DR. RING DING/ GROUPA/ HARRY STOJKA/ BARCELONA GIPSY BALKAN ORCHESTRA/ RODRIGO LEAO & SCOTT MATTHEW/ DELEYAMAN/ TORE AUGESTAD/ POALO FRESU QUINTET

Das Wichtigste vorweg. Weil Weihnachten nur „Once a Year“ ist, und es die CD schon im letzten Jahr gab, legt Richard Jung, a.k.a. DR. RING DING, geschätzt und respektiert in aller Welt, ausser in Münster, zu diesem Krippenfest seine schwungvoll groovende Adaption saisonalen Liedgutes in der Vinyl-Variante vor. Jetzt gibt es keine Ausrede mehr!

Themen aus der schwedischen Folklore hat sich die GROUPA vorgenommen, um sie zeitgemäss, jazzig und ziemlich frei neu zu interpretieren. „Kind of Folk“ ist sowohl Album- als auch Arbeitstitel, wer sich schon mal mit dem Schaffen von Terje Isungset befasst hat (spielt hier Drums, Perkussion und Mouthharp), hat direkt eine Vorstellung davon, wie weit sich eine Improvisation vom Thema weg bewegen kann, ohne verloren zu gehen.

Sehr nahe und erkennbar an den Originalen entlang hangelt sich HARRY STOJKA auf seiner „A Tribute to the Beatles“. 17 Titeln aus dem Fundus der Pilzköpfe gibt er mal deutlich, mal eher unterschwellig seine Vorstellung von Gipsy Swing mit auf den Weg. Amüsant und schwungvoll, und gaaanz viel Gitarre.

Nomen est Omen, also muss ich zum BARCELONA GIPSY BALKAN ORCHESTRA nicht viel schreiben. Denn die spielen exakt das Programm ihres Namens. Von Höllentempo zu Herzschmerz wird alles geboten. „Del Ebro al Danube“, vom Ebro zur Donau, so weit, wie mit dem Auto, ist das musikalisch nicht voneinander entfernt.

Eine ganz feine, sensible und leise Singer/Songwriter CD mit kleinstmöglichem Besteck ist das Solo Album von ANDREW PALEY geworden. Zu sparsamster Klavier- oder Gitarrenbegleitung kehrt er sein Seelenleben nach aussen. „Sirens“ ist sehr intim, sehr nahe am Interpreten und sehr zerbrechlich, als wäre die CD heimlich in seinem Wohnzimmer mitgeschnitten worden.

Seele Portugal, Gesang Amerika

Zwei richtig ‚Grosse‘ tun sich zusammen und schaffen ein Album, dass grösser ist, als die beiden Teile. RODRIGO LEAO, bereits seit Madredeus Zeiten hochgeschätzter Komponist und Arrangeur plus SCOTT MATTHEW als Texter und Sänger. „Life is long“ ist portugiesische Melancholie in kleiner und grosser Band Besetzung mit Synthies, Streichern und allem was die Stimmung eines Songs braucht, als beinahe symphonischer Hintergrund für den Mann mit der Ausnahmestimme. Wer Musik liebt, die nicht schon nach 30 Sekunden ihren gesamten Inhalt ausgebreitet hat, findet hier eine Perle!

Ja, ich vermisse Dead can Dance auch.

Das lehrt Demut: „The Lover, the Stars and the Citadel“ ist bereits das 7. Album von DELEYAMAN. Obwohl ich den Musik-Acker schon sehr lange Pflüge, hatte ich von denen noch nie etwas in der Hand. Und was für ein schönes Werk! Die Wurzeln sicher in den etwas sphärischen 80ern und haben diese Klänge perfekt in das neue Jahrtausend transferiert. Die Hilfe von Brendan Perry hat dazu sicher einiges beigetragen. Denn an die sanften Passagen der frühen Dead Can Dance hat mich dieses Werk sofort erinnert. Sänger und Multi-Instrumentalist plus Sängerin, teils englisch, teils französisch gesungen und mit langsamen Rhythmen, schwebenden Melodien und viel Hall eine betörende Musik für das Jahresende.

Mit ‚Sti-hi-lle Nacht‘ habe ich’s nicht so. Trotzdem höre ich gern winterliche/weihnachtliche Themen, wenn sie so erstklassig dargeboten werden. TORE AUGESTAD, Stian Carstensen, Mathias Eick, Martin Taxt und Pal Hausken bilden eine perfekte kammermusikalische Einheit. Zusammen präsentieren sie auf „Music for a while“ winterliche Musikstücke aus diversen Jahrhunderten, von Bach, Schubert, Dowland, in Kombination mit traditionellen Liedern. Damit es durch die klassisch ausgebildete Sängerin nicht zu feierlich klingt, bauen die vier Herren einen eher jazzig geprägten Kammermusik Hintergrund mit für diese Musik ungewöhnlichen Instrumenten. Die erste etwas andere Feiertagsplatte.

Zum Mitsingen nicht geeignet!

Mit Weihnachten begann es, heute geht es auch damit zu ende. Das „Jazzy Christmas“ Konzert des PAOLO FRESU QUINTET gibt es jetzt auf Tonträger! Amerikanische und italienische Weihnachts-Weisen von der Combo kurz erkennbar vorgestellt und dann wohlklingend und angemessen ausimprovisiert. Mit speziellem Gast Daniele de Bonaventura am Bandoneon. Da schalte ich weder bei ‚Joy to the World‘ noch bei ‚White Christmas‘ ab!

na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2016