RUF-20 YEARS ANNIVERSARY/ GUTS/ BIO RITMO/ SLOUSE/ GOGO PENGUIN/ SPIRITUAL JAZZ 5

Doppelt gepackt spielt länger.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich in Europa wohl kein Label so intensiv und fast ausschliesslich um den Blues verdient gemacht, wie RUF. Es begann mit LUTHER ALLISON’s besten Platten, daraus wurde die Suche nach neuen Talenten diesseits und jenseits des grossen Teichs, die Verbindung zu altgedienten Meistern des Fachs und mittlerweile die Marke mit dem ansehnlichen Katalog. Entsprechend wird das 20. Jubiläum mit einer fetten Werkschau auf 2CDs gefeiert. Total 28 Tracks, auf der 1. CD nur die Damen Saitenzupfer, auf der 2. die Herren. Blues, in allen vorstellbaren Variationen, mal viel Druck, mit oder ohne Bläser, entspannter mit Harmonika oder auch gleich mehreren HeldInnen an der Front. Von Klassikern, wie SAVOY BROWN oder CYRILLE NEVILLE zu aufkommenden Namen (THORBJORN RISAGER), von SUE FOLEY zu ERJA LYYTINEN. „20 YEARS ANNIVERSARY“ (siehe auch www.rufrecords.de) ist der kompakte Überblick über den aktuellen Stand dieser traditionsreichen Musik.

Fischen in Trüby-schen Gewässern

Nicht ganz so lang ist die Geschichte des Hip Hop. Obwohl der sich in seiner kurzen Zeit schon in einige Sackgassen manövriert hat. Aber die Essenz überlebt immer irgendwie. Z.B. in Form des Franzosen GUTS, der 2014 (jetzt) ein echt Old School gesteuertes Album vorlegt. Samples und richtige Instrumente, Musiker, die gleichzeitig im gleichen Studio anwesend sind, sich gegenseitig beflügeln und dazu eine geschickte Mischung aus der alten Riege (GRAND PUBA, MASTA ACE) und gut trainiertem Nachwuchs. „Hip Hop after all“ ist genau das: Langsame, fette Beats, SängerInnen, die etwas zu sagen haben und eine Produktion, die den Flow von Wort und Ton gekonnt einfängt.
Es schien mir, als sei die Abteilung Latin Jazz zugunsten der Salsa Dance Class geschlossen worden. Ist zum Glück nicht der Fall! BIO RITMO zeigen mit ihrem „Puerta del Sur“, dass sich diese beiden Welten nicht ausschliessen müssen. Jazzige Bläsersätze und -Soli, packende Arrangements auf Rhythmen, zu denen auch getanzt werden kann (wenn m/f es kann..). Mittelgrosses Ensemble (9 Personen) mit noch einmal soviel Gästen, aufgenommen ausgerechnet in USA…

Von überall, ausser USA & Europa

Mehr Tanzmusik! „SLOUSE“ heisst die neue Kompilation von RAINER TRÜBY. Ob daraus gleich ein neues Genre wird, weiss ich noch nicht, aber Slow House (weil „nur“ etwa 120BPM) soll zumindest nicht verwechselt werden mit Chill House, wo es gelegentlich eher einfallslos zu Sache geht. Herr TRÜBY hat ein Dutzend Tracks aus diesen ‚slower Territories‘ zusammen gestellt, die aufgrund des geraden Beats sehr wohl tanzbar sind, als auch, ob ihrer musikalischen Vielschichtigkeit, beim ‚nur‘ Hören keine Langeweile aufkommen lassen. Verspielte Melodien, geschickt verschachtelte gerade Rhythmen, Stimmen, wo es Sinn macht und Anspielungen von Ambient bis Jazz. Gibt bei jedem Durchlauf neue Einblicke frei.

Wegen komplexer Spielweise muss m/f den GOGO PENGUIN wohl eher unter Jazz suchen. „v2.0“ klingt, kurz gesagt, wie eine aus Dubstep und Hip Hop beeinflusste Variante des ESBJÖRN SVENSSON TRIO. Hören und lieben!
Bereits in die 5. Runde geht die „SPIRITUAL JAZZ“ Reihe. Auf dieser Folge mit 17 Beiträgen aus aller Welt, ausser Europa und USA. Jazz als Transportmittel, als Ausdrucksmöglichkeit der persönlichen musikalischen Sozialisation, nicht frei oder frickelig, von Jamaika bis Israel, von Nachempfunden bis selbst geschaffen, von 1958 bis 1980, öffnet nicht nur die Augen!
na dann... Tschüß! i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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