BRISTOL/ BILLIE HOLIDAY/ TOTO/ STEPHAN ABEL/ MOVEMENTS 7/ LONELADY/ ASAGAYA/ OLAFUR ARNALDS & ALICE SARA OTT/ MIGHTY MOCAMBOS

Die nächste Sause!

Zunächst eine kleine Reparatur. Der in der letzten Woche genannte Macher von NOUVELLE VAGUE und seiner neuen, gelobten „BRISTOL“ CD heisst richtig MARC COLLIN. Der Herr MOULIN war Teil der Tasten-Abteilung einer von mir ebenfalls sehr geschätzten französischen Produktion: ST. GERMAIN’s „Tourist“.
In diesen Tagen denken Fans an BILLIE HOLIDAY’s 100sten Geburtstag. Wer wissen möchte, warum nach ihr das Singen nicht mehr das gleiche war, lasse sich gern im lokalen Fachhandel beraten.

Ganz so lang gibt’s TOTO noch nicht. Ob „XIV“, das aktuelle Werk, wirklich das 14. Studio-Album ist, kann ich gerade nicht auswendig sagen. So viele wie möglich Original-Mitglieder an Bord und trotz langer Karriere immer noch in der Lage, dynamische und frisch klingende neue Songs abzuliefern. Breitwandige Riff-Rocker, komplex arrangierte Pop-Songs und gelegentlich näher an den frühen STEELY DAN, als ihnen vermutlich selbst bewusst ist. Alter schützt vor klasse nicht!

ruhig, konzentriert, persönlich

Gleich eine Doppel CD mit ausschliesslich Balladen hat STEPHAN ABEL mit seinem für „The Windmills of your Mind“ erstmals im Studio versammelten Quartett plus Gastsänger aufgenommen. 11 Titel auf 2 CDs deuten auf lange Improvisationspassagen hin. In der Combo, die derart feinfühlig aufeinander reagiert, die den Wert von wenig Tönen zu nutzen weiss, ist sein Saxofon zwar der Leader, jedoch nicht der permanente Star. Linien, die zur Akkordfolge passen zu spielen ist das eine, hier schaffen die Musiker eine Athmosphäre, die den Harmonien entspricht. Steht sehr gut neben COLTRANE’s und GORDON’s Balladen-Alben.

Er hat es wieder getan! TOBI KIRMAYER legt die bereits 7. Folge seiner „MOVEMENTS“ Reihe vor. Fusswipp- oder Tanzmusik, je nach persönlichem Gusto, von Künstlern, die selbst Eingeweihten nicht unbedingt geläufig sind. Irgendwo zwischen 60ies R’n’B, Soul und groovendem Jazz gibt’s auf der 7. Folge viel Unbekanntes und dazu ein paar erstaunliche Arrangements für Nummern, die m/f schon mal gehört haben kann. Sehr gut. Weitermachen!
LONELADY’s „Hinterland“ weckt bei mir Erinnerungen an die frühen 80er, an Combos, wie SECTION 25 oder A CERTAIN RATIO. Damals State of the Art Elektronics kombiniert mit funky Riffs in sehr nüchterner Produktion. Auf eben jene Ausrüstung, heute Oldschool, greift die LONELADY zurück, untermalt und umspielt damit auf entsprechend sparsame Weise ihren Gesang, ihr Gitarrenspiel und schafft Klang-Landschaften die damals wie heute mit dem aktuellen Format-Radio-Sound nichts gemein haben. Trotzdem, für ein Album des Labels WARP erstaunlich leicht zugänglich.

minimal, cool, funky..

Für Freunde des ‚weit weg vom Mainstream‘ Hip Hop kommt bei JAKARTA die neue LP von ASAGAYA. „Light of the Dawn“ ist weit mehr als gekonntes Beats basteln. Richtige Stimmen/Sänger (u.a. AKUA NURA) Tracks mit Harmonien und gelegentlich jazzigen Ansätzen werden dieses vielseitige Werk von Chart Entries und strammen Verkaufszahlen fernhalten.

OLAFUR ARNALDS & ALCE SARA OTT’s „Chopin Project“ ist zu komplex und ambitioniert, um in 3 Sätzen umrissen zu werden. Bitte selbst ein Hörbild machen, wie Herr ARNALDS Erinnerungen an seine Jugend mit CHOPIN’s Musik und seine Vorstellung von zeitgemässer Interpretation derselben zusammen mit Frau OTT in seine fantasiereichen Konstruktionen / Kompositionen umsetzt. Läuft in Woche 15 ungekürzt und in HiFi während der Geschäftszeiten in der Breiten Gasse 1 auf Dauerrotation.

Mit jedem weiteren Werk wird es deutlicher. Die MIGHTY MOCAMBOS sind keine stereotype, Retro versessene Nerd-Combo. „Showdown“, ihr 3. Longplayer, strotzt vor Genre übergreifenden Ideen, gezieltem Einsatz von Fachleuten auf anderem Gebiet (u.a. AFRIKA BAMBAATA, PETER THOMAS) und ist, wie gewohnt, so analog und Live im Studio wie möglich aufgenommen. Einem solchen „Showdown“ haben andere Combos dieses Genres nicht viel entgegen zu setzen.
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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