ED MOTTA/ LILA BUNGALOW/ MARSHALL COOPER/ PENTATONES/ OMAR SOSA/ IGOR PRADO BAND/ OTIS TAYLOR/ ALLAN HARRIS

Latin Jazz, nicht Salsa!

ED MOTTA und seine brasilianischen Mannen haben sich offen hörbar für ein paar Wochen mit den späten Alben von STEELY DAN zurück gezogen. Aus dieser Intensivkur resultiert das neue Werk „AOR“. Rhythmus Arrangements, Bläsersätze, ja selbst die Soli wecken Erinnerungen an das legendäre „AJA“. Exzellent umgesetzt und damit auch wir Europäer was verstehen, gibt es die Songs auf 1 CD gleich 2x. Zuerst in Englisch, danach, wie es die Brasilianer verstehen.

LILA BUNGALOW nennt sich ein spannendes Projekt sehr unkonventioneller Musiker. Zu dritt plus diverse Gäste an Streichern, Bläsern oder Plattenspieler plündern sie Zeiten, Genres, Stile. Und erschaffen daraus eine sehr individuelle musikalische Sprache. Feine Songs neben Klängen und Rhythmen, ‚richtige‘ Instrumente neben Elektronik, verfremdete Stimmen neben ‚schönem‘ Gesang. Gleich mehrere der 11 Songs haben so etwas wie Massenkompatibilität. Lässt sich leider nicht belegen, keiner kauft sie auf die Playlisten.

Das gilt sicher auch für MARSHALL COOPER und deren „Backseat Lover“ CD. Mit 4 Bläsern, Drums und Plattenspieler verfassen die 6 eine sehr moderne Variante Brass Band Musik. Zu Anfang denkt m/f noch kurz an New Orleans, spätestens ab Track 2 hat sich das erledigt. Es geht mächtig vorwärts. Später steigen noch Vokalisten und Instrumentalisten zu und bringen die Party zum Kochen. Ist das Pop? Sicher auch, aber ist egal, ist gut!

Die PENTATONES legen mit „Ouroboros“ ihre 2. CD vor. Elektronischer Pop mit 3 Tontüftlern und einer auffälligen Sängerin. Pop ja, aber relativ düster und nahe am Rand, sicher nicht Format Radio tauglich. Auch wenn die helleren Momente an bessere Songs der EURYTHMICS erinnern.

Auf „Ile“ erinnert sich OMAR SOSA mit seinem QUARTETO AFRO CUBANO an seine musikalischen Wurzeln. Allerdings nicht, in dem alte Standards neu interpretiert werden. In seinem Kopf entstehen aus den Kindheits-Erinnerungen an Klänge und Rhythmen neue klingende Welten. Eine von den Mitstreitern und Gästen von feinfühlig bis sehr schwungvoll umgesetzte Variante aus karibischen und afrikanischen Zutaten. Auf einzelnen Tracks singt er sogar. Trotzdem, nicht für die Salsa Tanzschule gemacht. Da stimmt sogar die Jazz Polizei zu.

Nach Intellekt und Improvisation jetzt etwas für den Bauch. Die IGOR PRADO BAND spielt Blues. 4 Brasilianer (!),die seit Jahren bevorzugt als Backup Band für nordamerikanische Kollegen in Südamerika gebucht werden. Wer „Way down South“ hört, weiss sofort warum. Die 4 spielen nicht die Variante Rock-Blues, sondern orientieren sich am Chicago Blues der 60er. Klingt stellenweise so nach MUDDY WATERS, dass ich im Booklet nachschlagen musste und, siehe da, neben RAPHAEL WRESSNIG und KIM WILSON als Helfer auch noch MUDDY’s Sohn als Vokalisten entdecken konnten. Roots on the Go!

OTIS TAYLOR muss ich nicht vorstellen. Mit „Hey Joe Opus“ legt er ein Konzeptalbum ab über Entscheidungen, die m/f trifft, und deren Folgen. In seiner typisch untypischen Variante Blues, ohne das berüchtigte Schema. Nicht jeder Song braucht einen Text, damit m/f weiss, worum es geht.
Der Produzent der letzten GREGORY PORTER CD schickt einen neuen alten (oder umgekehrt) ins Rennen. Gitarrist und Sänger ALLAN HARRIS durchlebt auf seiner „Black Bar Jukebox“ noch einmal seine Kindheit und Jugend in Harlem. Bleibt dabei aber nicht auf ‚altes‘ Material fixiert, sondern ergänzt die Erinnerungen durch eigene Stücke oder fremde Songs, die er sich in der Jukebox einer Black Bar gut vorstellen kann. Bei der Stimme und seiner Art zu singen schwer vorstellbar, dass er nicht längst viel bekannter ist.
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

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Autor: Günter

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