STEFAN STRAUBINGER mit SPUI’MA NOVAS/ LA BANDA MORISCA/ MOR KABASSI/ ANDREAS ARNOLD/ SANTO MACHANGO/ MIRA, UN LOBO/ VOLKER ENGELBERTH/ DJ SHADOW/ THE COLE SLAW CLUB

Auch in dieser Woche wieder vieles aus der Sektion World Music. Und die beginnt bei mir in Deutschlands Süden. STEFAN STRAUBINGER, mit SPUI’MA NOVAS, präsentieren bayrische „Tanzboden Grooves 2016“! Heimische Standards, die auf keinem Tanzboden fehlen dürfen zusammen mit selbst Geschaffenem in sehr humorvoller, eigenwilliger Variation. Akkordeon, Dudelsack, Kontrabass, E-Gitarre und Bläser unterstützen ihn dabei. Volksmusik kann ganz anders daherkommen, als uns der Mutantenstadl jahrzehntelang vorgegaukelt hat.

Von nicht viel weiter weg, aus Spanien, kommen LA BANDA MORISCA und ihr „Algarabya“. Mit zum grössten Teil traditionellem Instrumentarium bewegen sie sich auf den Wegen der verschiedenen musikalischen Überlieferungen, die dort ihre Spuren hinterlassen haben. Flamenco gemischt mit arabischen und anderen mittelalterlichen Stilen habe ich in dieser handwerklich erlesenen Form selten gehört.

Ebenfalls stark von überliefertem Liedgut inspiriert ist „Ojos de Nova“, das aktuelle Album von MOR KABASSI. Ihre hohe Stimme klingt ein wenig nach Morgenland, die Songs beinahe, wie moderner Minne-Gesang mit einem kräftigen Schuss LOREENA MC KENNITT. Erstaunliche Gäste, u.a. RICHARD BONA und die TOMATITO Familie machen das Werk rund.

Räumlich entfernt, aus N.Y., musikalisch nahe dran ist ANDREAS ARNOLD’s „Ojos Cerrados“. Exzellenter deutscher Flamenco Gitarrist arbeitet seine Vorstellung von Jazz in die Musik ein. Nicht ganz so flitzefingerig wie einst AL DI MEOLA, nicht ganz so Pop orientiert, wie OTMAR LIEBERT. Kann m/f sich sehr leicht ‚schön‘ hören!

Ganz anders, aber auch aus Spanien, SANTO MACHANGO. Als Teil der ‚Blackcelona‘ Szene liefern sie, der Titel deutet es an, mit „Mojo“ knackigen Streetfunk á la RED HOT CHILI PEPPERS zu Zeiten, als sie von GEORGE CLINTON produziert wurden. Heftige Rock-Riffs, Hip Hop Vokal-Einsätze und feiste Bläser schieben das Album kräftig nach vorn.

Nach so viel Lebensfreude und positiver Energie klingt das synthetisch angereicherte Album von MIRA, UN LOBO „Heart beats slow“ fast nach Endzeitstimmung. Aber nur fast, elektronische Beats und Verfremdungen, die auf Kenntnis der 1. PORTISHEAD schliessen lassen und der deutliche Wille, nur keinen eingängigen Pop aufkommen zu lassen. Viel gewollt und davon auch viel geschafft!

Jetzt im Quintett

Um eingängige Songs ging und geht es VOLKER ENGELBERTH weder in seinem Trio, noch jetzt im Quintett. Er komponiert die Musik, spielt Piano und wird von Bass, Drums, Trompete und Sax unterstützt. Sein „Jigsaw Puzzles“ ist moderner Jazz in der besten Tradition, nicht zu gefällig und nicht zu frei, mit nachvollziehbaren Melodie-Linien in rhythmisch geschickt gestrickten Arrangements.

Immer auf neuen Wegen.

Vor gut 20 Jahren tauchte sein „Endtroducing“ in den Läden auf, seither definiert m/f den Begriff Sample-König mit seinem Namen: DJ SHADOW. „The Mountain will Fall“ nennt er sein 2016er Album und das unterscheidet sich stark von damals. Durch eine andere Musik-Software, die Rapper von RUN THE JEWELS, vor allem aber durch die Beteiligung von MATTHEW HALSALL (GONDWANA ORCHESTRA) und NILS FRAHM. Düstere Klang- und Beat Kaskaden, Twang Gitarren, komplexe Rhythmus-Muster und gewollt ungewöhnliche Sounds. Hört m/f nicht ‚so nebenbei‘, dieser Berg fordert Aufmerksamkeit.

Raritäten-Sammlung

Zum 5. Jubiläum des Hamburger „THE COLE SLAW CLUB“ legt die BEAR FAMILY einen Sampler mit 17 ausgesucht seltenen Club-Favoriten aus den Nischen ‚ursprünglicher Rhythm and Blues‘, ‚extrem tanzbarer Rock’n’Roll‘ und ‚angejazztes Tanzmaterial mit fetten Bläsern‘ vor. Es sind sogar 4 Namen darunter, die ich schon mal gehört habe, also ein wenig in Richtung GASOLIN am Freitag. Nie gehört, geht ab, wie nix und ist damit bester Background zum Feiern der Eröffnung des Wochenendes.

na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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