MARC ROMBOY/ IRA MAY/ MAMANI KEITA/ ANNE CZICHOWSKY QUINTETT/ JOE LOUIS WALKER/ LAURENCE JONES/ FLACO & MAX

Die Musik zum Bild aus der letzten Woche: „Shades“ von MARC ROMBOY ist deutlich für Füße auf der Tanzfläche. Aber nicht nur. Sein 3er Set(!) startet auf CD 1 mit Detroit beeinflussten Minimalismen, auf der 2. wird es etwas trippiger, mehr Harmonien und schon etwas deutlichere Beats. CD 3 beginnt düster, um nach „Reciprocity“, dem eingängigsten Track dieses Werks gesungen von BAJKA, in geradlinige, technoid, hypnotisierende Beats und Sounds überzugehen. Zu den nicht gerade wenigen eigenen Tracks auf diesem Monster hat er noch von ihm gefertigte Remixe von z.B. GUS GUS oder TERENCE PARKER gepackt und zum Gelingen auf die Hilfe diverser Genre-Größen (u.a. GUY BORATTI, TYREE COOPER, ROBERT OWENS) zurückgegriffen. Voll Techno, aber voll gut!

Louis Walker – noch eine Gitarre

Weit weniger komplex geht es auf „The Spell“ von IRA MAY zur Sache. Aus Pop, Soul und gelegentlich ein paar trockenen Beats bastelt sie mit ihren Produzenten einen bunten Strauß eingängiger Songs. Hieße sie ANASTASIA wäre in Deutschland ein durchschlagender Erfolg sicher.

Flaco & Max – und noch eine Gitarre!

Die Bandbesetzung auf „Kanou“ lässt es bereits vermuten, mit Ngoni, Perkussion, Gesang und elektrischer Gitarre bleibt es hier nicht bei traditioneller Musik aus Mali. MAMANI KEITA bedient sich sehr wohl der Strukturen der heimischen Musik, auch ihr Gesangsvortrag löst sich nicht komplett von der Musik ihrer Vorfahren, doch der lange Aufenthalt in Frankreich bringt deutliche Spuren westlicher Popmusik ein. Im Grunde kurze oder längere Jams in nur einer Tonlage, die durch raffinierte Begleitung auf Handtrommeln und Saiteninstrumenten gekonnt Spannung aufbauen. Dazu auch mal Rhythmen aus anderen Regionen des Kontinents, die der Musik eine weitere Farbe geben. Ganz unaufgeregt und mit der Sicherheit einer Vollblut-Musikerin.

ANNE CZICHOWSKY zählt nicht zu den neuen Stimmen des Jazz, bei denen schon nach dem dritten Song der Cocktail schal wird. Sie und ihr Quintett besinnen sich auf das, was Jazz Gesang einmal war und auch in Zukunft sein wird. Auch wenn sich Form und Inhalt ständig ändern. Sie swingen, füllen alte BeBop Muster mit neuem Leben, bedienen sich moderner Grooves, zelebrieren herzzerreißende Balladen. Und ANNE scattet! Trotzdem schneiden sie nicht alles auf die hervorragende Sängerin zu, sondern geben den Instrumenten ihren gebührenden Platz. Feinster moderner Akustik-Jazz!
Zwei Gitarren auf einen Streich. Weder JOE LOUIS WALKER mit „Hornet’s Nest“ noch LAURENCE JONES auf „Temptation“ nehmen ein Blatt vor den Mund, wenn es um heftig rockende Blues-Harmonien geht. Während JOE sich immer noch nicht entschieden hat, ob er lieber JIMMY HENDRIX, LED ZEPPELIN oder LYNYRD SKYNYRD sein möchte, erinnert LAURENCE mehr an ZZ TOP ohne deren Computer-Beats. Wo m/f welche Töne und welche Sounds findet, beherrschen beide jedenfalls aus dem effeff und schaffen deshalb trotz des bekannten Strickmusters bemerkenswerte neue CDs.

FLACO & MAX (FLACO JIMENEZ, Akkordeon und MAX BACA, Tenor-Gitarre) plus Bass und Drums spielen Conjunto. Musik, gemixt aus Texas Hillbilly und mexikanischer Volksmusik. Von flottem Polka-Verwandtem zu langsamen Balladen. Wer RY COODER’s „ Chicken Skin Music“ noch im Ohr hat, weiß sofort, wie’s klingt. „Legends & Legacies“ zeigt zwei Urgesteine des Genres in handwerklicher Bestform kombiniert und ungebremster Spiellaune mit den in Jahrzehnten erprobten Hits der Gattung. So feiert m/f das Leben mit Musik!.
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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