ein äußerst gelungenes Post Punk Album ab. Sehr schroffe, kantige Gitarrenriffs, treibende Rhythmen und dabei Texte, die deutlich oberhalb des Durchschnitts (aller!) deutschsprachiger Bands und Weiner liegen. Da tauchen bei mir ganz entfernte Erinnerungen an JOY DIVISION live auf. Nix 2 Akkorde und ab, sondern echt gut!

…I hear a big Voice!

Ein weit mehr als witziger Findling aus den Archiven der Zeit ist SAADA BONAIRE. Kunstname für das 1982er Disco Projekt des Bremer DJ RALF BEHRENDT. Der einzige Track, der jemals veröffentlich wurde, „You could be more.., als Single) wurde im KRAFTWERK Studio von DENNIS BOVELL produziert, hat auch heute noch seine Qualitäten. 2 Sängerinnen plus eine Hand voll lokaler Musiker, Drum Computer und Synthies, knackige Beats und den 80ern entsprechende sparsame Harmonien erzeugen nach wie vor eine gewisse Spannung und natürlich ordentliches Hintern Wackeln.

Hätte ich wissen können. Vom COMPOST Label kam noch nie eine gewöhnliche CD. Das ENSEMBLE DU VERRE macht da keine Ausnahme. „The Light gets in“ ist eine musikalische Reise durch diverse Stil- und Spielarten. Von ALICE COLTRANE und PHAROAH SANDERS zu URSULA RUCKER und den tiefen Sounds von MASSIVE ATTACK. Geleitet, vielleicht sogar getragen von der äußerst wandlungsfähigen Stimme von SCHIRIN AL-MOUSA und der minimal und effektiv eingesetzten Elektronik des (eigentlich) Schlagzeugers SÖNKE DÜWER. Dazu mal ein kurzer Saxofon-Einsatz, gelegentlich ein Kontrabass, wechselnde Stimmungen und Tempi. Kein Track wie der andere und jeder für sich stimmig und gelungen. Das nächste Highlight dieses noch jungen Jahres!
na dann... Tschüß! i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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