DAVID BOWIE/ AOIFE O’DONOVAN/ ANNE WYLIE/ RUSCONI + FRED FRITH/ SOUL SOK SEGA/ TRICKY

Rastloser Erneuerer seines öffentlichen ich, Sound-Sucher und Stil-Bilder, DAVID BOWIE geht uns einmal mehr voraus und knipst schon mal das Licht an. R.I.P.

Zurück in irdische (irische) Befindlichkeiten. AOIFE O’DONOVAN legt nach dem Achtungserfolg von „Fossils“ ihr neues Werk „In the Magic Hour“ vor. Wer genau hinhört, erkennt ihre irischen Wurzeln. Sowohl in der Musik, als auch in den Texten. Produziert und aufgenommen mit Freunden und Gästen in Portland / Oregon, entsprechend klingt ihre „Magic Hour“ deutlich nach den jungen amerikanischen Songwritern. Sparsam instrumentiert, ohne technische Spielereien, kann sie sich sicher verlassen auf die Qualität ihrer Songs und ihren eher zurückhaltenden Gesang. Die Damen und Herren bei YEP ROC (verlegen auch T.J. WHITE) wissen was, vor allem aber mit wem sie was tun!

Tief aus der irischen Song-Tradition schöpft ANNE WYLIE auf ihrem Album „Songs from the Seas“. Nach der norwegischen Seefahrer-Variante der letzten Woche hier das Pendant von der grünen Insel. Wobei der Vergleich etwas hinkt, hier gibt es ausser Wasser auch andere Themen aus dem grossen Fundus Irlands und das Album wurde in ihrer Wahlheimat Deutschland mit ihrer hiesigen Band aufgenommen. Die ist bestens auf ihre Gesangskünste eingestellt und untermalt und ergänzt ihren Vortrag vorzüglich. Mein Büro-Stereo weist noch auf den auffällig guten Klang hin!

nicht gesucht, aber gefunden!

Keine Ahnung, wie lange ANNE gebraucht hat, diese Band zusammen zu stellen, diese hier haben sich nicht gesucht und trotzdem gefunden: RUSCONI + FRED FRITH. „Live in Europe“ enthält 3 Tracks aus Konzerten im Züricher ‚Moods‘ plus 3 Titel Live aus dem Studio des NDR. Wie soll ich’s beschreiben? ‚Unbefangen experimentieren sie mit Stimmung, Atmosphäre, Klang‘ (Zitat), klingen mal fast romantisch harmonisch, dann wieder spröde, schrill und frei. M/F merkt ihnen den Spass am Akt des Schaffens von Klang und oder Rhythmus, von Struktur oder auch nicht, an. Das aus Prinzip Eskapaden-freundliche Trio ergänzt um den ‚gesetzlosesten‘ Gitarristen und Elektroniker der vergangenen 50 Jahre, eine Herausforderung für die grauen Zellen, und trotzdem wippen die Füsse unwillkürlich mit.

Pop History aus Mauritius

ANALOG AFRICA erfreut uns gerade mit „SENEGAL 70“, der Name ist Programm und STRUT geht noch ein paar Breitengrade weiter nach rechts und bringt uns „SOUL SOK SEGA“ einen Sampler mit 20 Tracks der 70er Jahre von der Insel Mauritius. Sega ist die traditionelle Musik dort, die im Lauf des vergangenen Jahrhunderts mit diversen europäischen und afrikanischen Stilen plus Soul und Funk von hinter dem grossen Teich angereichert wurde. Dabei entwickelten die heimischen Musiker einen durchaus unterschiedlichen aber sehr eigenständigen Sound. Rhythmisch und tanzbar, mit Texten von Liebe bis zu politischem Protest und so vielseitig instrumentiert, wie es die materiellen und technischen Möglichkeiten zuliessen. Frische Sounds aus frühen Zeiten für neugierige Ohren.

Tricky Skilled Mechanics

In regelmässigen Abständen bringt er neue Werke auf den Markt. Die jüngeren davon wieder deutlich akzentuierter und inspirierter, als lange zuvor. Für das aktuelle Album „Skilled Mechanics“ hat TRICKY mit DJ MILO, Drummer LUKE HARRIS und weiblichen Gästen am Mikrophon ein sehr gut funktionierendes Team zusammengestellt, das seine Ideen mit dem richtigen Elan umsetzt. Mal in Richtung Old School Hip Hop, mal Ballade (denke MASSIVE..) und gleich zu Beginn Reminiszenzen an sein 1. ‚Allein‘-Album. Gut ausgewogen zwischen Samples, Electronics und ‚echten‘ Instrumenten und im typischen etwas Bass-orientierten Sound. Keine Revolution, aber erste Klasse!

na dann... Tschüß!

i.m.trend@muenster.de

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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