JOE HENDERSON/ MONTY ALEXANDER/ OT AZOJ/ CAMERA/ ALAN ABRAHAMS/ BEATY HEART/ HALEY BONAR/ JOSHUA TOLCHIN/ BRETT NEWSKI/ JEREMY & THE HARLEKINS

Verwandt mit James Blake?

Zum Start ‚Oldies‘. Klanglich exzellent restauriert und neu gefertigt auf LP und CD gibt es seit Mitte Juli 5 Klassiker des MPS Labels aus dem Schwarzwald. Zwei davon will ich hier speziell erwähnen. Zum einen JOE HENDERSON’s „Mirror Mirror“ im Quartett mit Chick Corea, Ron Carter und Billy Higgins. Ein Meilenstein des modernen Jazz, da stimmt auch der All Music Guide zu. Und besser geklungen hat sie noch nie. Und MONTY ALEXANDER’s legendärer Auftritt beim Montreux Festival 1976, der ihn beinahe aus dem Nichts in die oberste Liga der Jazz Pianisten katapultierte. Begleitet von John Clayton am Bass und Jeff Hamilton an den Drums verbindet der Jamaikaner die Virtuosität eines Oscar Peterson mit dem unterschwellig mitschwingenden Rhythmus seiner Heimat und der Tradition des amerikanischen Blues und Gospel. Da freuen sich die Lautsprecher. Die anderen 3 empfiehlt der Plattenhändler Eurer Wahl auf Anfrage persönlich!

Musik mit einem ordentlichen Schuss Balkan findet m/f seit geraumer Zeit reichlich. Eine so Jazz orientierte Variante, wie die von OT AZOJ ist mir allerdings noch nicht vorgekommen. Klar, tanzen kann m/f dazu auch (wer’s kann..), aber Vorsicht, nicht stolpern! Die kommt rhythmisch gelegentlich schön vertrackt um die Ecke. „Dza Dza Dzum“ heisst das Ding, und gibt’s, wenn nicht im Stream, dann auf jeden Fall in der MUSIK-aPOTHEKE zu hören.

Verwandt mit Tom Petty?

Zum Projekt CAMERA habe ich wenig Info. Aufgenommen in Berlin klingt „Phantom of Liberty“ für mich nach einer Vorliebe für 80er Jahre Instrumente und deren Sounds in Arrangements, wie ich sie von Prog Rock Bands kenne. Instrumental, ungewöhnlich, aber mit packenden Passsagen.

Als ALAN ABRAHAMS „Portable“ das erste Mal lief, habe ich auf der Hülle direkt nach Namen gesucht. Track 1 könnt gut auch von James Blake stammen. Aber K7 (sein Label) wäre nicht sein Label, wäre er Kopierer. Die Titel mit Gaststimmen haben eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Sound des Genannten, machen aber nur ein Drittel des Albums. Auf den andern 8 Tracks verarbeitet er Breakbeats, lässt die geraden Vier durchscheinen oder erschafft sphärische bis düstere Sounds ganz ohne Groove. Liest sich theoretisch, kommt als Klang jedoch sehr organisch und trotz, vielleicht gerade wegen, der angewandten Experimentierfreude sehr spannend ‘rüber.

MPS Klassiker neu auf LP/CD

Zu denen hier fällt mir kein Vergleichsname ein. BEATY HEART nennen sie sich, „Till the Tomb“ das Album. Komplett elektronisch erzeugt, aber ganz eindeutig Pop-Song-Strukturen. Ausgefallene Melodien, ausgefallener Gesang, trotzdem sehr eingängig mit Harmonien und Refrains, die schon beim ersten Anlauf greifen. Gefällt mir sehr weil überhaupt nicht gefällig!

Auf wenig Platz noch 4x Amerika. HALEY BONAR’s „Impossible Dream“ ist wahr geworden. Sie konnte diese CD aufnehmen. Singt mit hoher Stimme, schreibt die Songs selbst und hat eine frische Band im Rücken. 10x junger Pop im Sinne von Blondie.

JOSHUA TOLCHIN will sich auf „Thousand Mile Night“ nicht eindeutig festlegen, ob er Enkel von Johnny Cash oder eher Sohn von Tony Joe White sein möchte. Zwischen Songwriter, Country Roots und etwas Swamp Rock mit kleiner Combo und guten Songs. Echtes Handwerk.

Bei BRETT NEWSKI würde ich drauf wetten, dass er mit Tom Petty verwandt ist. Das umschreibt seine Musik recht gut, seine Songs haben Klasse, der Gesang passt, lediglich ein ‚Into the great white Open‘ ist nicht darunter. „Land, Sea, Air, Garage“, heisst das zu deutsch ‚Stadt, Land, Fluss‘?

JEREMY & THE HARLEKINS spielen heute das furiose Finale. Gemischt aus Stadion fähigen Rockern á la Bruce S., dem ‚is mir doch egal‘ Ansatz von Jonathan Richman und Anleihen aus dem Rock’n’Roll der 50er und 60er. Ist das der Sound des jungen, Smartphone‘ unabhängigen New York?
na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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