MARK BERUBE/ KNUT VAERNES/ JEFFREY LEE PIERCE SESSION PROJECT/ SALT/ BIBI TANGA/ ELLIOTT SHARP’S TERRAPLANE

Ein Afrikaner in Paris

Während sich die 1LIVE Berufsjugendlichen darüber freuen, dass COLDPLAY ihr neues Material sogar selbst Live spielen können (tun unsere ESC-Teilnehmerinnen ELAIZA auch, m/f höre deren Direktschnitt-Schallplatte aus 2013), kommt hier jemand, der wohl noch auf niemandes Zettel ist: MARK BERUBE, Album „Russian Dolls“. 11 Exzellent komponierte, mit grossem Sachverstand und noch mehr Liebe zum Detail arrangierte Pop Songs. Zu den sehr harmonischen und keineswegs braven Klängen gesellt sich eine ausserordentliche Stimme und gelegentlich das eine oder andere eher ungewöhnliche Instrument. Wer Musik sucht und keine Namen, hat hier etwas zu entdecken.

Jeffrey Lee lebt weiter, Teil 3

Allein der Begriff ist etwas aus der Mode gekommen. Fusion, die Kombination aus Rock und Jazz, heisst in den besseren Varianten heute Progressive KNUT VAERNES‘ „Tributes“ gibt es wohl nur deshalb auch ausserhalb Norwegens, weil Gast-Drummer OMAR HAKIM in aller Welt geschätzt wird. Dabei legen die 5 (b, dr,key,sax) einen komplexen Teppich für KNUT’s virtuose Gitarren-Ausflüge. Wer die schwarze und die gelbe MAHAVISHNU ORCHESTRA Platte liebt, wird sich hier direkt zuhause fühlen.

Scharfer Intellekt an modernem Blues

Das JEFFREY LEE PIERCE SESSIONS PROJECT aus ehemaligen GUN CLUBbern, Musikerfreunden und Fans des früh verstorbenen legt gerade mit „Axels & Sockets“ die 3. Folge mit Neuinterpretationen ihrer jeweiligen Favoriten Songs vor. Die illustre Schar, IGGY POP, DEBBIE HARRY, THURSTON MOORE, NICK CAVE und einige mehr wandert zwischen fast typischem GUN CLUB Sound, Old School Punk und Americana Balladen, mal sehr nahe am Original und auch weit davon entfernt. Sehr individuell, aber mit dem Respekt, der dem Schöpfer der Songs gebührt.

Eine ganz feine, neue Mischung aus dem Hause AGOGO: SALT, Sängerin, Keyborder und jazzig besetzte Band erfinden Musik für eine neue Schublade. Jazziges Grundverständnis trifft auf Karibik und den Indischen Ozean. Geschuldet vermutlich der Sängerin, die sowohl englisch als auch französisch
singt und dazu noch in creolischem Dialekt. Nix Easy Listening oder Schubi Schubi, alle 7 beherrschen ihr Handwerk, kombinieren komplexe Rhythmen mit eingängigen Refrains, lassen mal an sonnenbeschienenen Sand aber auch an verrauchte Clubs mit niedriger Decke denken. Wenn der Chanson-hafte Anfang dann von einem leichten Reggae-Beat weitergetragen wird, ist die Welt wieder heil und rund.

Auch für diese Mischform habe ich kein griffiges Etikett. BIBI TANGA’s „Now“ setzt seine Multi-Kulti Musik Variante fort. Ein Afrikaner in Paris, Pop trifft Reggae, trifft kongolesische Gitarren, trifft Funk, Zouk und nicht zuletzt Afro Beat. Da könnte ich noch 10 Sätze schreiben und damit doch nichts eindeutig vermitteln. Das ist vielseitig, unangepasst, geprägt von unbändiger Lebensfreude. Muss m/f selbst hören

Dies könnte auch die Kurzbeschreibung von ERHART (Cuba/BlackBox) sein: Scharfer Intellekt und gleichzeitig dem Blues tief verbunden. Gemeint ist aber ELLIOTT SHARP, der mit seinem TERRAPLANE ein neues Werk vorlegt. „4am always“, mit 3 Mann plus exzellenter Sängerin, ist eindeutig Blues. Aber weit weg von Chicago. Klare Struktur mit integriertem Schrägfaktor, weniger MUDDY WATERS als vielmehr R.L. BURNSIDE. Relativiert die vielen Gitarren-Würger.
na dann... Tschüß! i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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