BOOKA SHADE/ KING AYISOBA/ BvR FLAMENCO BIG BAND/ LUDWIG SEUSS/ PILOCKA KRACH/ NIKOS TSIACHRIS/ BLACK ANGELS/ CHANTAL ACDA/ ALICE FRANCIS/ QUADRO NUEVO & CAIRO STEPS

Das Kapitel Techno-/ Electro haben BOOKA SHADE beendet. Mit ihrem „Galvany Street“ liefern sie ein sehr gelungenes, elektronisch produziertes Pop Album ab. Mit Soundanleihen aus den letzten drei Jahrzehnten und Unterstützung durch renommierte Gastsänger (auffällig: Craig Walker / Archive) dehnen sie ihre Fähigkeiten weit in Richtung Song. Klar, flottes, tanzbares ist auch darunter, genauso aber auch balladeskes mit weichen Melodien und erkennbaren Refrains. Ganz anders als gewohnt, aber genau so gut.

Trotz zum Teil moderner Produktionsmethoden und Vokaleinlagen bleibt KING AYISOBA’s „1000 can die“ sehr nahe an der Überlieferung. Daran ändert auch die Mitwirkung von Lee Perry und Orlando Julius nur wenig. Traditionelle Rhythmen und Harmonien, weit weniger Fela Kuti als viel mehr Burundi Black.

Eine Combo mit 14 Bläsern plus Rhythmusgruppe plus 4 spezieller Gäste plus 4 Flamenco Musiker, das ist Bernard van Rossum’s BvR FLAMENCO BIG BAND. Und die zelebrieren tatsächlich eine äusserst gelungene Mischung erstklassiger eigener Kompositionen mit raffinierten Bläser Arrangements, Flamenco Elementen einschliesslich Gesang und jazziger Improvisation bzw. Solistenarbeit. Die perfekte Ergänzung zu ‚Sketches of Spain‘ und Vince Mendoza’s „Jazzpana“.

LUDWIG SEUSS, in einem früheren Leben der Tastateur der Spider Murphy Gang geht auf „And the Boogie Man“ zurück an seine Wurzeln. Zum Teil im Alleingang, aber auch mit Hilfe eines grösseren Grüppchens Gleichgesinnter bietet er 14x Boogie Woogie vom Feinsten. 4 eigene Titel, die anderen, von Grössen des Gewerbes, aber genau so persönlich umgesetzt. Für Blues und Boogie Freaks only.

Oldschool Techno mit modernem intellektuellen Überbau findet m/f auf der Doppel LP mit beigelegter CD von PILOCKA KRACH. Aufgenommen in Berlin, Detroit und Mexiko zelebriert sie auf „Sugar Cane & The lost Amigos“die pluckernden alten Beats, lässt Synthies zirpen und erklärt das Ganze zu ihrer neuen Kunst. So einfach klang flotter Partysound seit den 80ern nicht mehr.

Noch einmal jazziger Flamenco. Mit erheblich weniger Personal. Gitarre, Perkussion und gelegentlich ein dritter Mann. Damit kommt NIKOS TSIACHRIS auf seiner „Alcance“ aus. Mit beachtlicher Fingerfertigkeit inszeniert er seine Bulerias und Rumbas, die von Bandolero entsprechend feinfühlig mit traditionellen Rhythmushilfen untermalt werden.

Stecker in die Wand, jetzt wird gerockt. Die schon lange hochgelobten BLACK ANGELS rumpeln mit ihrem „Death Song“ durch 2017. Krachende Gitarren, verhallter Gesang, wuchtige Drums, so klingt ‚Psychedelic‘ heute. Allerdings sind Kopf und Geist klar und nehmen den Zustand der Welt deutlich wahr, aber nicht hin! ‚Wenn Du schon was singst, dann singe wenigstens was Wichtiges‘ ist ein klares Motto. Und so sind die Songs!!

Gut auch ohne Herrn Eckman

Zu CHANTAL ACDA muss ich hier in Münster nix lobendes mehr sagen. Der Vorgänger ‚The Sparkle..‘ war toll, Distance, Light & Sky noch besser und genau hier schliesst „Bounce Back“ an. Melancholische Songs in warme Arrangements gehüllt und zurückhaltend ausproduziert. Wirkt!

Nicht einfach nur Electro Swing!

ALICE FRANCIS hüpft mit ihrem „Electric Shock“ leicht aus der oft gleichförmigen Electro Swing Schublade heraus. Mit ihrer variablen Stimme sowieso, aber auch die Musik kriegt oft genug die Kurve vom simplen (Lindy) Hop Rhythmus hin zu strukturiertem Song mit Chorus und Refrain. Das öffnet Türen in andere Bereiche.

Unermüdlich Reisende

Die ‚Schmetterlings-Sammler‘ des Ethno Pop sind mit einem aufregenden neuen Album zurück. Für „Flying Carpet“ haben sich QUADRO NUEVO mit dem deutsch-agyptischen Ensemble CAIRO STEPS zusammen getan. Für Namen und Qualifikationen der beteiligten Musiker reicht hier der Platz nicht. Die Mixtur aus dem weit gefassten Weltverständnis des Quadro Nuevo und der andersartigen Harmonik und Rhythmik arabischer Musik übt vom ersten Augenblick an eine grossartige Faszination aus. Fliessende Übergänge von den morgenländischen Instrumenten zu jazzigen europäischen Elementen und zurück, ohne Hemmschwelle, ohne vorne und hinten und Melodien, die am Ende keiner der beiden Hemisphären mehr zuzuordnen sind. So geht gemeinsam! na dann... Tschüß!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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