JOE HAIDER/ JASON COLLETT/ DRESSY BESSY/ ED MOTTA/ MO’ BLOW/ ERIC TRUFFAZ QUARTET

Happy Birthday zum 80.!!

In der Vorwoche endete der Text mit einem Urgestein des Jazz in BRD. In dieser Woche geht es mit so einem los. JOE HAIDER, vielleicht der wichtigste fast unbekannte Jazzer dieses Landes ist gerade 80 geworden. Mit vielen Großen des internationalen Jazz stand (saß) der Pianist auf der Bühne, gründete in den 70ern die Munich Jazz School, leitete mehr als 10 Jahre die Swiss Jazz School in Bern und schenkt sich und uns jetzt eine neue CD. „Keep it Dark“, mit Rhythmusgruppe, 6 Bläsern plus Streichquartett. In neun meist langen Titeln, 8 eigene plus einer von DUKE ELLINGTON, lässt er uns einmal mehr an seiner Vorstellung von Jazz teilhaben. Arrangiert seine Kollegen durch komplexe Harmonien und vielschichtige Rhythmen. Von beinahe sinfonisch über lyrische Stimmungen zu expressiven Improvisationen und, na klar, swingen kann er auch wie der Teufel. Ein feines Dokument eines langen Musiker-Lebens. Übrigens, nachher ist auch gut, aber besser ist, Musiker zu unterstützen und zu ehren, so lange sie Leben!

Jetzt zu etwas im Vergleich sehr leichten. „Song and Dance Man“ ist der Titel des neuen Albums von JASON COLLETT. Und der ist gut gewählt. Der größere Teil der 13 Titel weist rhythmisch auf die 2. Hälfte der 70er, die Disco Phase. Allerdings verzichtet Jason auf jede Art von Zuckerguss oder Kitsch, trägt das ganze in seinem typischen Singer / Songwriter-Gusto mit kleiner Band und kompakten Arrangements vor. Es ist sehr unterhaltsam, diese etwas nach Retro klingenden Akkordfolgen so ganz anders instrumentiert zu hören. Ja, schöne Balladen kann er auch. Wunderbar klare Musik um den Tag zu beginnen.

DRESSY BESSY legen nach 7 Jahren Pause eine neue Platte vor. Mit Hilfe illustrer Gäste aus der US Independent Szene. Kurze Beschreibung: Wären die BANGLES nicht im sonnigen Kalifornien beheimatet gewesen, sondern im verregneten (oder verschneiten?) Denver, dann hätten sie etwa so geklungen. Eine Prise Hardrock Gitarren gibt es hier als Extra. „Kingsized“ hat aber sicher die gleiche Daseinsberechtigung, wie die von mir hier so gern abgefeierten VertreterInnen des Retro-Soul-Sound.

Aus Brasilien für die Welt.

Ganz offensichtlich für das Vinyl Format hat ED MOTTA sein neues Werk „Perpetual Gateways“ zusammengestellt. Die 1. Platte, ‚Soul Gate‘, setzt den Sound der äußerst gelungenen „AOR“ aus 2013 fort. Näher am Sound der späten STEELY DAN war vermutlich weder vorher noch später jemand. Platte 2 steht unter dem Motto ‚Jazz Gate‘. Hier werden die Arrangements etwas offener, die exzellenten Westküsten Studiomusiker können und dürfen ihren gesammelten Erfahrungsschatz einbringen. Von einer einschmeichelnden Ballade eingeleitet folgen 4 Tracks, die die Bezeichnung Soul Jazz mit der Betonung auf Jazz unbedingt verdienen. Was seinen Gesang angeht, besser war er nie.

Nach 3 Alben und mehr als 10 Jahren Leben ‚On the Road‘ mit Konzerten rund um die Welt, legen MO‘ BLOW jetzt eine Pause ein. Aber nicht ohne sich uns mit einem fulminanten Funk Jazz Set ins Gedächtnis zu brennen. „Live in Berlin“ mit u.a. PAT APPLETON und NILS LANDGREN als Gästen und deutlich länger als 1 Stunde zeigt die Band in Hochform. Fette Grooves, das unverkennbare Fender Rhodes und die markanten Saxofon-Linien, Rhythmen, die sofort ins Bein gehen ohne den Kopf auszuschalten.

Vielseitig wie immer.

Aus Platzgründen nur kurz, dafür umso dringender ans Herz gelegt: Das ERIC TRUFFAZ QUARTET mit seiner neuen Platte „Doni Doni“. Dieses Mal ganz ohne Elektronik, aber wie immer wieder gern, mit musikalischen Einflüssen aus der ganzen Welt. Von sanften Stimmungen zu echten Jazz-Rockern, aber immer wieder auf den Boden geholt von ROKIA TRAORE, die 4 Titel mit ihrem ungewöhnlichen Gesangsvortag veredelt. Zeit nehmen, anhören und im Kopf die Welt hinter sich lassen!

na dann... Tschüß!

i.m.trend@muenster.de

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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