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AUGUSTIN LARA & ALMA/ THE BOYS YOU KNOW/ CASS McCOMBS/ STRAY BIRDS/ MILD HIGH CLUB/ FLORENCE JOELLE/ ANDREA SCHROEDER

Zum Start mal etwas Politisches. AUGUSTIN LARA, kurz gesagt das Sprachrohr der Farmarbeiter- und Chicano Bürgerrechtsbewegung in den USA seit den frühen 60ern, veröffentlicht bei SMITHSONIAN FOLKWAYS (wo sonst?) eine Sammlung seiner wichtigsten Protest- und Widerstandssongs. Mit seinem Trio ALMA intoniert er 16 Titel im besten Woody Guthrie / Pete Seeger / Joan Baez Style. In spanisch und englich gesungen, und beinahe zu schön arrangiert und vorgetragen. Die „Songs of Struggle and Hope“ schmerzen nur, wenn m/f auf den Text achtet.

Ausgesprochen amerikanisch klingen auch THE BOYS YOU KNOW. Dabei kommen sie wohl eher aus dem Süddeutschen. Gab es in der letzten Woche mehrere Anwärter auf den ‚Tom Petty des Jahres‘, klingen die Boys deutlich mehr nach dem Boss Bruce in seiner ‚Darkness‘ Phase. Dabei gelingen den Jungs einige Songs, über die der Boss sich sehr freuen würde, wären sie ihm eingefallen. „Elephant terrible“ ist handwerklich korrekt, und am Sound habe ich nicht gemerkt, dass sie keine Amis sind.

Wenn ich richtig gezählt habe, ist „Mangy Love“ bereits Album Nummer 10 von CASS McCOMBS. Ich erinnere mich an keines von denen, aber das aktuelle Werk klingt für ein Album des Labels ANTI beinahe zu perfekt. Klasse Songs in vielfältige feine Arrangements verpackt und die recht bissigen Texte mit sanfter Stimme eindringlich vorgetragen. Fast keine Ecken und Kanten, einfach schön und rund. 12 Songs, fast eine Stunde Ein- und Ansichten eines Songschreibers, der im Lauf der Zeit viel gesehen und erlebt hat und eine interessante Art und Weise gefunden hat, dies weiterzugeben.

YEPROC ist eines der anderen US Labels, denen ich eigentlich immer ein Ohr gönne. Neben ihrem ‚Flaggschiff‘ TONY JOE WHITE finden sie immer wieder neue Talente, die des Hörens wert sind. In diesem Fall die STRAY BIRDS. Deren „Magic Fire“ könnte gut ein Lagerfeuer sein. Zwar spielen sie ihren Country-Rock elektrifiziert, aber der mehrstimmige Gesang und die geradlinig melodischen Songs funktionieren ganz sicher auch ohne Strom.

…auf der Suche

Mit seinem 2. Album stösst der MILD HIGH CLUB eine ganz andere Tür auf. Auf der Suche nach den Spuren des spezifischen Sounds und Geist der amerikanischen (Pop-) Musik streift er auf „Skiptracing“ Gefilde von Steely Dan bis Todd Rundgren, berührt Soul und Funk und nicht zuletzt die amerikanischste aller Musiken, den Jazz. Nicht sofort eingängig, dafür mit ungeheurer Langzeitwirkung.

Charmante verführung

Das Vorgänger-Album „Stealing Flowers“ ist hierzulande fast ungehört verhallt. Dem neuen Versuch, FLORENCE JOELLE’s „Life is beautiful“, soll das nicht passieren. Neue Musiker, neue Songs, fast alle selbst verfasst, aber nach wie vor die gleiche Passion für ‚ihre‘ Musik. Ein sehr entspanntes Gemisch aus Gipsy Swing, Chanson und Oldtime Jazz. Gitarre, Bass, Perkussion plus gezielt eingesetzte Gäste (Posaune, Orgel) und Florence’s erotische Stimme swingen durch die 10 Titel, dass es den Ohren eine Freude ist. Charmant in allen Tonlagen.

Noch einmal gesteigert!

Ihr vorhergehendes Album war sowohl bei Kritikern, als auch beim Publikum ein voller Erfolg. Das schraubt Erwartungen hoch. Und sie erfüllt sie. ANDREA SCHROEDER’s neue Platte „Void“ zeigt, dass sie zu Recht in einem Atemzug mit P.J. Harvey oder Nick Cave genannt werden darf. Songs mit Biss, ohne dass sie zu diesem Zweck schroff arrangiert werden mussten. Und ihr Gesang, zwischen sanfter Melodik und exakt bestimmter Schärfe im Ton, rundet die klar strukturierten, passend vorsichtig arrangierten Songs perfekt ab. Ein sicherer Kandidat für die ‚lange Halbwertzeit‘ Tabelle.

na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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