ELIN FURUBOTN/ ANDREAS HOURDAKIS/ JAN EGGUN/ JAY JAY JOHANSON/ FRANCO AMBROSETTI/ SHARON ROBINSON/ IBIZA SUNSET DREAMS

zwischen Sade und L. Cohen

Mit den Nordlichtern habe ich es irgendwie. Selbst, wenn sie sich in einer nordischen Sprache mitteilen und ich kaum ein Wort verstehe. In dieser Woche sind es gleich vier. ELIN FURUBOTN ist sicher keine Newcomerin. Klingt nach einer Songwriterin mit viel Erfahrung und gut trainierter, eher heller Stimme. Auf dem aktuellen Album „A Naerme seg det Naere“ wird sie u.a. unterstützt von Musikern des Stavanger Sinfonie-Orchesters. 10 eigene Kompositionen von grosser Ruhe und Abgeklärtheit, die trotz der grösseren Musikerzahl sehr durchsichtig und ‚Live‘ aufgenommen klingen. Unaufgeregt, aber mit viel Herz.
ANDREAS HOURDAKIS spielt Gitarre. Zusammen mit seinem Trio erinnert mich sein „In a Barn“ stark an John Abercrombie‘s „Timeless“. In Ton, Arrangements und Gesamtsound des kleinen Ensembles könnte dies gut eine aktuelle Fortsetzung des genannten Werkes sein. Die Gitarre dominiert, lässt jedoch Bass und Drums genügend Luft zum Atmen. Konservativ modern.
JAN EGGUN (mir auch bisher nicht bekannt) hat sich mit „Rio“ vermutlich einen Lebenstraum erfüllt. Mit brasilianischen Musikern in Rio aufgenommen, in der Heimat mit wenigen weiteren Instrumenten ergänzt lässt der Nordmann die Sonne aus den Lautsprechern scheinen. Weil wir Nordmenschen Saudade nicht kennen, gibt er einen Schuss uns geläufiger Melancholie hinzu. Er singt und spielt Gitarre, lässt gefällige Bossa eher aussen vor und nimmt Samba, Forro und andere am Zuckerhut geläufige Rhythmen als Basis für Songs der Spielklasse ‚entspannter, früher Chris Rea‘.

Und JAY JAY JOHANNSON, der den meisten aus der ehemaligen Downbeat Kiste bekannt sein dürfte. „Opium“ ist bereits sein 10. Album, ich erinnere mich bei weitem nicht an alle. Vielleicht waren sie nicht spannend genug, wahrscheinlich nur nicht intensiv genug gehört. Diese sehr wohl, und die ist äusserst gelungen! Songs mit meist tiefen Beats und leicht düsterer Aura untermalen seinen immer noch wunderbar melancholischen Gesang8IN Englisch!). Wer seine frühen Platten mochte, kommt an dieser nicht vorbei. Fast im Alleingang ausgedacht, arrangiert und produziert, als Hilfe nur das Team von Funkstörung.

Später Gruss an J. Coltrane

Was mich direkt zum nächsten Titel führt. Denn die, FUNKSTÖRUNG, legen ebenfalls ein neues Album vor. Ohne Titel, aber mit Konzept ist dieses Album, das 4. des Duos, bereits so etwas, wie ein reifes Spätwerk. Gezielt und sparsam eingesetzte Electronica, mehr Midtempo als schnell und unter den GastsängerInnen ist natürlich auch Herr Johanson.

Spätwerk kann m/f „After the Rain“ von FRANCO AMBROSETTI gerechtfertigt nennen. Mit hochkarätiger Besetzung liefert er seine Hommage an John Coltrane. Greg Osby, Buster Williams, Terri Lyne Carrington, Dado Moroni und Sohn Gianluca unterstützen und ergänzen ihn bei diesem Unterfangen. 8 meist lange Titel, gekonntes Ensemblespiel, inspirierte Improvisationen, eine Ohrenweide für Fans des Modern Jazz.

Genie-Streich von DJ Zappi

Mein Schmankerl der Woche ist „Caffeine“ von SHARON ROBINSON. Hört sich an, als sänge Sade Songs von Leonard Cohen. Das bitte nur als kürzest Beschreibung verstehen. 10 eigene Songs mit erstklassig ausgestatteter Band an der sonnigen Westküste aufgenommen. Und trotzdem kein ‚Happy go Lucky‘, sondern sehr persönliche Geschichten aus einem offensichtlich ziemlich bewegten Leben.

Hier reicht eigentlich ein Satz: Die Doppel CD „IBIZA SUNSET DREAMS“ ist definitiv die beste / interessanteste Lounge CD, die ich seit sehr langer Zeit gehört habe. Gute und bessere Kompilationen gab es in letzter Zeit einige, aber die hier ist eine Klasse für sich. Nicht langsam, aber zurückhaltend, keine Hits oder Ohrwürmer, dafür (mir) völlig ungeläufige Künstler und Titel in perfektem Fluss hintereinander. Glückwunsch DJ ZAPPI, so etwas gelingt nicht allzu oft.
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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