CLASSIC AMERICAN BALLADS/ NDW-AUS GRAUER STÄDTE MAUERN/ DR. WILL/ MARITZA HORN/ JESSY MARTENS & BAND/ RAINER BÖHM & NORBERT SCHOLLY/ DIRK SCHILGEN JAZZGROOVES/ ROLF KÜHN

Immer in Bewegung

Hier wird das Feld von hinten aufgerollt. Das Spiel beginnt mit „CLASSIC AMERICAN BALLADS“ aus dem Hause SMITHSONIAN FOLKWAYS. Aus dem Riesen-Fundus des Folkways Label 25 der besten, unterhaltsamsten und auch für die Nachwelt interessanten Titel auszusuchen, war sicher kein leichtes Unterfangen. Kleine Geschichten in fein instrumentierten Songs, von heiter über tragisch bis zu möglicherweise wahr, dargeboten von Künstlern, deren Namen dem Folk Fan mehr als geläufig sind (DOC WATSON, PETE SEEGER..), die meisten aus den Jahren 1940-60. Klasse restauriert und mit diskografischer Perfektion, wie wir sie auch von BEAR FAMILY gewohnt sind.

Was mich gleich ins nächste Thema bringt. „NDW-AUS GRAUER STÄDTE MAUERN“; die Neue Deutsche Welle 1977-85, so heisst die neue Kompilation aus dem BEAR FAMILY Stall. OK, NDW will doch seit RTL/SAT1 keiner mehr hören! Wie das halt mit Dumpfbacken-Redakteuren ist, leuchten die auf die Spitze des Eisbergs und merken nicht, dass sie noch im Tunnel stecken. Da hilft diese Zusammenstellung von 50 Titeln auf 2CDs mit fast 150 (!) Seiten Booklet und Beschreibung zu jedem Song. Es ist alles dabei, genial wie Gurke, Kommerz wie Kunst. NINA, NENA, HUBERT, die üblichen Verdächtigen, aber auch DER PLAN, ZK, KRUPPS, DORAU, ABWÄRTS; halt ganz viel von dem, was durch sein Auftauchen noch heute viele Menschen glauben lässt, INDEPENDENT sei ein Musikstil. Taugt hervorragend, die Erinnerungskiste neu auszuleuchten und ebenso gut, jüngeren Menschen zu zeigen, dass m/f für interessante Musik keinen Plattenvertrag braucht.

Singt Van Morrison

Zwar aus diesem Jahr, doch die Musik stammt aus der Tradition. Blues, Boogie, etwas Skiffle und eine Prise TOM WAITS gibt es auf „CUFFS OFF“ von DR. WILL und seiner Band zu hören. Gute Band, klasse Stimme, Kneipenmusik vom Feinsten.

Apropos Stimme. Vor gut 14 Tagen hat sie den HOT JAZZ CLUB gerockt. Für alle, die das Konzert von JESSY MARTENS & BAND verpasst haben, gibt es als CD Konserve das Live Album „Touch my Blues away“. Basierend auf Blues-Riffs und Harmonien legt die Combo die etwas härtere Gangart an den Tag und liefert den fetten Background für JESSYs unverwechselbare Stimme.
Für heute ein letztes Mal Gesang im Mittelpunkt. MARITZA HORN, mir bislang nicht untergekommen, aber sicher kein ‚Jungsternchen‘, hat für „Just like Greta“ 9 Songs aus dem umfangreichen Schaffen von VAN MORRISON für sich passend neu arrangiert. Mit exzellenten Musikern und rundum gelungener Produktion ein schönes Wiederhören mit Songs von VAN THE MAN, die einem nicht unbedingt als erste einfallen, wenn m/f an ihn denkt.

Aus Tradition modern!

Aufs dünne Eis mit Kunst und Kultur. RAINER BÖHM und NORBERT SCHOLLY wagen auf „Juvenile“ das Duett mit Piano und Gitarre. In fein gesponnenen Dialogen zaubern die zwei 9 Titel voller leiser Schönheiten mit viel Gespür für den feinen Klang dieser Instrumentierung.

DIRK SCHILGEN JAZZ GROOVES arbeiten zu fünft. 2 Bläser, Piano, Bass und der Leader an Drums und Perkussion. „Onthe Move“ hat seine Wurzeln im Modern Jazz der 60er, gewürzt und verfeinert mit Zutaten aus Soul und Latin. Aus knackigen Riffs werden Melodien, die Melodien generieren solistische Ausflüge, die die Rhythmusgruppe mit gekonntem Einsatz am Boden hält. Und statt einer ‚Orgy in Drums‘ gefällt der Namensgeber sich viel besser in der Rolle des Mannes im Hintergrund, der mit sparsamem, gezielten Einsatz die Musik voran treibt.

Zu ROLF KÜHN darf ich eigentlich nichts sagen. Der ist älter als ich und noch viel länger dabei. Trotzdem vermeidet er immer noch Wiederholungen und improvisiert mit seinen jungen Begleitern auf „Stereo“, als wolle er der Welt zeigen, dass alt werden nicht gleichbedeutend ist mit träge sein und nur erinnern. Dem kann m/f unbedingt nacheifern.
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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