JAKE XERXES FUSSELL/ WILLIAM ELLIOTT WHITMORE/ PETER KATZ/ GRANDBROTHERS/ HENRIK SCHWARZ/ G LOUNGE 12

Zeitgemässes aus der Tradition

Liegt es an unserer schnell und digital voranschreitenden Entwicklung, dass sich so viele MusikerInnen zwar dieser Technik bedienen, musikalisch aber eher eine Rückschau auf inhaltliche Traditionen vornehmen?

JAKE XERXES FUSSELL überrascht mit einer extrem präzise recherchierten Variante von frühen amerikanischen Folk- und Bluessongs. Wer glaubt, diese ‚ollen Kamellen‘ kennt ich doch, schaue bitte auf die Trackliste. Ungehörtes meist aus dem ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts relativ treu an der Vorlage entlang, jedoch mit dem Klang-Gefühl für das hier und jetzt sparsam und auf den Punkt intoniert. Das Album hat keinen Titel, die besungenen Themen trotz hohen Alters grosse Relevanz.

House Music vom Orchester

Hauptberuflich Farmer, in der spärlichen Freizeit Songschreiber, Sänger und Gitarrist. WILLIAM ELLIOTT WHITMORE bleibt auch auf „Radium Death“ seiner Auffassung von Roots Music treu. Aber er hat jetzt ab und zu ein Kabel an der Gitarre und ein ordentlich treibendes Drum Set hinter sich. Banjo und die akustische tauchen trotzdem regelmässig auf, und weisen deutlich auf die Generation WOODY GUTHRIE und den frühen ZIMMERMAN. Keine ungeheure Entdeckung, aber eine weitere Hörenswerte Stimme in diesem Kanon.

Gibt’s beim Vorgenannten noch ordentlich Ecken und Kanten und eine eher Unter-Produktion, ist „We are the Reckoning“ von PETER KATZ beinahe das genaue Gegenteil. Sanfter Gesang, Melodien, die beinahe zu schön sind für unsere raue Zeit und leicht romantische Texte. Dieser Aufwand ist für einen der populärsten Singer/Songwriter Kanadas allerdings auch mehr als gerechtfertigt. Erinnert mich manchmal an das immer noch sehr gute 1. Album von A-HA. Pop, ja und? Wenn‘ s doch gut ist.

Elegante Housebeats aus Italien

Kommen wir zur Abteilung ‚das geht auch mit Tasten‘. Die GRANDBROTHERS aus Düsseldorf begeben sich mit ihrem Debüt „Dilation“ in die Riege der elektronisch/akustischen Minimalisten. Ein präpariertes Klavier (kurz gesagt) und dessen eigenwillige Töne bilden das Gerüst, um das die beiden ihre Klanggebilde bauen. Die ab und an und immer mal wieder in sparsamste Entwürfe für den fortgeschrittenen Tanzboden (den es hier ja leider nicht gibt..) übergehen. Vielleicht eher für das Tanzen im Kopf?

Der weitgereiste Klangtüftler HENRIK SCHWARZ hat für sein neues Album den Stecker komplett abgezogen. Statt der fetten und geradlinig verlaufenden elektronischen Bassdrum und den darüber geschichteten Sounds und Harmonien, wurden für „Instruments“ Loops, Samples, Sounds und Grooves seiner grossen Hits in Arrangements für ein 27 köpfiges Orchester übertragen. Und das funktioniert! Die gleiche Musik, dieselben Harmonien, wirken in dieser Darbietung auf eine ganz andere Art und Weise. Das Orchester groovt und der hammermässige Tanzbeat wird zu filigraner rhythmischer Feinarbeit. Sollte nicht nur jede/r House Fan unbedingt gehört haben.

Genug Kultur, jetzt wird gefeiert! Und zwar mit den Highlights aus der noblen „G LOUNGE“ in Mailand. Auch die diesjährige Ausgabe (Nummer 12) ist von Inhalt bis Verpackung wieder absolut luxuriös. Von leicht angejazzten Smoochers für den Dancefloor bis zur abgefahrenen Neuinterpretation von STEELY DAN’s ‚Do it again‘ ist für alle rhythmischen Bewegungen das richtige Basismaterial vorhanden. Mal mit mehr, meist mit weniger Gesang. So muss es sein!
na dann... Tschüß! i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2015