FRASER ANDERSON/ JULIA BIEL/ JUDITH GOLDBACH/ CURTIS HARDING/ CONTRAST TRIO/ LYAMBIKO

Zitat: „Nichts weniger als magisch“

Es gibt Wochen, da ist 1 Seite sehr knapp. Sofort zu FRASER ANDERSON und seiner „Little Glass Box“. Selbst produziertes Juwel zwischen britischer Folk-Tradition und beinahe jazziger Intonation. Meist ruhige Titel, schöne Melodien, mit sehr viel Seele (Soul) vorgetragen, da kommt eine gewisse Ähnlichkeit mit dem JOHN MARTYN der frühen 70er nicht von ungefähr. Spielt doch DANNY THOMPSON den (meist Kontra-) Bass und ein uns bekannter MAX MIDDLETON die Tasten. Überschaubar und durchsichtig produziert klingt die CD so ehrlich und überlegt, wie die Texte. Hören!

Eine weitere 5 Sterne Kandidatin. JULIA BIELs 2. Platte ist fertig. 6 Jahre nach dem 1. Versuch ist „Love Letters und other Missiles“ auf jeden Fall der bisherige Höhepunkt ihres Schaffens. Blues getränkte Soul Musik auf eher jazziger Instrumentierung. Dazu ihre wandlungsfähige Stimme, die die meisten möchte gern Amys ziemlich verzweifeln lässt, auf Songs, die, besonders im Midtempo oder ganz langsam, Erinnerungen an die Stimmung später BILLIE HOLIDAY Platten aufkommen lässt. Die wird m/f auch noch in 5 Jahren als geschmackvolle Begleitung aus dem Regal (der Datei?) ziehen.

Bisschen Soul, Funk, Rock..

Auch in Deutschland gibt es so viele junge, kompetente Musiker, dass ich denen in den wenigen Zeilen hier gar nicht gerecht werden kann. JUDITH GOLDBACH, Kontrabass, plus Trio aus Sax, Vibraphon und Drums bietet in ihrem „Reisetagebuch“ dynamische Variationen über traditionelle Weisen vom Balkan und aus Ungarn. Adaptiert und Arrangiert für das spielfreudige Quartett, das sich ohne Hast mühelos zwischen melodisch liedhaftem Vortrag, minimalistischer Zerbrechlichkeit und energischer Improvisation bewegt. Da sollte (muss!) m/f sich Zeit für nehmen!

CURTIS HARDING dreht für sein Debut „Soul Power“ die ‚Retro‘-Schraube ordentlich weiter. Melodien, Rhythmen, Instrumentierung erinnern deutlich an die 70er, seine Stimme, Phrasierung und sein Gitarrenspiel stammen aber klar aus dem Hier und Jetzt. Etwas Garagen-Rock, schrammelige Gitarre, dazu die absichtlich etwas spröde Produktion der Marke ANTI (Tom Waits, Jolie Holland..) und schon ist es eine gepfefferte Soul Platte, die mit dem braven ‚so wie früher‘ nichts mehr gemeinsam hat.

...ist auch ihre eigene Muse

Noch eine Musik, die es früher schon gab und trotzdem regelmässig neu erfunden wird. Das CONTRAST TRIO spielt Rock Jazz! Mit Piano, Bass, Drums, Synthies, Effekten. Und Gast-Gitarrist auf 2 Titeln. Bei der modernen Trio Formation darf der Hinweis auf Herrn SVENSSON nicht fehlen, aber diese Herren schwimmen nicht hinterher, sondern haben sehr eigene Vorstellungen von Bandklang. Es gibt lyrische Passagen, Funkiges mit Castanetten Einsatz und der MAHAVISHNU und seine Kollegen sind ihnen auch nicht fremd. Als Essenz der eigenen Vergangenheit geradlinig und zielstrebig mit nachvollziehbaren Rhythmen und Harmonien ist „2“ nicht nur spannend zu Hause sondern auch idealer Soundtrack für Jazzkneipen, für die der Jazz nicht nur Etikett ist.

„Muse“ ist tatsächlich bereits das 9. Album von LYAMBIKO. Musik, wenn sie ‚sortenrein‘ ist, sage ich, ist langweilig. Interessant und spannend wird sie erst, wenn Einflüsse aus Regionen, Traditionen, Genres und Zeiten in sehr persönlicher, individueller Art und Weise kombiniert werden. Genau das ist hier der Fall. Der Gesang Jazz trainiert, die musikalische Begleitung auf akustischen Instrumenten zwischen eingängigen Harmonien und Improvisationsfreude und die Songs, wenn schon nicht alle selbst gestrickt, dann individuell ausgesucht. So finden sich auf „Muse“ nur Songs von Musikerinnen. Manche (er-) kennt m/f, die meisten eher nicht, Titel, die LYAMBIKOs Haltung zu Welt und Musik deutlich geprägt haben. Denen sie auf dieser Platte eine sehr eigene, intensive und gelungene Reverenz erweist.

na dann... Tschüß! i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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