ALLMAN BROWN/ NOMFUSI/ CHUCK PROPHET/ RETO BURRELL/ SUMMER MOON/ ONOM AGEMO & DISCO JUMPERS

Wer, ausser Musik zu hören, auch noch freie Zeit hat zum Fernsehen, hat ALLMAN BROWN’s Songs vielleicht schon in der einen oder anderen US TV Serie gehört. Der Erfolg seines Songs ‚Sons and Daughters‘ war der Startschuss zur Produktion seiner ersten Platte. Mit den 11 Songs von „1000 Years“ präsentiert er sich als versierter und sehr emotionaler Songschreiber. Inspiriert von Vorbildern, wie Ryan Adams oder James Vincent McMorrow legt er seine Messlatte hoch, bleibt harmonisch und melodisch zwar im durchaus konventionellen Bereich, klingt dank elektronischer Unterstützung und wohl überlegtem Instrumenten Einsatz sehr frisch und überzeugend. Folkige Songs mit modernen Methoden und ausgezeichneten Gaststimmen.

Soul Music aus Südafrika

Soul Musik in sehr unterschiedlicher Ausprägung liefert NOMFUSI auf ihrem neuen Album „African Day“. Kein Wunder, dass sie mit diesem Repertoire vornehmlich für Jazz Clubs gebucht wird (in Münster am 12.3. im Hot Jazz), beginnt das Album doch, wie eine bessere Incognito Platte, führt über Ausflüge in Richtung Motown, vor allem aber 80er Jahre Soul, in 14 Variationen durch ihre Vorstellung zeitgemässer Musik, die mit ‚der Hand‘ gemacht ist. Mit ihrer vielseitigen und kräftigen Stimme schafft sie es mühelos, sich gegen den voll arrangierten Background mit Bläsern und den anderen Instrumenten durchzusetzen.

An American Man

Schon zu seinen letzten 3 Platten habe ich ihn als ‚Vater von Tom Petty‘ tituliert, was bei dessen Alter schon eine echte Leistung wäre. Aber näher als mit „Bobby Fuller died for your Sins“ wird CHUCK PROPHET wahrscheinlich nie mehr an den Sound von Petty’s Debut-Album kommen. 2 Gitarren, Bass, Drums (kein Keyboard!), das ist für ihn Rock’n’Roll. Geschichten zwischen Tellerwäscher zum Millionär und Gosse und im Hinterkopf ‚I fought the Law‘. Geradlinig vorwärts, geschickt platzierte Unterbrechungen mit eigentlich simplen Riffs und der Chuzpe der frühen B52’s. Es muss nicht zwangsweise schön klingen, sondern in erster Linie abgehen. Da kann er sogar mal eine klassisch amerikanische Ballade einstreuen.

Noch ein alter Haudegen, dieses Mal aus der Schweiz. Seit 20 Jahren im Musik Geschäft, trotzdem hier noch nicht so recht angekommen. Wenn ich den Chuck von gerade in die Nähe des rockigen Herrn Petty verorte, mache ich mit RETO BURRELL einen Schritt zu Seite und stelle ihn in die Reihe mit den Traveling Wilburys. Feine Songs, handgemacht, mit akustischer oder halb-elektrischer Gitarre im Vordergrund. Melodien und Refrains, die sofort zünden und im Gedächtnis bleiben. Für die erste Hälfte. Das Album heisst „Side A & B“, weil er die zweite Hälfte fast im Alleingang, nur mit Gitarre und Stimme bestreitet. Da zeigt sich erst recht, dass er zum Weizen gehört, nicht zur Spreu. Erstklassiger Songwriter mit toller Stimme.

SUMMER MOON ist das Projekt des Strokes Bass-Spielers mit Freunden und Geistesverwandten aus anderen durchaus bekannten Combos. Im Vergleich zu den beiden vorgenannten Platten merkt m/f hier sofort, dass Musiker einer anderen Generation am Werk sind, die sich weniger mit der US Songtradition als vielmehr mit der britischen Variante Punk und Wave sozialisiert haben. Riffs und Basslinien, die uns Joy Div. oder Cure nahebrachten, aber auch mal superflotte Stakkatos, wie sie US Punks (Ramones) im Songbuch haben. Frisch, flott, unprätentiös und handwerklich und musikalisch durchaus ausgefuchst.

Fela Kuti gegen Can..?

Es hat doch wohl niemand geglaubt, dass diese Seite ohne Rasseln und Bongos zu Ende ginge? ONOM AGEMO and his DISCO JUMPERS feuern ihre „Liquid Love“ Rakete ab. Keine Ahnung, wo die herkommen, Afrikaner sind nicht dabei. Aber die haben sicher viel Musik von dort gehört. Und Can und noch mehr Krautrock. Daraus Mischen sie eine äusserst lebendige Mischung, Afro Beat goes Kraut, mit Stopp in Marokko, mit Bambusflöten, Schweine-Orgel und allem, was das neugierige Ohr fasziniert. Mehr Lobhudeln geht hier nicht, unbedingt selbst hören!

na dann... Tschüß!
i.m.trend@muenster.de

Reinhören & Verlieben
samstags von 11-15.00 Uhr:
Günter’s MUSIK-aPOTHEKE
Breite Gasse 1

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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