LEONARD COHEN/ BARBRA STREISAND/ ROBERT PLANT/ JACQUES LOUSSIER/ KEVIN AYERS/ MARK OLSON/ BLACK STROBE/ TOSCA/ ELIZABETH SHEPHERD

Mal etwas spannendes aus Kanada

Zum Start etwas Opportunismus. Ja, ich finde die neue LEONARD COHEN Platte gut. „Popular Problems“ ist entspannt, humorvoll und sparsam auf den Punkt produziert. Zum Glück ist kein Titel drauf, der von den Hiwis im Talentschuppen völlig unverstanden nachgeträllert werden wird.

Quasi vom entgegengesetzten Ufer, was Produktion und Aufwand angeht, kommt die neue BARBRA STREISAND CD. Duette, mit jungen und alten „Partners“, lebenden und Toten, pathetischen Streichern, grossen Gesten und kleinen Besetzungen. Cover-Versionen vom Feinsten! Einmal Freund, immer Freund. Besser die Doppel CD, da sind noch 5 Titel extra drauf.

Neu erfunden

Auch die, die jetzt noch skeptisch dreinblicken nach Hören der „Lullabye and…“ CD oder Doppel LP inkl. CD von ROBERT PLANT werden spätestens nach dem 3. Anlauf begeistert sein. M/F sieht den ZEPPELIN auf Beobachter-Posten, aber ROBERT hat ihn viel zu lange geflogen, als dass er ihn für dieses Werk auf den Boden holen würde. Seine Eindrücke aus aller Welt, akustische Instrumente in Führungspositionen, eigenwillige Riffs und eine genau richtig raue Produktion. Alt muss zum Glück nicht heissen eingefahren.

Neben Herrn COHEN begeht auch ein gewisser JACQUES LOUSSIER in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Der hatte schon Erfolg mit Fusion Musik, als das Wort noch gar nicht gefunden war. Er improvisierte im Trio auf Themen klassischer Komponisten und tut das noch. Legendär und unbedingt hörenswert sind seine jazzigen „Play Bach“ Platten aus den frühen 60ern, denen er in den Vergangenen 25 Jahren noch exzellent produzierte (TELARC) CDs mit Werken anderer Komponisten folgen liess.

Gib Gummi!

Letzter Rückblick für heute: KEVIN AYERS‘ „Whatevershebringswesing“ aus 1972, Hippie-Psychedelic-Beat-Pop, oder wie immer m/f seine sehr individuellen Ausflüge nennen mag, liegt gerade als restaurierte Neuauflage vor und hat noch 3 Tracks mehr, als das Original. So jung wie damals werden wir nicht mehr, aber schön isses immer noch.

MARK OLSON (ex JAYHAWKS) hat eine neue Platte fertig. Schöne Harmonien, ausgefallene Instrumente und eine Co-Sängerin. Guter Versuch, ist mir im Gesamteindruck etwas zu ländlich.

Zugegeben, ARNAUD REBOTINI ist mir genau so wenig geläufig, wie seine Combo BLACK STROBE. So kann ich frei von der Leber weg das aktuelle Album „Godforsaken Roads“ als rassige Mischung aus GARY GLITTER, den SISTERS (OF MERCY) und DEPECHE MODE (!!) anpreisen. Im Grund simpel gestrickt, auf Rhythm and Blues basierend, aber mit effektiven Harmonien, fetten Grooves (die auch schon mal elektronisch angetrieben werden) und seiner absolut überzeugenden Stimme. Bestmöglicher Kneipenstoff.

Eigentlich hatten TOSCA schon alles gesagt und gemacht. Ausgefuchste Beats, ausgeklügelte Sounds, eigenwillige Grooves. Trotzdem kommen sie noch einmal. Der Titel „Outta here“ ist perfekt gewählt. Im Quartett mit EARL ZINGER und CATH COFFEY als Stimmen liefern sie eine feine Pop-Platte ab. Ungewohnte Harmonien und Songstrukturen, wie sie bislang nicht üblich waren und viel Soul. Dringende Hörempfehlung!

Nur kurz, dafür umso lieber, zur 5. Platte von ELIZABETH SHEPHERD „The Signal“. Sängerin und Pianistin in der grossen grauen Zone zwischen World-Music, Downbeat und Jazz. Erinnert mich an URSULA RUCKER, allerdings mit gebremsten Vocals und ungewöhnlicher, spannender Instrumentierung mit Band, Beats, Samples und Sounds. Sie hat etwas zu sagen und verpackt das auch noch in super interessante Musik. Well done, Maid!
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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