COCO BEACH 4/ NOA/ HILDE LOUISE/ WARMTH/ EVELINE HALL/ KESTON COBBLERS CLUB/ CHASSOL

Vorurteile beseitigt!

Eine Woche hält der Sommer noch…deshalb „COCO BEACH-Ibiza“, bereits die Vierte. Doppelpack mit entspannten, melodischen Songs auf CD1 unter dem Motto ‚Sunrise Lounge; keineswegs chillig, sondern durchaus rhythmisch bewegt. Der 2. Teil, ‚Sunset House‘, lässt dann keine Tanzwünsche mehr offen. Nur das, was in diesem Jahr am besten funktioniert hat im COCO BEACH kommt in den Topf. 13x House der entwickeltsten Sorte. Bleibt nur zu hoffen, dass die Klimatisierung funktioniert.

Wer es dann doch lieber etwas ruhiger mag, der höre die neue CD von NOA. Seit Mitte der 90er legt sie regelmässig neue, sehr geschmackvolle Musik vor. Auch „Love Medicine“ macht da keine Ausnahme. Unglaublich vielseitig in Gesang und Musikauswahl, exzellent produziert und mit erlesenen Gästen (Joaquin Sabina, Pat Metheny), ist die CD fast der Prototyp für das Segment „Entertainment“. Allerdings wurde das in den vergangenen 10 Jahren in den meisten Läden abgeschafft. Also, suchen und hören!

Vorurteile beseitigt!

Etwas leichten Jazz (kein Electro-Swing, weil Electro fehlt) bietet HILDE LOUSIE (Asbjornsen) mit ihrem Orchester. Nicht ganz Big Band, dafür aber maximal trainiert in wie m/f swingt. Die zehn selbst erfundenen Songs, dazu ihre Texte mit Humor und Augenzwinkern, machen aus „Don’t stay for Breakfast“ nach 5 Jahren den idealen Nachfolger für CARO EMERALD’s Debüt.
Aus dem Hause TRAMP mal keine neue CD mit gesuchten oder verschollenen Perlen. WARMTH „The Best of Don McCaslin’s WARMTH“ widmet sich einem einfach übersehenen Musiker. Dieser Herr McCaslin und seine Band spielen Jazz. Im Stil der Westküste (der USA). Nicht nur sonnenbeschienen Easy, es gibt inspirierte solistische Ausflüge. Ob Flöte, Gitarre, oder Piano, das er selbst spielt, improvisiert wird fleissig, trotzdem wird die Strasse des relativen Wohlklangs nicht verlassen. Gelegentlich singt Mr. McCaslin auch, das erinnert in Stil und Ausführung an berühmtere Kollegen (Chet Baker..), klingt aber nie kopiert, sondern bleibt über die ganze CD/LP, die aus dem Schaffen des mittlerweile 90(!) Jährigen zusammengestellt wurde, abwechslungsreich, interessant und vor allem feines, ehrliches Handwerk.

Noch ein älteres Semester. Sie ist um die 70 und arbeitet als Model. Tut hier nichts zur Sache. Das späte Debüt von EVELINE HALL „Just a Name“ erinnert mich stark an die besten Zeiten von MARIANNE FAITHFUL. Spröde Stimme, selbst geschriebene Texte, die das Leben ihr vermittelte und Cover Versionen von Songs, die für sie konkrete Erlebnisse verkörpern. Die gut besetzte Band sorgt für den korrekten Background zwischen Blues-lastigem Rock, feinen Balladen und tanzbaren Anleihen aus Soul und Funk. Erstaunlich, m/f merkt es nicht, erfunden und produziert in good old Germany! Wie seinerzeit ASHA PUTHLI.

chillen & feiern

Was haben Schotten und Belgier gemeinsam? Nein, nicht Chips/Pommes! Beide können wundervolle Melodien finden. Der KESTON COBBLERS CLUB aus dem Norden der Insel klingt auf „Wildfire“, wie die ehrlichere Version von MUMFORD &… . Folk-Anleihen nicht als Türöffner bis sich besser bezahltes ergibt, sondern Harmonien und Instrumentarium aus der Tradition kommend in einen neuen, zeitgemässen Kontext eingearbeitet. Und einfach klasse Songs!
Auch wenn mir die Musik beinahe zu komplex ist, bin ich CHASSOL für den Rest meines Lebens dankbar. Weil er mein Vorurteil ‚karibische Musik ist immer fröhlich, und Party-tauglich‘ mit „Big Sun“ endgültig beseitigt hat.
Durchkomponiert von A-Z, Themen, die in Variationen auftauchen und rhythmische und harmonische Kapriolen, die ich ohne Übertreibung als ZAPPAesk bezeichne. Er spielt Klavier und fast alle anderen Instrumente und Geräusche und wandelt von sphärischen Klängen zu beinahe Ohrwürmern und zurück. M/F muss nicht aus einer mittelenglischen Industriestadt stammen, um ein Konzept-Album zu machen!
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1
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Autor: Günter

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