MAGIC FLUTE/ THEODORE/ CARROUSÉL/ MI SOLAR/ PAAL FLAATA/ VINICIO CAPOSSELA

Was für eine Stimme!

In dieser Woche wird es eine rein europäische Angelegenheit. Mit Ausnahme des 1. Produkts. Das ist dafür gleich ein 5 (fünf!) CD Set für die Freunde der Flöte. Eine CD mit Werken aus der Klassik (von Bach bis Varese) mit renommierten Interpreten (Rampal, Oberlinger..), 3 weitere CDs mit den unterschiedlichsten Ausführungen dieses Instruments aus aller Welt, aus allen Genres von Folklore bis Jazz, auch hier ‚grosse Namen‘ (Jethro Tull, Y. Lateef, E. Dolphy u.v.m.). Dazu im feinen Leinen-Einband verpackt und mit mehr als 100 Seiten Textbuch mit geschmackvoller Bebilderung. Als krönende Zugabe liegt ausserdem der Mitschnitt des MAGIC FLUTE PROJECT’s vom TFF 2012 in Rudolstadt bei. Zugegeben, die habe ich noch nicht ganz hören können. Von absoluten Fachleuten fast wissenschaftlich aufbereitet, ist „MAGIC FLUTE“ bereits die 6. Ausgabe in der Reihe ‚World Music Instruments‘, die dem und der Interessierten bislang das Banjo, die Klarinette, die Harfe, das (die?) Kamancheh und natürlich die menschliche Stimme in den verschiedensten Gesangs-Ausprägungen näher bringt.

Vom Kulturgut jetzt aber direkt zum Pop. THEODORE heisst er, kommt aus Griechenland und lebt in London. Mit sanfter Stimme am Klavier und Band plus Streicher-Ensemble liefert er auf „It is but it’s not“ eine in jüngerer Zeit selten gehörte Mischung aus wohlklingenden, getragenen Harmonien auf komplexen Rhythmen. Das weckt Erinnerungen, an frühe Genesis oder King Crimson, gepaart mit der orchestralen Finesse eines Harold Zimmer. Faszinierendes Epos, nix für zwischendurch sondern klar für den Abend vor dem Stereo.
Die erste leichte Muse dieser Woche kommt aus Frankreich. CARROUSÉL, gemischtes Doppel bietet auf „L’Euphorie“ neues französisches Chanson. Nicht so kunstvoll verstiegen wie Herr Biolay, sondern schwungvolle, klare Harmonien im optimistischen Gewand. Ohne Elektroniks, dafür mit vielen gern gehörten ‚richtigen‘ Instrumenten und einem Fuss im Topf der heimischen 60er. Singen und säuseln können sie sehr wohl jeder für sich, als auch gemeinsam in 2 Stimmen. Fein und sehr unterhaltsam!

Bonjour la France

Die zweite kommt aus Berlin. 6 Personen stark und nach den Namen aus mindestens 3 Nationen zusammengesetzt. Zusammen mit wechselnden 8 Gästen spielen MI SOLAR Salsa! „Tiempo libre“, ganz im Stil der 90er, also echte Bläser (nicht vom Keyboard) und keine programmierten Rhythmen. Gesungen wird in spanisch (Muttersprache der Sängerin) oder englisch bis auf ‚Berlin City‘, einer charmanten deutschen Version des Welthits ‚Happy‘ in die der Latin-Hit ‚I like it like that‘ eingearbeitet ist. Gekonnt gecovert mit deutlich eigener Handschrift.

Auf in den Norden. PAAL FLAATA interpretiert auf seinem 3. Solo-Werk „Bless us all“ 10 Songs von MICKEY NEWBERRY. Absolut unaufgeregt mit angenehm warmer Stimme macht er die fremden Werke zu überzeugenden eigenen Versionen. Ob mit ganz kleiner Besetzung oder mit Band und Orchester, die Blues-getränkte emotionale Qualität der Originale bleibt bei so gekonntem Umgang niemals auf der Strecke.

Grossartiges Spätwerk!

Opulentes Spätwerk aus Italien. VINICIO CAPOSSELA liefert nach mehr als 10 Jahren Pause vielleicht das Album seines Lebens ab. Gleich ein doppeltes, mit übergrosser Verpackung und jeweils 1 Booklet für jede der 2 sehr unterschiedlichen CDs (auch als 4LP Set!). Auf CD 1, Titel ‚Polvere‘ bewegt er sich musikalisch in der Tradition seiner Heimat, Volkslieder, Tänze, Melodien und Themen und Gedanken zum Leben der einfachen Menschen. CD 2, ‚Ombra‘ bietet eher dunkle Klänge zu entsprechenden Themen, musikalische Einflüsse kommen hier zusätzlich aus dem anglo-amerikanischen Bereich. Ähnlichkeiten mit den ‚grossen Alten‘ (J.J.; Willy; Dr. John) sind hier sicher nicht zufällig. Sein Gesangs-Stil ist garantiert Ramazzotti frei, eher ein Paolo Conte ohne dessen Jazz-Affinität. „Canzoni della Cupa“ ist ein echter Grund italienisch zu lernen. Unbedingt empfohlen!

na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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