FABELHAFT/ LE BANG BANG meets MARTIN KÄLBERER/ PASSION PIT/ TAPE FIVE/ SOPHIE HUNGER/ THE HOWLING/ FRANCESCO TRISTANO

Schweizer Fantasie

Der Vorlauf ist kurz. An Pfingsten findet das nächste ORANGE BLOSSOM SPECIAL Festival statt. Zu diesem Anlass gibt es ab sofort für kleines Geld den Überblicks-Sampler des GLITTERHOUSE Labels, immerhin mit Tracks von 21 der 23 auftretenden Bands. „FABELHAFT“ heisst das Ding, gibt es nur beim Label (Mailorder) oder auf dem Festival, wenn bis dahin nicht ausverkauft, denn der Preis ist sensationell: 6 €!!

Für diese habe ich mal wieder keine Schublade. Von der Stimmung her Chanson, die Ausführung eher Jazz. Als Sängerin mit Bass-Begleitung haben LE BANG BANG schon einige Erfahrungen gesammelt. Für „In our Blood“ haben sie ihr Duo um den Multi-Instrumentalisten MARTIN KÄLBERER erweitert. Das macht den Klang variabler und gibt der Stimme mehr Möglichkeiten, ganz eigene Linien zu verfolgen und dabei in der Modulation der Worte sich auf dem besten Weg zu JONI MITCHELL zu befinden.

Bunte Mischung

Entsprechend ist die Musik, durchaus gefällig aber fordernd, im Gesamtklang warm und weich, jedoch nie ohne Extra-Ideen, damit es nicht zu glatt klingt. Ob JACKSON 5, die BEATLES oder PETER GABRIEL neben den eigenen Titeln, Stefanie, Sven und Martin geben ihnen ein sehr eigenes, anderes Gesicht.
PASSION PIT ist der Name des 1 Mann Projekts von MICHAEL ANGELAKOS. An der Oberfläche eingängige Pop Musik voll durchgestylt und -produziert. Darunter werden aber immer wieder Haken und Ösen in Text und Sound geschlagen. Mit etwas Fantasie und viel Vergangenheit klingt „Kindred“ wie die Mischung aus den überdrehten SPARKS mit den Beats von KATIE PERRY.
Mit „Circus Maximus“ machen TAPE FIVE das halbe Dutzend voll, wenn m/f die CD mit den GERALDINE-Remixen mitzählt. Der Titel zeigt es an, ein bunt gemischtes Programm aus balkanischen Beats, elektrischem Swing und etwas Funk. Sehr positiv fallen natürlich die Stimmen auf und die Tatsache, dass die konventionellen Instrumente (inkl. WDR Big Band) die Programmierer fast komplett verdrängt haben. Dazu die Programm-Aufteilung wie in einem Kabarett. 2 Drittel und vorweg die Tanzbodenfüller, ein Drittel anders konfigurierte Konstruktionen und zum Finale wieder auf Anfang.

Weltweite Erfolge haben sie nicht verbogen. SOPHIE HUNGER bleibt auch auf „Supermoon“ ihrer ungewöhnlichen Herangehensweise an Pop-Musik treu. Kaum jemand dekonstruiert Rhythmen und Harmonien zu spannend anzuhörenden Songs wie sie, erfindet Geschichten, findet Zusammenhänge und macht scheinbar nicht passendes zu einem runden Ganzen. Allerdings zuhören, dass erwartet sie von ihren Hörern. Wer das kann, findet auf ihrem ‚Supermond‘ eine ganz neue Welt. Zum Glück auch auf LP (doppelt).
Zwei sehr unterschiedliche Typen begegnen einander und erfinden gemeinsam ihre aktuelle Traum-Musik. FRANK WIEDEMANN (AME und div. elektronische Projekte) und der australische Songwriter RY CUMING führen als THE HOWLING programmierte Sounds und Songwriter Handwerk wie selbstverständlich und überzeugend zusammen. Entspannte Beats, tiefe Sounds, weiche Harmonien und darüber und darin RY’s unvergleichliche Stimme, „Signs“ klingt für mich, wie die Fortsetzung von THE BLUE NILE im neuen Jahrtausend.

Zwischen den Welten

Zum Finale die ultimative Detroit House CD des Jahres. Am Abend in den Konzerthallen dieser Welt aktiv mit einem Repertoire von BACH bis RAVEL und in der Nacht als DJ im Club. FRANCESCO TRISTANO wandert zwischen diesen Welten und liefert mit seinem Beitrag zur „BODY LANGUAGE“ Reihe den klaren Beleg, dass sich die beiden Seiten der Musik-Medaille nicht ausschliessen müssen. Anders als bei den anderen 15(!) Folgen dieser Reihe, gibt es hier fast nur Eigengewächse des Konzertpianisten, ergänzt um einige Tracks von Kollegen bzw. Studiofreunden, die er allerdings mit Synthi-Flächen und Piano-Improvisationen zu einer stetig fliessenden Komposition verfeinert. Gross! Auch beim 10. Mal.
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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