JOAN OSBORNE/ ZAPPA/ VENN/ WOODY GUTHRIE’s ROLL COLUMBIA/ -M-TOUMANI/SIDIKI DIBATE/FATOUMARA DIAWARA/ SIMONE KOPMAJER/ DOMINIC MILLER

Gut Gehirn gewaschen, das Publikum. Wenn sich das von den HörerInnen bestimmte Radio-Programm zu 95% deckt mit der üblicherweise gesendeten Gebrauchs- (gebraucht?) Musik.

Zu was Positiven. Der Hinweis kommt hoffentlich nicht zu spät. Am 27. April im Hot Jazz Club zu Gast: JOAN OSBORNE. Die fleissige Songwriterin, an deren ‚(What if God was) One of us‘ sich nicht nur ältere Semester gern erinnern, kommt mit ‘kleinem Besteck’ und einer grossen Portion eigener Songs. Gas geben, falls überhaupt noch Karten zu bekommen sind.

Witwe ZAPPA dreht gerade gewaltig auf. In den nächsten Tagen kommen gefühlte 20(!!) CD ihres komponierenden und Gitarre spielenden verstorbenen Gatten auf den Markt. Ich habe noch keine Details gelesen, denke aber vorwiegend an Outtakes, Live-Geschichten, alternative Versionen und auf diesem Weg offiziell gemachte Bootlegs, denn das gesuchte „Buffalo“ Doppel ist z.B. auch darunter. Weiter hilft da wohl nur das Netz, alle diese CDs werden sicher in keinem Laden dieser Stadt auftauchen.

Die CD ist neu, der Sound (die Basis..) aber schon seit mindesten den 80er Jahren bekannt und beliebt. VENN’s Album heisst „Runes“ und hat ein wenig von Cure, Factory Records, Joy Div. und nicht zuletzt Gary Numan. Eingängige Melodien, knackige Rhythmen und sogar Stimme und Art des Gesangs lassen angenehme Erinnerungen aufkommen.

Daher hat’s der Zimmermann

Die hier ist zwar neu aufgenommen, die Songs sind aber noch deutlich älter. Ein ganzes Arsenal bekannter und auch weniger bekannter Folkmusiker der USA hat sich der 26 Songs angenommen, die WOODY GUTHRIE zur Werbung für das geplante Kraftwerk der Bonneville Power Association in nur 30 Tagen verfasst hat. „ROLL COLUMBIA“ erklingt zum Teil in Woody’s Original Arrangements, einige Songs auch in modernisierten Versionen. Klingt natürlich sehr folkig / traditionell, da hört m/f sofort, wo der Zimmermann seine Lehre absolviert hat. Kultur!

Auf einen anderen Kontinent mit ‚A‘. Die ETHIO STARS und die TUKUL BAND teilen sich eine CD. Je eine Hälfte für jede dieser spezifisch äthiopisch klingenden Combos. Stimmt die erste Hälfte mehr auf sowas wie Nachtclub-Atmosphäre der 80er ein, geht es auf der 2. deutlich mehr in westliche Richtung. Verkappte Reggae-Beats, Gitarren-Riffs und klar mehr Druck. Und an beiden Bands beteiligt: Mulatu Astatke. Klarer Fall für Kenner, spannend für Einsteiger.

Multinational modern

Kaum treffend zu beschreiben, da extrem vielseitig und bunt gemischt aus Stilen von Disco bis Club, immer wieder unterbrochen von traditionellen Instrumenten, Melodien und Rhythmen. -M-TOUMANI mit SIDIKI DIABATÉ und FATOUMATA DIAWARA zünden auf „Lamomali“ ein echtes Feuerwerk an Ideen, holen andere malinesische Hochkaräter ins Studio, dazu Brasilianer, AmerikanerInnen und den französischen Counter-Tenor Ph. Jaroussky. Bisher nur 2x gehört und noch gar nicht ganz erfasst.

SIMONE KOPMAJER hat für ihr „Good Old Times“ gar nicht so weit zurück geblättert. Nicht das Great American Songbook geplündert, sondern einige ihrer Favoriten-Pop-Songs der vergangenen ca. 40 Jahre eingespielt. Mit kleiner Jazz Combo Begleitung und viel Herzblut interpretiert sie N. Young, die Gibb Brüder, Motown und nicht zuletzt Creedence Clearwater R.

Introvertierter Gitarrist

Zum Finale eine extra Schöne. DOMINIC MILLER’s diesjährige Platte erscheint auf ECM. Das gibt den Eingeweihten schon eine Idee vom Klang. Ruhige Gitarre fast solo, nur von Perkussion begleitet, nicht Fingerfertigkeit demonstrierend, sondern ausgefuchste Harmonien aus eigenwilligen Akkorden; „Silent Light“ ist ein ausgesprochen passender Titel für dieses Werk, das sich im weitesten Sinne zwischen den Polen akustischer Pat Metheny und Egberto Gismonti bewegt. Auch hier gilt, diese Platte taugt nur für Menschen, die die Zeit haben, sich Zeit zu nehmen!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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