TEHO TEARDO/ ROUND NINA/ AFRODISIAN ORCHESTRA/ TEN CITIES/ LOOPTROOP ROCKERS/ VARGO/ CECILE VERNY QUARTET

Auch live unverwechselbar

Den Italiener TEHO TEARDO kennen die meisten von uns (wenn überhaupt..) aufgrund der Zusammenarbeit mit BLIXA BARGELD für das Album „Still Smiling“. Seine Spezialität sind Soundtracks, für die er in seiner Heimat gefeiert und ausgezeichnet wird. Mit „Ballyturk“ liefert er die Tonspur für das gleichnamige 2 Personen Bühnenstück des Irischen Dichters ENDA WALSH. Düstere Cello-Klänge, sphärische Elektronik-Sounds und gelegentlich die dunkle Stimme eines Erzählers lassen ein wirklich unheimliches Klangbild entstehen, das, auch ohne das Stück zu kennen, tiefe Einblicke in die psychische Zerrissenheit der Figuren entstehen lässt. Harte Kost, wie das Leben selbst (manchmal).

Goodbye nach nur 3 CDs

‚Nobody sings Dylan like Dylan‘ war, glaube ich, mal ein Marketing-Spruch seiner Plattenfirma. Genauso wenig singt jemand NINA SIMONE, wie Nina Simone. Aber da gab es schon einige sehr hörenswerte Versuche. Der jüngste unter dem Titel „ROUND NINA“ wird mal nicht von gestandenen, respektierten Herrschaften ausgeführt, sondern von jüngeren Menschen, die den ganz grossen Durchbruch vielleicht nie schaffen werden. Von GREGORY PORTER und MELODIE GARDOT mal abgesehen. Und gerade das macht diesen Anlauf spannend und interessant. Einige Titel, die beinahe jede(r) kennt, weitere, die seltener gespielt werden und die sehr frische, unverbrauchte Herangehensweise überraschen auch ‚abgebrühte‘ HörerInnen. Damit kann m/f sich Freunde machen.

Das AFRODISIAN ORCHESTRA hat für „Satierismos“ ebenfalls 10 Cover-Versionen, wenn ich die so nennen darf, eingespielt. Sie haben Miniaturen von ERIC SATIE aus der Piano Variante in Arrangements für ihre Afro/Latin Rockjazz Bigband umgearbeitet. Was sich hier vielleicht blutleer oder kopflastig liest, funktioniert allerdings sehr gut, wenn es mit solcher Raffinesse, Leidenschaft und entsprechendem handwerklichen Können umgesetzt wird. Bravo!

Junge Generation feiert Nina Simone

„TEN CITIES“- das sind 50 DJs, Musikproduzenten und Musiker aus 10 Städten in Europa und Afrika, die sich in gemeinsamen Produktionen und Konzerten begegnen. Als Resultat dieser Anstrengungen liegt die genannte CD vor. Clubmusik, nicht nur mit ein paar afrikanischen Ethno-Samples, sondern als Ergebnis des Zusammenwirkens der Akteure aus den beiden Welten. Mit mindestens soviel afrikanischer Programmierung wie Instrumenten und Stimmen. Positive Ausstrahlung, rhythmisch lebendig, raffiniert und genauso authentisch wie modern. Kompliment für das gelungene Experiment.

Mit dem Programmieren kennen sich die LOOPTROOP ROCKERS aus Schweden ebenfalls sehr gut aus. Das stellen sie ohne Krampf auch auf ihrer bereits 6. Platte „Naked Swedes“ unterBeweis. Hip Hop für Menschen, die nicht nach Goldkettchen schielen, sondern die Zu - und Umstände auf diesem Planeten sehr bewusst wahrnehmen und dazu auch eine konkrete Meinung haben.

Nach 3 Alben trennt sich das Duo VARGO (er Sounds, sie Stimme). Der Titel „Goodbye is a new Beginning“ ist hoffentlich mehr Zukunft, als Vergangenheit. Deren entspannte, stilvolle Variante Lounge Musik werde ich vermissen. Sowohl die ‚eigenen‘ CDs, als auch die diversen (LAUSCHKOST..) Kompilationen konnten und können sich jederzeit mit Kandidaten von Auswärts messen.

Das CÉCILE VERNY QUARTET setzt auch mit dem aktuellen Live Album „Memory Lane“ seine sehr individuelle Reise durch die Landschaften zwischen Jazz und Pop fort. Leichte Funk Grooves, knackige Riffs und sensible Balladen, wie ich sie anderweitig nicht kenne, auf jazzigem Boden. Dazu ihre mit den Jahren gewachsene Art zu singen. Ein gelungenes Geschenk zum 25. Bandjubiläum!
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1
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Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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