BLANK & JONES/ DJ KOZE/ DJ VADIM & SENA/ JON REGEN/ PAT THOMAS & KWASHIBU AREA BAND/ EL JUNTACADAVERES

Wissen, was sie tun.

Bei den derzeitigen Wetter-Kapriolen ist unser Sommer vielleicht schon vorbei, wenn zum Wochenende die bereits 9. „Relax“ von BLANK & JONES erscheint. Natürlich wieder als Doppel, natürlich mit eigenem Motto für jede der beiden CDs. ‚Siesta II Sunset‘ enthält die bewährt luxuriös chilligen Sounds für die Phase des Tages, in der m/f sich besser nicht bewegt, sondern im Geiste den feinen Harmonien und sparsamen Perkussions-Einwürfen folgt. Unterstützt u.a. vom Macher von DEEP FOREST und CORALIE CLEMENT’s Stimme geht es in sanftem Schwung langsam aber geschmackvoll über zu ‚Sunset II Sunrise‘, die mit etwas mehr Tempo, deutlicherem Rhythmus aber ganz unaufgeregt die Vorbereitung für den heftigen Teil der durchtanzten Nacht ist. Keine vorgekauten ‚hab‘ ich schons‘, alle Titel für die beiden CDs neu eingespielt, feinste Musik für heisse Tage, nicht nur auf den Balearen.

Eine ganz andere Sorte Plattenaufleger ist DJ KOZE (sprich Kosi), wohl auch deshalb darf er das 50. Volume der „DJ Kicks“ Reihe füllen. Das macht er, und wie, mit 360 Grad Bandbreite durch die Welt der Musik. Hip Hop, Technoides, Schnulzen, Experimentelles, er nimmt es auseinander und verpasst ihm den speziellen DJ KOZE Schliff, der dafür sorgt, dass diese wilde Mischung dennoch am Stück angenehm hörbar bleibt. Nicht beliebig und nicht unbedingt zum Entspannen, sondern vielmehr der gelungene Hinweis darauf, wie vielseitig die Welt der Musik ist, besonders jenseits der Charts.

Alles echt und geradeaus

Noch ein Scheiblreiter. DJ VADIM legt zusammen mit der ghanaisch-ungarischen Sängerin SENA die CD/2LP „Grow slow“ vor. Sein Faible für Reggae und Hip Hop hat er nie verschwiegen, jetzt hat er eine stimmgewaltige Partnerin dabei, die seinen beinahe klassischen Rap-Beats die richtige Oberflächenfarbe verleiht. Etwas Jamaika, etwas GRANDMASTER FLASH und stramme, abwechslungsreiche Beats. Zugänglicher und ‚grooviger‘ war keine der letzten Platten, die ich von ihm gehört habe.

Von trickreichen Beats zu absolut konventionell. JON REGEN heisst der Mann, hat schon vorher Platten veröffentlich, die aber vermutlich nicht so ‚auf den Punkt‘ waren, wie sein aktuelles Werk „Stop Time“. Er spielt Piano und singt, wird von Bass und Drums begleitet. Seine Texte sind nicht so zynisch, wie die von RANDY NEWMAN, dafür sind die 10 Songs auf dieser Platte, jeder für sich, besser als alles, was BILLY JOEL seit ‚New York State of Mind‘ auf die Beine gestellt hat. Bei einem solchen Ergebnis, kümmert mich konservativ oder altbacken überhaupt nicht. Hören!

Tango, Balkan, Reggae, Jazz…klasse!

Weltmusik (World Music) findet in den Läden zwar nicht mehr statt, aber es gibt sie trotzdem noch! Hier kommt die neue CD von PAT THOMAS, in den 70ern Gesangs-Superstar in der afrikanischen Highlife Musik-Szene. Mit der KWASHIBU AREA BAND hat er einige seiner frühen Hits und ein Bündel ganz neuer Titel eingespielt. Als kompetente Helfer sind u.a. EBO TAYLOR und TONY ALLEN an Bord und lassen das nicht betitelte Album von Anfang bis Ende im unwiderstehlichen Highlife Swing seine Kreise ziehen.
Eine so noch nicht gehörte Mischung liefern die in Belgien beheimateten EL JUNTACADAVERES mit „Twists and Turns“ ab. Irgendwo zwischen PAOLO CONTE, dem Balkan, Tango, jazzigen Phrasierungen und Hip Hop Vokalarbeit merkt m/f in jeder Sekunde den Spass, den die vielköpfige Combo (7 Mann plus Gäste) bei den Aufnahmen hatte. Vielseitig instrumentiert, rhythmisch variabel und überhaupt nicht auf den Mund gefallen, so stelle ich mir Musik vor, die im 3. Jahrtausend gemacht wird. Unbedingter Tipp!
na dann... Tschüß! i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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