JUVENILES/ CAMERON GRAVES/ ESPOO BIG BAND/ BARGOU 08/ LA FELINE/ FINK

Und sofort kommt der passende Sound zu den ersten richtig warmen Sonnenstrahlen, die uns in den vergangenen Tagen erreichten. Das 2. Album der bretonischen JUVENILES. Knietief in den Sounds der britischen 80er, zwischen New Order und den Happy Mondays, mischen sie allerdings eine fette Prise französischen Neu-Pop á la Air oder Daft Punk dazu. Noch dazu haben sie auf „Without Warning“ ein gutes Händchen für griffige Melodien und Refrains und eine prima Balance gefunden zwischen programmierten Klängen und konventionellem Rüstzeug. Bitte ein grosses Eis für den jungen Mann in der Ecke!

Diese hier kommt ungleich schwieriger. „Planetary Prince“ von CAMERON GRAVES ist lupenreiner Rock-Jazz, wie er seit den 70er Jahren entwickelt wurde. Mit Piano, Bass und Drums erinnert das ganze nicht zuletzt an die grosse Zeit von Stanley Clarke oder Mahavishnu Orchestra. Allerdings ohne die Saiten-Instrumente so sehr zu betonen, wie die vorgenannten. Statt dessen verstärkt sich das Basis Trio mit 3 Bläsern, die dafür sorgen, dass die explosiven Titel nicht zu deutlich in Richtung Rock ausschlagen. Vertrackt ausgeführte Rhythmen und ausgebufftes Handwerk inklusive. Zwecks Namedropping: Das Saxofon spielt Kamasi Washington.

Nach dem abgedrehten Mundharmonika-Quartett Sväng von neulich habe ich hier noch ein paar ungewöhnliche Finnen. Zwei ehemalige Gitarristen der Leningrad Cowboys (wie viele hatten die?) spielen zusammen mit der ESPOO BIG BAND neu arrangierte Titel der Jazz-Rock Band Husband. Nicht irritieren lassen, die kenne ich auch nicht… Ich sage, nicht nur NDR und WDR haben exzellente Big Bands. Diese Bande hat ordentlich Pfeffer im Hintern, verpasst sich ausgefuchste Arrangements und bewegt sich sicher von frickelig Free zu einwandfrei swingend. „Lauma“, Ohren auf für eine weitere nordische Offensive!

Tradition modern aus Tunesien

Von den blechernen Bläsern zu Instrumenten aus ganz anderem Material. BARGOU 08 bedienen sich sowohl traditioneller Melodien und Rhythmen, als auch der dazugehörigen Instrumente. Allerdings geben sie der Tradition einen ordentlichen Schuss Moderne. Flott und auf den Punkt, mit einem nicht mehr ganz jungen Keyboard unterlegt, diese ‚Wüstensounds‘ lassen sich problemlos in ein treibendes House-Music-Set integrieren. Allerdings wird „Targ“ wegen seines arabischen Gesangs deutlich aus der grauen Beatmasse herausstechen.

Französischer Charme experimentiert

Nach diesen Herausforderungen wird es jetzt wieder etwas konventioneller. LA FELINE, sie, Agnes Gayraud, schreibt die Texte, mit ihm, Xavier Thiry, zusammen entwirft sie Sounds und Melodien. Die Zehenspitzen in der Chanson-Tradition, die Finger an der Beat-Generation der 60er und mit Herz und Seele bei den Pop-Duos der 80er und 90er. Charmante Songs mit viel Wärme und Wohlklang, mal eher geflüstert, auch schon mal klar gesungen. Schade dass Serge G. nicht mehr lebt, der hätte mit den beiden die Welt erobert.

Hat den Blues schon immer

Mein Highlight der Woche ist die neue Platte von FINK. Den Blues hat er schon immer (zumindest zuletzt..) als Basis. Sein „Sunday Night Blues Club“ heisst jetzt auch so. 8 weitere Exkursionen auf wenigen Grundtönen, orientiert an den Gitarren-Grössen aus Mali, gelegentlich mit dem Duktus eines J.L. Hooker und selbst gospelartiger Gesang oder Streicher-Einlagen können das Blues-Feeling nicht verdrängen. Langsam wie gewohnt, und viel mehr Töne als bei ihm Norm spielt er auch hier nicht. Reduced to the Max oder besser zurückgenommen intensiv.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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